Der burmesische Rubin, der im Mai in Genf bei einer Sotheby’s-Auktion zum Aufruf kam, hatte alles, was ein kleiner Korund braucht, um in der großen weiten Welt Karriere zu machen: mit 25,6 Karat üppige Dimensionen, eine vornehme Provenienz (Cartier), und mit "taubenblutrot" den idealen Farbton. Umgerechnet etwa 27 Millionen Euro erlöste der Klunker, Weltrekord für einen roten Edelstein. Rekordverdächtig sehen zurzeit auch die Aktienkurse mancher Unternehmen aus, die Edelsteine schürfen - jedoch mit negativem Vorzeichen. Die 85-prozentige Anglo-American-Tochter DeBeers etwa - nach Umsatz der größte Diamantenkonzern der Welt - gibt es gerade zum Ausverkaufspreis.

Das Fiasko des britischen Rohstoffgiganten hat hauptsächlich zwei Gründe. Zum einen verwandelte der seit Jahren andauernde Preisverfall bei Rohstoffen - der Konzern ist nicht nur Weltmarktführer bei Platin und Diamanten, sondern auch groß bei Eisenerz, Kohle und Kupfer im Geschäft - die früheren Milliardengewinne in Verluste. Zum anderen erzielt Anglo American einen großen Teil der Umsätze in Südafrika, wo das wirtschaftliche Umfeld chronisch enttäuscht. Bergbaugewerkschaften setzen per Streik drastische Lohnerhöhungen durch, Stromausfälle sind alltäglich. Und von der inkompetenten Regierung ist keine Hilfe zu erwarten. Während der Anglo-Aktienkurs 2007 bei 50 Euro lag, steht er heute unter zwölf. Die Börse bewertet den Rohstoffgiganten mit gut 16 Milliarden Euro - nicht mal ein Viertel des Wertes von BASF.

Für konträr gepolte Anleger eine interessante Lage, zumal das Diamantengeschäft die Perle des Konzerns ist. Auf DeBeers, weiterhin hochprofitabel, entfällt ein knappes Viertel des Anglo-Gesamtumsatzes. Im ersten Quartal 2015 stieg die Produktion um zwei Prozent auf 7,7 Millionen Karat (à 0,2 Gramm). Die Eigenkapitalquote des Unternehmens lag zuletzt um 40 Prozent - nicht fantastisch, aber okay. Das Kurs-Buch-Verhältnis liegt unter eins, die Dividendenrendite nahe der Sechs-Prozent-Marke (wobei Analysten uneins sind, ob das so bleibt). Und selbst wenn es heute nicht danach aussieht: Eines Tages werden die Rohstoffpreise wieder steigen.

Gemfields aus London ist Marktführer für farbige Edelsteine. Die vor zwei Jahren erstmals von BÖRSE ONLINE empfohlene Firma bewirtschaftet die größte Smaragdmine der Welt (Kagem in Sambia), die größte Rubinmine (Montepuez in Mosambik) und die größte Amethystmine (Kariba, Sambia). Die Auktionsergebnisse, die Gemfields in den vergangenen Jahren vorlegte, waren durchweg positiv, erhielten kürzlich aber einen Dämpfer. Eine Auktion von Rohrubinen erster Güte erzielte in Singapur nur 617 US-Dollar je Karat - gut zehn Prozent weniger als die vorherige Auktion Ende 2014. Der Aktienkurs gab deutlich nach. Gemfields-Chef Ian Harebottle gibt sich jedoch zuversichtlich. Die Montepuez-Rubinmine habe "im vergangenen Jahr sieben Millionen Karat produziert, was wir innerhalb von zwei Jahren noch verdoppeln könnten - und dann noch einmal verdoppeln". Die Preise würde das keineswegs verderben, weil Gemfields, ähnlich wie einst DeBeers bei Diamanten, das Angebot gezielt managt und Mindestpreise festlegt, unter denen nicht verkauft wird.

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Ungehobene Schätze



Darüber hinaus verfolgt Harebottle zurzeit insbesondere die Expansion nach Äthiopien, wo Gemfields Smaragde abbauen könnte. Selbst Value-Anleger dürfen bei dem Unternehmen, zu dem die Luxusmarke Fabergé zählt, genauer hinsehen: In der Bilanz stecken stille Reserven. So werden beispielsweise die Vorräte an Rohrubinen (insgesamt 15 Millionen Dollar) nur zu 1,20 Dollar je Karat bewertet - aber im Schnitt zu 20 Dollar je Karat verkauft.

Mehr als doppelt so wertvoll wie Gemfields ist Petra Diamonds, ein mittelgroßer Produzent, der von den Bermuda- und Kanalinseln aus glänzende Geschäfte macht und zuletzt auf eine Jahresproduktion von mehr als drei Millionen Karat kam. Die legendäre Cullinan-Mine in Südafrika ist zwar nicht mehr so lukrativ wie einst, spuckt aber besonders seltene blaue Diamanten aus. Petra ist profitabel, das Management pfiffig, allerdings erscheint das Chance-Risiko-Profil zurzeit weniger attraktiv als etwa bei Anglo American.



Eine absolute Wild Card - und nur für extrem spekulative Anleger einen Blick wert - ist die Aktie der australischen Minifirma Lucapa Diamond, die seit Ende Mai in Frankfurt notiert. In Angola, heute der viertgrößte Diamantenproduzent der Welt, baut Lucapa seit Ende 2014 die Schwemmsedimente (sogenannte Alluvials) an den Ufern des Cacuilo-Flusses ab. Die Diamanten, die dort bisher ans Licht kamen, sind von spektakulärer Größe und Qualität. Sie erzielten Auktionspreise von im Schnitt mehr als 2500 Australischen Dollar je Karat - ein Vielfaches der durchschnittlichen Weltmarktpreise.

Den Cashflow aus den Alluvials will Lucapa-Chef Stephen Wetherall für die Erschließung der umliegenden Kimberlit-Zonen einsetzen: uralter Vulkanschlote, in denen Diamanten einst unter hohem Druck entstanden. Die Statistik der Geologie spricht gegen das Unternehmen. Nur ein Bruchteil aller Kimberlit-Pipes weist - wie bei Lucapa - überhaupt Diamanten auf, aber das heißt noch lange nicht, dass die sich mit Gewinn abbauen lassen. Die Etablierung einer neuen profitablen Kimberlit-Mine ist quasi der Sechser im Lotto der Diamantenbranche und entsprechend selten. Sollte Lucapa dieses Kunststück gelingen, wäre das Unternehmen irgendwann ein Zigfaches der aktuellen Marktkapitalisierung von 24 Millionen Euro wert. Falls nicht - adieu. Immerhin gräbt der russische Alrosa-Konzern nur 150 Kilometer entfernt in geologisch ähnlicher Lage: in Catoca, der viertgrößten Kimberlit-Mine der Welt.



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