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Investor AB-Aktie: Es bleibt in der Familie

Investor AB-Aktie: Es bleibt in der Familie
18.07.2016 06:14:00

Vor 100 Jahren wurde die Beteiligungsgesellschaft der Familie Wallenberg gegründet. Die Aktie läuft deutlich besser als der schwedische Aktienmarkt. Hedgefonds und Pensionskassen sind von dem werthaltigen Anlagekonzept überzeugt. BÖRSE ONLINE besuchte die Zentrale in Stockholm. Von Tim Schäfer

Das Vermögen der Milliardärsfamilie Wallenberg wird in einem mehrgeschossigen, aber keineswegs protzigen Altbau verwaltet. Eines fällt beim Betreten des Gebäudes in der Stockholmer Innenstadt sofort auf: Hier spurten keine Trader übers Parkett. Laufbänder mit Börsenkursen? Fehlanzeige.

Das Imperium wird mit großer Ruhe und Gelassenheit gesteuert. An der Rezeption stehen frische Schnittblumen. Eine Bibliothek dient als Besprechungszimmer. An den Wänden hängen die Fotos der Vorfahren. Wer hier Deals einfädelt, dem schauen die Ahnen still über die Schulter. Tradition wird großgeschrieben.

Den Grundstein legte 1856 Kapitän André Oscar Wallenberg, der als 30-Jähriger die Seefahrt aufgab, um als Geschäftsmann tätig zu werden. Inspiriert haben ihn die vielen aufstrebenden Länder, die er bereist hatte. Er gründete Stockholms Enskilda Bank, kurz SEB. Zunächst finanzierte seine Bank Eisenbahnen und Brücken. Als die Konjunktur 1896 einbrach, wurden zahlreiche Kredite notleidend. Statt die Schuldner in die Insolvenz zu treiben, entschied der einstige Kapitän, sich bei den strauchelnden Firmen zu engagieren. So ging die SEB etliche Beteiligungen ein, die vor exakt 100 Jahren in der Holding Investor AB gebündelt wurden.

Seither ist unter diesem Dach eine Perle herangereift. Der einflussreiche Wallenberg-Clan hält 23 Prozent des Grundkapitals und 50 Prozent der Stimmrechte. Seit 1917 ist die Aktie an der Börse gelistet. Im Portfolio befinden sich Anteile am Kraftwerksbauer ABB, am Haushaltsgerätehersteller Electrolux, am Börsenbetreiber Nasdaq und am Pharmariesen AstraZeneca. Im Fokus steht naturgemäß Skandinavien. Vorstandschef Johan Forssell beschrieb auf der Hauptversammlung die Strategie so: "Es ist eigentlich einfach. Investor ABs Perspektiven werden in den kommenden Dekaden davon abhängen, wie unsere Firmen abschneiden - ganz gleich, ob sie nun börsennotiert sind wie Atlas Copco oder SEB oder ob sie uns vollständig gehören wie Mölnlycke oder Permobil."

Permobil ist der weltweit größte Hersteller von Hightech-Rollstühlen. Gegründet hat das Unternehmen der Dorfarzt Per Uddén in den 60er-Jahren. Mölnlycke vermarktet Wundversorgungsprodukte. Diese Unternehmen sorgen für einen kontinuierlichen Cashflow, der Investor AB vollständig zur Verfügung steht. Anders dagegen sind die Beteiligungen an Börsenkonzernen. Von ihnen fordern die Wallenbergs starke Bilanzen und eine angemessene Profitabilität. Sie profitieren dann indirekt über die Dividenden.

Das Prinzip erinnert an Börsenguru Warren Buffett, nur ist der Ansatz noch langfristiger. Die Haltedauer ist unbegrenzt, bei Investor AB frönt man einer extremen Form von "Buy and Hold". An ABB und Electrolux sind die Stockholmer seit 1925 respektive 1956 beteiligt.

Krisen kommen den Schweden gelegen. Sehen sie eine Bewertungslücke, schlagen sie sofort zu. Schließlich bezeichnen sie sich als Value-Anleger. Während der Weltwirtschaftskrise im Februar 2009 halfen sie der SEB mit einer Kapitalspritze, die Krise zu bewältigen. Außerdem nutzte die berühmte Familie die günstigen Kurse, um ein Aktienpaket an Wärtsilä, einem Hersteller kompletter Schiffsantriebe, zu erwerben. Mittlerweile liegt der Anteil an Wärtsilä bei rund 17 Prozent.

Der Stimmrechtsanteil ist bei vielen Investments deutlich größer als der Aktienanteil. An der Telekomequipmentgruppe von Ericsson beträgt der Aktienanteil 5,3 Prozent, die Stimmen summieren sich aber auf 21,5 Prozent. So zementiert die Dynastie ihren Einfluss - zum langfristigen Wohl der Unternehmen, heißt es in Schweden.

Auf Seite 2: Mehr als nur Wohlstandsvermehrung



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