Diese an der Nasdaq gelistete Aktie gehört schon länger zum KI-Universum. Doch so richtig ging es mit dem Kurs nicht voran. Das könnte sich jetzt ändern, denn Nvidia hat sich beteiligt – und will den Junior-Partner in sein KI-Ökosystem einbinden.
Nachdem Nvidia am Dienstag ankündigte, zwei Milliarden Dollar in den Halbleiterkonzern zu investieren, springt die Aktie von Marvell Technology vorbörslich um mehr als elf Prozent nach oben. Damit setzt der Chip-Gigant seine Reihe von Beteiligungen im Technologiesektor fort – und schreibt dabei immer größere Tickets. Für Marvell ist der Deal eine Auszeichnung, die Geschäfte nachhaltig beflügeln könnte: Nvidia öffnet die Türen zu neuen Kunden, Projekten und KI-Investoren, die Marvell zu zusätzlichen Aufträgen verhelfen könnten.
Nvidia-Chef Jensen Huang begründete den Schritt laut CNBC mit der nächsten Phase in der KI-Nachfrage. Die „Inference-Inflection“ sei erreicht, sagte Huang. Diesen Begriff hatte der Nvidia-Gründer erstmals vor einigen Wochen auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz GTC verwendet. Er meint, dass nun ein Übergang von der Phase beginne, in der KI-Modelle hauptsächlich trainiert wurden, hin zu einer Phase, in der austrainierte KI-Systeme Ergebnisse generieren und Aufgaben ausführen. Im Englischen gibt es dafür das Wort „inference“ (Inferenz).
Eine Zeitlang dachten Experten, diese neue Phase könne eine Gefahr für die Margen von Nvidia darstellen, weil Hyperscaler wie Google zusammen mit Broadcom für den Alltagsbetrieb ihrer KI-Modelle mittlerweile eigene Inference-Chips entwickelt haben, die deutlich günstiger sind als die Nvidia-Racks. Doch Nvidia hat schnell reagiert – und mit Groq einen Entwickler solcher Chips akquiriert. Mit der Beteiligung von Marvell kommt nun ein weiterer Baustein hinzu, mit dem Nvidia verstärkt auch die alltäglichen KI-Anwendungen unterstützen will, um der neu aufkommenden Konkurrenz zuvorzukommen.
Nvidia-Ökosystem trifft Marvell-Technik
„Der Wendepunkt ist gekommen. Die Nachfrage nach Token-Generierung steigt rasant, und weltweit wird mit Hochdruck an der Errichtung von KI-Fabriken gearbeitet“, erklärte Huang in einer Pressemitteilung. „Gemeinsam mit Marvell ermöglichen wir es unseren Kunden, das KI-Infrastruktur-Ökosystem von Nvidia zu nutzen und zu skalieren, um spezialisierte KI-Rechenkapazitäten aufzubauen.“
Kunden sollen künftig noch leichter eine Infrastruktur rund um Nvidias Plattform aufbauen können. Das klingt technisch, ist aber wirtschaftlich durchaus relevant: Wer neben KI-Chips auch die Basis-Bausteine für Rechenzentren liefern kann – etwa Netztechnik, Datenverbindungen und effiziente Strom-Anbindungen – bekommt einen größeren Teil des Investitionskuchens.
Zudem kündigte Nvidia an, dass die beiden Unternehmen auf dem neuen Feld der Photonik sowie bei Telekommunikations-Netzen zusammenarbeiten werden. Silizium-Photonik gilt als Schlüsseltechnologie, um Daten mit Lichtsignalen schneller und energieeffizienter über kurze und mittlere Strecken auch innerhalb von Rechnern zu transportieren.
Für Marvell, das in Netzwerkchips und Infrastruktur-Halbleitern stark ist, kann die Kooperation den Zugang zu Projekten eröffnen, bei denen Standards, Kompatibilität und schnelle Realisierungszeiten über die Vergabe von Aufträgen entscheiden. Sollten schon bald die ersten Aufträge eintreffen, würde das die Aktie in den kommenden Wochen sicher zusätzlich beflügeln. Nach dem heutigen Kurssprung um mehr als elf Prozent steigt allerdings auch die Fallhöhe für die Aktie. Wer auf Marvell setzt, sollte deshalb darauf achten, wie schnell sich die neue Kooperation in Aufträge, Margen und planbare Umsätze übersetzen lässt.
Serie an Zwei-Milliarden-Dollar-Wetten
Nvidia hat in den vergangenen Monaten mehrfach Investments in Höhe von jeweils zwei Milliarden Dollar platziert: Der KI-Platzhirsch ging unter anderem Beteiligungen an Synopsys, CoreWeave, Coherent und Lumentum ein. Zuletzt flossen zwei Milliarden Dollar in den europäischen KI-Newcomer Nebius, der Pläne für eines der größten europäischen KI-Rechenzentren vorgestellt hat. Offenbar will Nvidia nicht länger nur Profiteur des KI-Hypes sein, sondern den Ausbau der Infrastruktur aktiv mitprägen.
Die Chiptechnik von Nvidia, verbunden mit der Programmiersprache Cuda, über die die Chips von Programmierern angesteuert werden, ist ein wichtiger Burggraben für das Geschäftsmodell von Nvidia. Noch besser wäre es aber, schon von Angfang an bei der Auftragsvergabe von Rechenzentren dabei zu sein, um sicherzustellen, das auch Nvidia-Chips eingesetzt werden. Darauf zielt ein großer Teil der jüngst geschlossenen Partnerschaften ab.
Häufige Fragen zum Thema
Was macht Marvell Technology?
Marvell Technology ist ein führender Halbleiterhersteller aus den USA, der sich auf Infrastruktur-Chips für Datenzentren, künstliche Intelligenz (KI), Cloud-Computing und Netzwerke spezialisiert hat. Das Unternehmen entwickelt Hochgeschwindigkeits-Verbindungstechnologien (Connectivity), Datenspeicher-Controller (HDDs/SSDs) und spezialisierte Netzwerkkomponenten (Switches/Transceiver), die Übertragunsggeschindigkeiten zwischen den KI-Chips in einem rfechenzentrum maßgeblich beeinflussen.
Warum beteiligt sich Nvidia an so vielen Unternehmen?
Die Chiptechnik von Nvidia, verbunden mit der Programmiersprache Cuda, über die die Chips von Programmierern angesteuert werden, ist ein wichtiger Burggraben für das Geschäftsmodell von Nvidia. Noch besser wäre es aber, schon von Angfang an bei der Auftragsvergabe von Rechenzentren dabei zu sein, um sicherzustellen, das auch Nvidia-Chips eingesetzt werden. Darauf zielt ein großer Teil der jüngst geschlossenen Partnerschaften ab.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.