Der Chiphersteller Infineon hat im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember mehr Gewinn erzeugt als erwartet. Die Umsatzrendite (Segmentergebnis-Marge) schrumpfte im Vergleich zum Vorjahresquartal zwar um 2,7 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent, wie Infineon in Neubiberg bei München mitteilte. In Aussicht gestellt hatte der Vorstand allerdings lediglich eine Marge von 13 Prozent. Der Überschuss sank um 17 Prozent auf 210 Millionen Euro und lag damit über dem Betrag von 190 Millionen Euro, den Branchenexperten erwartet hatten. "Unter schwierigen Bedingungen ist der Umsatz wie erwartet zurückgegangen", so Infineon-Chef Reinhard Ploss.

Für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres zeigte er sich optimistisch: "Die Nachfrage nach der neuesten Generation unserer Siliziummikrofone entwickelt sich sehr dynamisch. In einzelnen Bereichen wie dem Server-Geschäft sehen wir Anzeichen der Besserung. In Summe rechnen wir weiterhin nicht vor der zweiten Hälfte unseres Geschäftsjahres mit einer breiten Erholung der Nachfrage. Unsere langfristigen Wachstumstreiber sind intakt und wir tragen entscheidend zur Mobilitäts- und Energiewende bei."

Sowohl im Geschäft mit Chips für die Autoindustrie als auch in der PMM-Sparte, in der das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung sowie mobile Geräten wie Smartphones oder Tablets gebündelt ist, hatte Infineon mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen. Das Segmentergebnis sank gegenüber dem Vorquartal um fünf Prozent auf 297 Millionen Euro, der Umsatz ging um sieben Prozent auf 1,92 Milliarden Euro zurück.

Ausblick solide


Im zweiten Quartal rechnet Infineon mit einem Umsatzplus von fünf Prozent (plus oder minus zwei Prozentpunkte) gegenüber dem Vorquartal sowie einer Segmentergebnis-Marge von 16 Prozent im Mittelpunkt der Umsatzprognose. Voraussetzung sei aber, dass die Folgen des Coronavirus die Geschäftsentwicklung nicht signifikant beeinträchtigten.

Für das Segment PMM (Power Management & Multimarket) wird erwartet, dass das Umsatzwachstum über dem Konzerndurchschnitt liegen wird. In der Auto-Sparte soll der Umsatz in etwa auf der Höhe des Konzerndurchschnitts liegen. Im Bereich Industrial Power Control (unter anderem Industrieantriebe, Photovoltaik Windkraftanlagen) wird ein etwas geringeres Wachstum als der Konzerndurchschnitt erwartet, während beim Segment Digital Security Solutions mit einem stagnierenden bis nur leicht wachsenden Umsatz zu rechnen ist.

Im Geschäftsjahr 2020 will Infineon rund 1,3 Milliarden Euro in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte investieren. Rund ein Drittel dieses Betrags entfällt auf Fertigungsgebäude sowie Bürogebäude. Die Abschreibungen sollen sich auf etwa eine Milliarde Euro belaufen. Davon entfallen rund 60 Millionen Euro auf Abschreibungen aus Kaufpreisallokationen hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Kauf der US-Firma von International Rectifier Anfang 2015. Der Free-Cash-Flow soll sich gegenüber dem Vorjahr erheblich verbessern und einen Wert zwischen 500 und 700 Millionen Euro erreichen.

Der Abschluss der Übernahme des US-Chipkonzerns Cypress Semiconductor verzögert sich. Der Vollzug werde für das Ende des laufenden oder den Beginn des kommenden Kalenderquartals erwartet, teilte Infineon mit. Im vergangenen Jahr hatte Ploss noch einen Abschluss der Übernahme um den Jahreswechsel herum angekündigt.

Unsere Einschätzung:


Die Chipbranche hatte es im vergangenen Jahr wegen Konjunktursorgen und dem Handelskonflikt nicht leicht. Doch es dürfte wieder aufwärts gehen. Da Infineon einen Großteil seiner Umsätze mit der Autoindustrie erzielt, dürfte der Wandel in der Autoindustrie weg von herkömmlichen Antrieben hin zu Elektro- und Hybridfahrzeugen besonders gelegen kommen. In diesen werden rund doppelt so viele Chips verbaut wie in anderen Autos. Hinzu kommen Halbleiter für die Anwendungen in der Künstlichen Intelligenz. Auch sonst stimmt der Ausblick positiv: Im zweiten Quartal rechnet der Konzern mit einem Umsatzplus von fünf Prozent.

Anleger reagierten positiv auf die Zahlen des Chipherstellers. Die Aktien legten schon am Mittwoch um fast sechs Prozent zu. Charttechnisch ist an der 200-Tage-Linie (grüne Linie) das herausfordernde vergangene Jahr zu erkennen. Gegen November 2019 schwächte sich der Abwärtstrend ab und bewegt sich seither seitwärts. Setzt sich der derzeitige Aufschwung fort, dürfte es auch für die 200-Tage-Linie bald leicht aufwärts gehen. Der mittelfristige Trend nach oben (grüne Linie) zeichnete sich bereits gegen Ende 2019 ab und durchbrach die 200-Tage-Linie nach oben.

Für Anleger dürften sich damit gute Chancen ergeben. Wir bleiben bei der Kaufempfehlung.