EDITORIAL

Notizzettel zur Ausgabe 03/2020: Pacta sunt servanda

Notizzettel zur Ausgabe 03/2020: Pacta sunt servanda

WKN: 723610 ISIN: DE0007236101 Siemens AG

116,84 EUR
0,60 EUR 0,52 %
17.01.2020 - 18:43
15.01.2020 11:02:25

Herausgeber Frank-B. Werner über Klimaproteste gegenüber Siemens und über Gefahren an den Märkten.

Siemens hat das einzig Richtige getan. Trotz vieler Proteste von Klimaschützern bleibt das Unternehmen vertragstreu und wird die vom indischen Bergbaukonzern Adani zur Erschließung einer Kohlegrube in Australien bestellte Bahnsignaltechnik liefern. Geblendet vom PR-Treffen mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer, die er offensichtlich nicht vor den Kopf stoßen wollte, erwies Konzernchef Kaeser am vergangenen Freitag mit der Ankündigung, die Sache überdenken zu wollen, seinem Unternehmen allerdings einen Bärendienst. Gut, dass er - vielleicht auch nach einem Hinweis seines Aufsichtsrates - das "Überdenken" zügig mit einer klaren Entscheidung abschloss: Pacta sunt servanda. Ob man sich an unterschriebene Verträge hält, kann man nicht von jugendlichen Demonstranten abhängig machen. Gerade wenn an den Märkten gute Laune herrscht, macht man als Wissenschaftler nichts falsch, wenn man vor Gefahren warnt. Zwei Mitarbeiterinnen aus dem Forschungsstab der regionalen Notenbank von New York haben nun die rote Flagge in Sachen Unternehmensanleihen gehisst: Die sinkende Qualität der Firmenbonds entwickle sich zur Gefahr für die Finanzstabilität. Die Warnung scheint keine Panikmache zu sein. Wegen der niedrigen Zinsen, so die These der beiden Forscherinnen, verschuldeten sich viele Unternehmen äußerst aggressiv. Und häufig diene die Verschuldung gar nicht der Finanzierung neuer Investitionen, sondern dem Rückkauf eigener Aktien. Entsprechend problematisch seien die Ratings. In der Tat ist der Anteil der "BBB"-Titel an allen Neuemissionen drastisch gestiegen. Daraus leiten die beiden Re­searche­rinnen die Gefahrenlage ab: Käme es zu einer Ratingverschlechterung um nur eine Stufe, gehörten diese Papiere nicht mehr der Kategorie "Investment Grade" an und müssten von vielen institutionellen Investoren verkauft werden. Dann käme es zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsbewegung, die auch andere Kapitalmarktsegmente erfassen könnte. Das Argument klingt plausibel; man sollte die US-Unternehmensanleihen im Auge behalten.


Bildquelle: Julian Mezger

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