Vor kurzem zog der Chefanlagenstratege der Bank of America, Michael Hartnett, einen Vergleich der aktuellen Börsensituation zu der im Jahr 2000. Droht bald ein Bärenmarkt?

Die derzeitige Rally im DAX und S&P 500 hält bereits seit fast vier Jahren an. Selbst Widerstände wie Kriege oder Zölle unterbrechen die Bullenmärkte nicht und die ersten Analysten sprechen bereits von einer Überhitzung des Marktes. Ende Mai zog Hartnett sogar einen Vergleich zur Internetblase (Dotcom-Blase) aus dem Jahr 2000.

Chefstratege warnt vor Wiederholung

Am 29. Mai schlossen 20 Unternehmen aus dem S&P 500 auf einem Rekordhoch - lediglich sieben davon hatten nichts mit dem KI-Hype zu tun. In einer Notiz an seine Kunden wies der Chefanlagenstratege der Bank of America darauf hin, dass ein ähnliches Phänomen bereits vor 26 Jahren auftrat. Damit zieht er einen Vergleich zu der Zeit, kurz bevor die Internetblase platzte, bei der unter anderem viele Kleinanleger mit massiven Verlusten zu kämpfen hatten.

Hartnett untermauert seine Beobachtung mit einer Kennzahl: das Shiller-KGV des S&P 500. Anders als beim normalen KGV, bemisst dieses den durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinn der letzten zehn Jahre und gibt die tatsächliche Ertragskraft an. In den vergangenen 155 Jahren lag dieser Wert für den Index im Schnitt bei 17. Bisher überschritt er jedoch zweimal die 40er-Marke. Das erste Mal in den Monaten vor der Dotcom-Blase und das zweite Mal am 29. Juni. Die Kennzahl zeigt nicht an, dass der Crash definitiv kommt. Allerdings ist sie ein Indikator dafür, dass die Märkte sehr empfindlich auf negative Nachrichten reagieren können.

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Infront S&P 500 (WKN: A0AET0)

Der Bärenmarkt kommt

Hartnett schreibt weiter, dass eine Zinserhöhung diesen Bullenmarkt bremsen könnte, weil höhere Zinsen die Wirtschaft dämpfen. Eine Anhebung könnte auch bald kommen: Neel Kashkari, Präsident der Federal Reserve Bank of Minneapolis, rechnet mit einer Zinserhöhung bis Ende des Jahres. Einen Monat zuvor vertrat er allerdings noch die Meinung, dass es noch zu früh sei, um eine solche Entscheidung zu fällen. Dahingegen erwarten 78 von 102 Ökonomen, die an einer Reuters-Umfrage vom 23. bis 25. Juni teilnahmen, dass die Federal Reserve die Zinssätze im aktuellen Bereich von 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent das ganze Jahr über stabil hält.

Seit Monaten warnen Experten vor einer Überhitzung des Marktes. Verschiedene Indikatoren, wie das zuvor erwähnte Shiller-KGV, könnten auf eine KI-Blase hindeuten. Bisher sind jedoch weiterhin Rekordwerte an der Tagesordnung. Anleger sollten dennoch erwägen, ihre Portfolios zu diversifizieren - vor allem, wenn sie nur in einem Sektor positioniert sind. Fehlen Ihnen noch die passenden Investmentideen, lohnt sich ein Blick in das BÖRSE ONLINE-Magazin. Mit dem Probeabonnement erhalten neue Leser die nächsten vier Ausgaben zum Vorteilspreis.

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Häufig gestellte Fragen

Warum vergleichen Analysten die aktuelle Marktlage mit der Dotcom-Blase?

Weil in beiden Phasen viele Anleger auf ein großes Zukunftsthema setzen und die Bewertungen stark steigen. Solche Vergleiche sollen zeigen, dass nicht jede Begeisterung automatisch durch Gewinne gedeckt ist.

Was sagt das Shiller-KGV über den Markt aus?

Das Shiller-KGV vergleicht den aktuellen Kurs eines Index mit den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinnen der letzten zehn Jahre. Ein sehr hoher Wert kann darauf hinweisen, dass Aktien im historischen Vergleich teuer sind.

Warum sind steigende Zinsen für Aktien oft ein Risiko?

Höhere Zinsen machen Kredite teurer und können das Wachstum bremsen. Gleichzeitig werden sichere Anlagen attraktiver, wodurch Aktien an relativer Anziehungskraft verlieren können.

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