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Gold: Warum die Krisenwährung wieder gefragt ist

Gold: Warum die Krisenwährung wieder gefragt ist
02.12.2018 04:50:00

Gold war bei Investoren als Krisenwährung lange nicht mehr gefragt. Im Falle einer Abkühlung des historischen US-Wirtschaftsbooms könnte sich das schlagartig ändern. Von Wolfgang Hagl und Christoph Platt



Kilometerlange Lkw-Staus am Fährhafen in Dover, Flugausfälle in London Heathrow und Produktionsstillstand in den Industriezentren Europas: Ein solches Szenario ist möglich, wenn Großbritannien am 30. März 2019 die EU verlässt. Obwohl sich Premierministerin Theresa May mit Brüssel und ihrem Kabinett auf einen Vertrag verständigt hat, ist der geordnete Brexit alles andere als sicher. Vor der auf den 10. Dezember terminierten Abstimmung im britischen Unterhaus formieren sich die Gegner der Regierungschefin.



Während das drohende Brexit-Chaos Europas Aktienmärkte seit Monaten ausbremst, profitiert die Krisenwährung schlechthin bisher kaum von der brisanten Gemengelage. Mit rund 1220 US-Dollar notiert die Feinunze Gold mehr als sechs Prozent unter dem Niveau von Ende 2017.


Um zu erkennen, wo Investoren stattdessen einen sicheren Hafen sehen, genügt ein Blick auf den US-Dollar-Index. Dieser Gradmesser zeigt die Entwicklung des Greenbacks in Relation zu sechs anderen Hauptwährungen. Im bisherigen Jahresverlauf legte die Benchmark mit dem Kürzel "DXY" um knapp fünf Prozent zu.

US-Notenbank unter Druck



Angesichts der Zinsentwicklung ist die Begeisterung für den Greenback nachvollziehbar. Mit 3,10 Prozent werfen zehnjährige US-Staatsanleihen rund 80 Basispunkt mehr ab als vor einem Jahr. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) treibt mit ihren Zinserhöhungen nicht nur die Renditen nach oben. Gleichzeitig raubt sie der Anlageform Gold den Glanz, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Und doch könnte der Zeitpunkt für einen Einstieg in die Krisenwährung gerade wegen der Entwicklung in den USA günstig sein.

Der schärfste Kritiker der Geldpolitik sitzt im Oval Office. "Ich denke, die Fed ist außer Kontrolle. Was sie tut, ist falsch" - diese Aussage ist nur ein Beispiel für Donald Trumps Tiraden von in Richtung Notenbank. Noch zeigen sich die Währungshüter unbeeindruckt. Fed-Präsident Jerome Powell könnte am 11. Dezember die vierte Zinserhöhung in diesem Jahr verkünden. Sicher ist dieser Beschluss jedoch genauso wenig wie die für 2019 in Aussicht gestellten weiteren Schritte nach oben. Eine Abkühlung der US-Wirtschaft könnte bei der Fed rasch für ein Umdenken sorgen.

Argumente für ein solches Szenario gibt es genügend, vor allem hängt der von Trump angezettelte Handelsstreit mit China wie ein Damoklesschwert über dem boomenden Amerika. Ungeachtet dessen dürften die positive Effekte aus der jüngsten Steuerreform über kurz oder lang verpuffen. Mit der Einlösung dieses Wahlversprechens sorgte Trump dafür, dass sich der ohnehin schon rekordhohe Schuldenberg der Vereinigten Staaten (siehe "Auf einen Blick", Seite 2) weiter auftürmt.

Bei den internationalen Notenbanken nehmen die Zweifel an der Weltleitwährung offenbar zu. Laut Daten des World Gold Council (WGC) haben sie im dritten Quartal zusammen unterm Strich 148,4 Tonnen Gold gekauft - der höchste Wert seit Ende 2015 (siehe "Auf einen Blick"). Vor allem die Emerging Markets stocken ihre Bestände auf. Sie reduzieren damit die Abhängigkeit vom Dollar und stellen ihre Devisenreserven breiter auf. Die Streuung des Kapitals ist auch für Privatanleger ein zentrales Argument, Gold in ein Portfolio aufzunehmen.

Diversifikation, Krisenschutz, Preisspekulation: Von diesen Motiven hängt es ab, wie Anleger sich dem gelbem Metall nähern sollten. Wer sich gegen Verwerfungen an den Märkten wappnen und im Extremfall über eine Ersatzwährung verfügen möchte, sollte zum physischen Metall greifen. Gerade für diese Gruppe ist der Edelmetallhändler-Test 2018 interessant. Auf Seite 5 lesen Sie, wie sich die Dienstleister bei der vom Schwesterblatt €uro am Sonntag in Auftrag gegebenen Analyse geschlagen haben.

Auf Seite 2: Krisenwährung auf einen Blick



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Bildquelle: Srdjan Zivulovic/Reuters, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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