Als Kfz-Versicherter bei der HUK-Coburg habe ich im Herbst 2020 die Mitteilung erhalten, dass es wegen Corona eine Beitragsrückerstattung geben werde. Dann bekam ich ein (teureres) Angebot für 2021, und die Erstattung wurde für Mai 2021 angekündigt - aber nur, wenn ich 2021 Kunde bleibe. Im Mai wurde die Erstattung beziffert. Sie ist aber nicht ausgezahlt worden, sondern wird für das Beitragsjahr 2022 verrechnet. Ich muss also drei Jahre lang Kunde bei der HUK-Coburg sein, bis ich die angekündigte Erstattung bekomme. Soll das etwa fair sein? Für mich ist das ein Skandal!

Eine Sprecherin der HUK-Coburg bestätigte gegenüber €uro am Sonntag grundsätzlich den von Ihnen beschriebenen Mechanismus. Sie betonte allerdings: "Unsere Mitglieder und Kunden an den Corona-bedingten Einsparungen in der Kfz-Versicherung teilhaben zu lassen, finden wir fair. Es gibt kaum andere Versicherer, die eine solche Entscheidung im Sinne der Kunden getroffen haben."

Damit hat die HUK-Coburg recht. Zum Hintergrund: Fahrten zur Arbeit, zur Schule oder zum Kindergarten fielen 2020 häufig den Corona-Beschränkungen zum Opfer. Das gilt auch für Besuche bei Freunden oder Autofahrten in den Urlaub. Im Frühjahr 2020 gab es auf deutschen Straßen bis zu 58 Prozent weniger Autofahrten, im November und Dezember lag das Minus noch mal bei rund 50 Prozent - verglichen mit Vor-Corona-Zeiten. Auch 2021 wurde bislang wegen der Pandemie deutlich weniger gefahren. Autoversicherer können damit gut leben: 2020 zahlten sie laut Versichererverband GDV für Schäden 9,1 Prozent oder 2,3 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr.

Nur zwei von 25 zahlen freiwillig

Schön wäre es, wenn die Assekuranzen das Geld gleich den Versicherten zurückzahlen würden. Doch weit gefehlt. Laut einer im Frühjahr erfolgten Umfrage von €uro am Sonntag unter 25 großen Gesellschaften erstatten nur zwei automatisch einen Teil des Beitrags zurück. "Wir werden in der Kfz-Versicherung unseren Kunden 150 Millionen Euro zurückzahlen", sagt Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher von Marktführerin HUK-Coburg, die 13 Millionen Fahrzeuge versichert hat. Die DEVK beabsichtigt, 2021 gut 13 Millionen Euro an über eine Million Kunden auszuzahlen. Grundsätzlich bekommt nur Geld zurück, wer keinen Unfall hatte. Zwar hatte der HUK-Coburg-Konzern im Jahr 2020 rund 477 Millionen Euro weniger Aufwand, und bei der kleineren DEVK sanken die Ausgaben für Schäden um über 67 Millionen Euro. Doch immerhin geben diese Versicherer freiwillig wenigstens etwas zurück.

Um ihre Kunden zu beschwichtigen, verweisen viele andere Autoversicherer darauf, dass sie individuell Geld zurückbekommen können. Sie müssten dafür lediglich neu schätzen, wie viele Kilometer sie wahrscheinlich pro Jahr fahren werden. Dann sei es möglich, zu viel gezahlte Prämien erstattet zu bekommen.

Doch die meisten haben diese Chance bisher nicht wahrgenommen. Nach Zahlen vom Frühjahr haben etwa bei der Zurich mit knapp 50.000 Versicherten nur rund elf Prozent verlangt, die Prämie neu zu berechnen. Bei der Allianz, der Nummer 2 am Markt, haben sich mit 350.000 Kunden lediglich vier Prozent gemeldet und etwa 20 Millionen Euro zurückerhalten. Generell hängen viele Versicherer das Thema nicht an die große Glocke. So verweigert der LVM "aus Wettbewerbsgründen" eine Aussage, und die Generali möchte keine "unternehmensinternen Daten" preisgeben.

Wechseltermin während des Jahres wichtig

Für Policen, die sich immer zum 1. Januar jähren (also zu diesem Stichtag ihre sogenannte Hauptfälligkeit haben), ist es für eine Rückforderung schon zu spät. Gilt aber eine unterjährige Hauptfälligkeit, können sich die Kunden noch melden. Wer einen Vertrag mit Hauptfälligkeit 1. August hat, kann bis zum 31. Juli 2021 eine geringere Fahrleistung für 2020/2021 beantragen. Geld zurück gäbe es dann ab dem 1. August 2020.

Diesen Trick können immer mehr Versicherte nutzen. Laut GDV ist jede siebte Kfz-Versicherung "unterjährig" - Tendenz steigend. Damit könnten hochgerechnet fast acht Millionen Pkw-Besitzer prüfen, ob sie für 2020 eine Rückerstattung eines Teils der Prämie erhalten. Und für 2021 gilt das für fast alle Autofahrer.