Plötzlich gibt es Rückenwind für eine lange Zeit gebeutelte Branche. Zwei Aktien, die jetzt steigen, hat BÖRSE ONLINE in den vergangenen Wochen mehrfach empfohlen. Hier sind sie.
Es bewegt sich was in der europäischen Stahlindustrie — und das gleich an mehreren Fronten. Wie die „Financial Times“ berichtet, will Donald Trump einige Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte streichen. Vor allem deswegen, weil es Befürchtungen gibt, dass sie US-amerikanischen Verbrauchern schaden könnten. Im vergangenen Jahr führte die US-Regierung Zölle von bis zu 50 Prozent ein.
Während die EU mit den USA über eine mögliche Reduzierung verhandelt, plant Brüssel gleichzeitig einen massiven Schutzwall gegen Drittländer. Ab Juli 2026 will die EU-Kommission die zollfreien Stahlimporte von derzeit 30,5 Millionen Tonnen auf nur noch 18,3 Millionen Tonnen drastisch kürzen. Gleichzeitig sollen Zölle auf Überkontingentmengen von 25 auf 50 Prozent verdoppelt werden — vor allem aus Sorge, dass billiger Stahl aus China die europäischen Märkte überschwemmt, nachdem neben den USA auch Indien und Lateinamerika strengere Schutzmaßnahmen in Gang gebracht haben.
Für ThyssenKrupp kommt der Rückenwind zur rechten Zeit
Für die gebeutelte europäische Stahlindustrie könnte diese Doppelstrategie — Entspannung mit Washington, Abschottung gegen den Rest der Welt — zur lang ersehnten Trendwende führen. Der vorsichtige Optimismus spiegelt sich bereits an der Börse wider: Nach Jahren herber Verluste ziehen die Aktienkurse der Stahlkocher wieder an. Für den deutschen Branchenprimus Thyssenkrupp kommt der politische Rückenwind zur rechten Zeit — mitten in der Transformation und den laufenden Verhandlungen mit Jindal über den Verkauf der Stahlsparte. Und tatsächlich: Auch operativ zeigen sich erste Lichtblicke. Im ersten Quartal 2025/26 übertraf Thyssenkrupp beim bereinigten Ebit mit 211 Millionen Euro die Erwartungen. Besonders die Stahlsparte Steel Europe überzeugte mit verbesserter Marge, getrieben durch Restrukturierungsmaßnahmen und sinkende Rohstoffkosten.
Laut Management ist die Stahlnachfrage zwar noch gedämpft, es gebe aber eine Verbesserung bei den Volumina von Automobilkunden und Stahlservicezentren. CEO Miguel López glaubt, dass der Schub erst noch kommt und die politische Unterstützung für den Sektor Aufwärtspotenzial bietet — allerdings erst ab dem Geschäftsjahr 2026/27, wenn die neuen EU-Handelsschutzmaßnahmen voll greifen und möglicherweise auch die Verhandlungen mit Washington Früchte tragen. Die neue Marktdynamik kommt Thyssenkrupp auch in anderer Hinsicht gelegen: Für die laufenden Verhandlungen über den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung der Stahlsparte an den indischen Konzern Jindal Steel hat sich die Verhandlungsposition verbessert. Gut möglich, dass sich unter den neuen Gegebenheiten ein besserer Verkaufspreis erzielen lässt. Die Fantasie darauf könnte dem Aktienkurs Rückenwind geben. Auch bei Branchenprimus ArcelorMittal mehren sich die Hoffnungsschimmer. Analysten von Jefferies hoben ihre Einschätzung für die Aktie an und verweisen darauf, dass die EU-Maßnahmen Stahlimporte um bis zu zehn Millionen Tonnen reduzieren könnten. Letztlich seien die Aussichten für den Sektor besser als in der Vergangenheit.
Gute Nachrichten aus Österreich
Ebenso hält der Stahlkonzern Voestalpine an der Prognose fest und erwartet für das laufende Geschäftsjahr ein Ebitda zwischen 1,4 und 1,55 Milliarden Euro. Die Österreicher fuhren in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/2026 die Verschuldung zurück und drehten den freien Cashflow mit 345 Millionen Euro deutlich in den positiven Bereich.
Es mehren sich die Zeichen, dass der europäischen Stahlindustrie tatsächlich die Trendwende gelingen könnte — und die Aktienkurse der Branche nach dem Turnaround immer noch deutliches Aufwärtspotenzial bergen.
Zehn Comeback-Aktien in einem Zertifkat
Das bietet der "Reversal Index" von BÖRSE ONLINE. Hier mehr erfahren.
Lesen Sie auch: