Der globale Mangel an Halbleiterchips bereitet vielen Unternehmen Probleme. Nicht nur KI-Chips sind rar, teuer und mitunter nicht leicht zu beschaffen. Weniger komplexe Halbleiter boomen ebenfalls und lösen bei deren börsennotierten Herstellern Kursfantasie aus.

Auf der SC25 (16. bis 21. November), einer internationale Konferenz für Hochleistungsrechner, Netzwerke, Speicher und Analyse, wurde der drohende Engpass bei NAND- und DRAM-Speichern rege diskutiert. NAND-Speicher, auch als Flash-Speicher bezeichnet, behalten ihre Daten, wenn der Strom ausgeht. Sie werden in kleinem Maßstab etwa in Chipkarten eingesetzt. DRAM-Speicher stecken im Arbeitsspeicher von Laptops wie Großrechnern. Sie "vergessen" ihre Daten, wenn sie nicht mehr unter Strom stehen. 

Der sich nun abzeichnende Engpass bei Speicherchips stellt keine bloße Begleiterscheinung des KI-Booms dar. Er gilt als eigenständiger, struktureller Flaschenhals, der sich zunehmend vom besonders intensiv diskutierten Mangel an KI-Chips unterscheidet. Während der Markt für KI-Prozessoren – insbesondere GPUs von Nvidia und AMD, aber auch Broadcom – von einer extrem hohen Nachfrage getrieben wird, die bereits zu langen Lieferzeiten geführt hat, bleibt die „herkömmliche“ Chipproduktion grundsätzlich skalierbar: Neue Fertigungslinien lassen sich mit genügend Kapital und Zeit nach Plan errichten, und die Anbieterlandschaft ist breit genug, um mittelfristig zusätzliche Kapazitäten aufzubauen.

Globale Lieferketten bleiben fragil

Hochleistungsrechner und KI-Datenzentren benötigen allerdings ein Vielfaches früherer DRAM- und NAND-Mengen und sind deshalb mitverantwortlich dafür, dass die Nachfrage nach Speicherchips das Angebot schon bald übersteigen könnte. Das führt zu Lieferengpässen und daraus resultierenden Preisanstiegen. Der entscheidende Unterschied zum KI-Chip-Boom besteht im Grunde genommen darin, dass nicht der Rechenchip selbst die Grenze setzt, sondern dessen „Futter“: Ohne ausreichend Speicher können selbst modernste GPUs nicht effizient arbeiten. Während die GPU-Knappheit durch neue Fabriken und Rivalen schrittweise abklingt, bleibt der Speichermarkt als Flaschenhals bestehen – und wird damit womöglch schon bald zum wahren Taktgeber des KI-Wachstums.

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Diese Unternehmen könnten davon profitieren

Weil DRAM- und NAND-Speicher aber in großen Mengen auch in der Konsumelektronik, der Automobilproduktion, der Telekommunikation und der Medizintechnik benötigt werden, konkurrieren sie alle um das immer knapper werdende Angebot. Diese Nachfrage ist somit viel breiter als es bei KI-Chips der Fall ist. Unter den DRAM-Produzenten gelten Firmen wie SK Hynix, Samsung und Micron Technology als wichtige Player. Zu den wichtigsten NAND-Herstellern gehören Samsung, SK Hynix, Sandisk und Micron.

Das US-Analysehaus Wedbush Securities genießt in der Finanzwelt insbesondere bei der Bewertung von Technologiefirmen und Halbleiterwerten hohes Ansehen. Bereits im September hat der verantwortliche Analyst sein Kursziel für Micron Technology von 165 auf 200 Dollar deutlich angehoben und die Bewertung „Outperform“ bestätigt. Zahlreiche andere Analysten unterstützen diese positive Einschätzung. Auf der Website von Tradingview dominierte unter den insgesamt 40 erfassten Analysten-Ratings der vergangenen drei Monate eindeutig der Optimismus. So wurde die Aktie 27-mal als „Starker Kauf“, 10-mal als „Kauf“, zweimal als „Haltenswert“ und lediglich einmal als „Verkauf“ eingestuft. Daraus ergibt sich das  Gesamturteil: Starker Kauf. Bei 12-Monats-Kurszielen reichen die Prognosen unter 35 Analysten von 141 bis 338 Dollar und ergeben einen Durchschnittswert von 229,28 Dollar (aktueller Kurs: 237 Dollar). Angesichts einer historischen 250-Tage-Volatilität von 63 Prozent p.a. benötigen Investoren bei Micron Technology ein robustes Nervenkostüm, schließlich agiert das Unternehmen in einer ausgesprochen wettbewerbsintensiven Branche.

Ein Index, indem ziemlich viel Chip-Power enthalten ist, finden Sie hier: Chip Power Index

Micron Technology (WKN: 869020)

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