EURO AM SONNTAG

Kosmetik-Aktien: Wie Anleger vom Beauty-Boom profitieren

Kosmetik-Aktien: Wie Anleger vom Beauty-Boom profitieren

WKN: A1JWVX ISIN: US30303M1027 Facebook Inc.

229,50 EUR
7,55 EUR 3,40 %
07.08.2020 - 19:56
09.08.2019 05:00:00

Jugend konsumiert anders - das zeigt sich bei Gesichtspflege und Make-up. Nicht bloß die Marke entscheidet, sondern auch der Wellness-Faktor. Wie etablierte Konzerne den Wandel meistern. Von Birgit Haas, Euro am Sonntag

"Der Lippenstift-Index ist Rea­lität", sagte voller Inbrunst Fabrizio Freda, Lenker des Schönheitskonzerns Estée Lauder, bei der jüngsten Präsentation der Quartalszahlen. Lippenstift-Index? Diesen Begriff prägte einer seiner ­Vorgänger. Leonard Lauder, Sohn der Gründerin Estée Lauder und bis 2009 an der Spitze des US-Konzerns, beobachtete nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001, dass sich der Absatz von Lippenstiften trotz Rezession um elf Prozent erhöhte.



Seine Erklärung: "Der Lippenstift ist ein Stück Luxus, das man sich immer leisten kann." Ökonomen zweifeln zwar die Evidenz dieses Lippenstift-Index an. Aber Freda ist überzeugt, dass Estée Lauder deshalb "weniger empfindlich auf wirtschaftlichen Abschwung" reagiert.


Tatsächlich waren die Zahlen so gut, dass An­leger trotz der nicht mehr ganz günstigen Bewertung beherzt zugriffen: Ende Februar markierte der Aktienkurs ein neues Rekordhoch. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs, das im Dezember endete, stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent, währungsbereinigt um elf Prozent, und knackte erstmals die Marke von vier Milliarden Dollar. Es ist das achte Quartal in Folge, in dem Estée Lauder in einem hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich wächst.

Der Lippenstift-Index mag dabei sicher eine Rolle spielen. Aber dass die heutige Jugend, die Selfie-Generation, großen Wert auf Körperpflege legt, dürfte ebenfalls das Geschäft treiben. "Früher als in anderen Segmenten haben Kosmetikkunden neue Technologien wie Social Media für sich entdeckt, um sich zu informieren und um Beauty- Produkte zu kaufen", sagt Stefan Rickert, Konsumgüterexperte der Beratungsgesellschaft McKinsey.

Make-up bietet sich ganz besonders für die Selfie-Biotope Instagram, Snapchat, Twitter und andere Social-Media- Plattformen an. Wie es aufgetragen wird, zeigen Influencer in Videos auf Youtube. Laut einer McKinsey-Studie sind 2016 jeden Monat 1,5 Millionen Clips rund um die Schönheit hochgeladen worden. 4,6 Milliarden Schönheitsbeiträge haben die Nutzer monatlich angeschaut. Außerdem waren Begriffe rund um Schönheit und Kosmetik vor zwei Jahren Top-Suchkandidaten in der Suchmaschine Google.

Dass neben Estée Lauder auch die anderen großen Kosmetik- und Luxusfirmen L’Oréal, LVMH oder Beiersdorf davon profitieren, ist nicht selbstverständlich. Sie haben nämlich Konkurrenz bekommen. Kosmetik funktioniert im Internet gut, das ermöglicht es kleinen Anbietern, groß zu werden. Zwischen 2008 und 2016 wuchsen die Neuen im Schnitt mit 16 Prozent jährlich, viermal schneller als die Etablierten. Mittlerweile halten sie im global knapp 69 Milliarden US-Dollar schweren Markt einen Anteil von über zehn Prozent.

Viele der Angreifer vertreiben nur eine einzige Marke, gepaart mit ethischen Prinzipien: tierversuchsfreie Naturkosmetik etwa, zumal nachhaltig verpackt, boomt. Start-ups wie das kalifornische 100%Pure beweisen mit postenden Werbefiguren wie "Organicbunny" auf Instagram, dass sich Bioprodukte und Glamour nicht ausschließen. Auch die Geschichte der mit Smileys und Peace-Zeichen verzierten rosa-weißen Tuben von Glossier wäre ohne Social Media nicht möglich gewesen. 2014 von der Bloggerin Emily Weiss gegründet, berät Glossier über die beiden Instagram-Accounts "Glossier" und "Into the Gloss" über den richtigen Farbton fürs tägliche Make-up und hat zusammengenommen mehr als 2,5 Millionen Follower. Der Absatz legt jährlich um 600 Prozent zu.

Estée Lauder hat auf diese Entwicklung auch mit Zukäufen reagiert: 2017 nahmen die New Yorker die kanadischen Gesichtspflegespezialisten von Deciem unter das Konzerndach, im Jahr zuvor hatte Lauder die Marken Becca und Too Faced erworben. L’Oréal hat seit 2010 mehr als 1600 Digitalexperten eingestellt und Marken wie Urban Decay, NYX und IT Cosmetic zugekauft.

Auf Seite 2: Labore für Teenies



Seite: 1 | 2

Bildquelle: missmimimina/stock.adobe.com

Aktien in diesem Artikel

Beiersdorf AG 95,88 -1,80% Beiersdorf AG
Facebook Inc. 229,50 3,40% Facebook Inc.
Glow Holdings Inc. 0,04 15,79% Glow Holdings Inc.
LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton S.A. 375,05 0,03% LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton S.A.
Snap Inc. (Snapchat) 18,41 0,92% Snap Inc. (Snapchat)

Aktienempfehlungen zu Facebook Inc.

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
31.07.20 Facebook Outperform RBC Capital Markets
31.07.20 Facebook overweight Barclays Capital
31.07.20 Facebook buy UBS AG
31.07.20 Facebook Outperform Credit Suisse Group
31.07.20 Facebook overweight JP Morgan Chase & Co.
mehr Aktienempfehlungen

Nachrichten

  • Nachrichten zu Aktien
  • Alle Nachrichten
pagehit