Gemischtwarenläden haben an der Börse keinen allzu großen Fanclub. Unternehmen, die sich der Spezialisierung verweigern und aus historischen oder programmatischen Gründen eine Vielzahl von Branchen abdecken, locken viele Anleger schlicht nicht aus der Reserve. Zu wenig Transparenz und Wachstumsfantasie, lautet der oft gehörte Vorwurf. Die Folge: Oft sind solche Konglomerate, Mischkonzerne oder Holdings günstig bewertet. Typischerweise liegt ihr Aktienkurs nur wenig über dem Buchwert, mitunter sogar deutlich darunter, also im Billigbereich.

Beispiele gibt es rund um den Globus. In Europa zählen etwa Groupe Bruxelles Lambert aus Belgien, CF Alba (Spanien) und die beiden schwedischen Holdings Industrivärden und Investor in dieses Anlagesegment. In China beziehungsweise Hongkong sind es CITIC Group, CK Hutchison und Jardine Matheson, in den USA Berkshire Hathaway, die legendär erfolgreiche Investmentgesellschaft von Warren Buffett. Auch der japanische Mischkonzern Itochu, bei deutschen Anlegern so gut wie unbekannt, fällt in diese Gruppe und ist aktuell so attraktiv bewertet, dass ein genaueres Hinschauen lohnt.



Die Wurzeln des weltweit tätigen Unternehmens gehen auf das Jahr 1858 zurück, als Chubei Itoh im sich wirtschaftlich öffnenden Kaiserreich ein Textilunternehmen gründete. Heute ist das Handelshaus mit Doppelsitz in Osaka und Tokio ein Gigant mit mehr als 100 000 Beschäftigten und denkbar breit aufgestelltem Geschäft.

Neben Textilien macht der Konzern unter anderem in Maschinen und Rohstoffen, Energie und Chemie, Finanzdienstleistungen und IT. In Deutschland am bekanntesten dürfte indes die Bananen- und Ananasmarke Dole sein. Vor sechs Jahren kaufte Itochu dem Südfruchtriesen nämlich zwei große Abteilungen ab - das globale Konservengeschäft und das Frischwarenbusiness in Asien.

Ein wichtiges Detail für Anleger, um möglicherweise kostspielige Dispositionsfehler auszuschließen: Einige Itochu-Ableger sind mit separater Notierung an den Börsen gelistet, so Itochu Enex (Energie), Itochu Techno-Solutions (IT, In Japan als CTC bekannt) und Itochu-Shokuhin (Lebensmittelhandel). Der Mutterkonzern, Itochu Corporation, kontrolliert dort jeweils mehr als die Hälfte der Anteile, hat also weiterhin das Sagen. Darüber hinaus ist die Itochu Corporation eine Allianz und Überkreuzbeteiligung mit Thailands Food-Konglomerat Charoen Pokphand (CP Group) eingegangen. Dieses japanisch-thailändische Bündnis hat sich wiederum gemeinsam als Großaktionär bei Chinas staatlich kontrolliertem, aber börsennotiertem Mischkonzern CITIC eingekauft.

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Attraktive Kennzahlen



Itochus Börsenkennzahlen sehen interessant aus. Der Buchwert je Aktie liegt bei umgerechnet 13,20 Euro, was einem niedrigen Kurs-Buch-Verhältnis von knapp 1,2 entspricht. Im zurückliegenden Geschäftsjahr per Ende März 2018 lag die Eigenkapitalrendite bei 15,8 Prozent. Dieser relativ hohe Wert hängt auch damit zusammen, dass die Eigenkapitalquote bei "nur" knapp 31 Prozent liegt (per April 2018).

Das mag für manchen auf den ersten Blick milde unsolide aussehen, ist aber so schlecht nicht, wenn man berücksichtigt, dass diese Quote ein Allzeithoch markiert und immerhin 3,5 Prozentpunkte höher liegt als zwei Jahre zuvor. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des für 2018 erwarteten Gewinns liegt deutlich unter zehn. Für Anleger, die die Wachstumsmärkte in Asien abdecken wollen, stellt die Itochu-Aktie eine Alternative zu Fonds dar. Zum einen entfallen beim Kauf einer Holding-Aktie hohe Ausgabeaufschläge und regelmäßige Managementgebühren. Zum anderen schüttet Itochu zweimal jährlich eine Dividende von aktuell jeweils 37 Yen aus. Das entspricht einer Dividendenrendite von 3,7 Prozent im Jahr.

Der von US-Präsident Donald Trump losgetretene Handelskrieg stellt aktuell ein Risiko dar, das schon jetzt viele Schwellenmarktbörsen in Mitleidenschaft gezogen hat. Angehende Itochu-Aktionäre sollten das im Hinterkopf behalten. Schwache Börsentage könnten eine schöne Kaufgelegenheit darstellen.