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Onlinehandel: Es gibt Alternativen zu Amazon - Wo der Onlinehandel sonst noch brummt

Onlinehandel: Es gibt Alternativen zu Amazon - Wo der Onlinehandel sonst noch brummt

WKN: ZAL111 ISIN: DE000ZAL1111 Zalando

94,00 EUR
-3,48 EUR -3,57 %
15.01.2021 - 19:20
04.12.2020 06:45:00

Schlussverkauf war früher. Heute treiben Black Friday, Cyber Monday & Co den Umsatz - in der Krise vor allem über das Internet. Von Ralf Witzler, Euro am Sonntag

Es ist noch nicht lange her, da erfreuten sich hierzulande weder der Black Friday noch der Cyber Monday größerer Bekanntheit. Das hat sich geändert. Heute entgeht nahezu niemand den Anstrengungen von Handel und auch der Kreditwirtschaft, die Aktionstage zu promoten und die Kunden zum Einkauf zu motivieren. Am Postschalter prangt Kreditwerbung gleich für die gesamte "Black Credit Week". Selbst Online-Nachhilfevermittler locken mit 60-prozentigem Rabatt anlässlich des Black Friday. Ganz zu schweigen von den vielen Discounts und Rabatten der Onlinehändler von Amazon bis Zalando.

Der Black Friday gilt in den USA als Auftakt der Weihnachtseinkäufe, traditionell im stationären Handel, wohingegen der Cyber Monday am darauffolgende Montag direkt an die Onlinekäufer gerichtet war. Beide Tage folgen auf die in Nordamerika verbreitete Familienzusammenkunft zu Thanksgiving am vierten Donnerstag im November.

Bekanntheit wächst

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat die zunehmende Bekanntheit und Nutzung von Black Friday und Cyber Monday bei Onlineshoppern untersucht. Kannten 2017 rund 77 Prozent den Black Friday in Deutschland, liegt der Wert laut HDE in diesem Jahr bei 95 Prozent. Etwas mehr als ein Drittel der Befragten wollen 2020 die Aktionen zum Black Friday diese Woche nutzen, eine ganz leichte Steigerung von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ähnlich sieht es beim Cyber Monday aus, den mittlerweile 82 Prozent der Käufer im Internet kennen und immerhin 21 Prozent zum Einkauf nutzen wollen.

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Auch ohne den Marketingrummel um die modernen Hochämter des Einzelhandels läuft es für den Onlinehandel richtig gut. Die zunehmende Gewöhnung weiter Teile der Bevölkerung an Kauf und Bezahlung im Internet und die eingeschränkte Attraktivität des stationären Handels durch Lockdown, Teillockdown und Hygienekonzepte bringen die Kundschaft dazu, den Einkaufsbummel vom Sofa aus zu erledigen.

Neben dem allseits bekannten Weltmarktführer Amazon bieten auch kleinere Unternehmen, die sich auf bestimmte Produkte oder Regionen spezialisiert haben, Anlegern erfreuliche Entwicklungschancen.

Lukrative Nische

Handgefertigte oder klassische Vintage-Produkte sind die Spezialität des US-amerikanischen Onlinehändlers Etsy, der mittlerweile auch in Deutschland einen bekannteren Namen hat. Über Etsy können auch externe Händler ihre Waren von der Puppe bis zur Kamera feilbieten, sofern sie den Vorgaben entsprechen. So müssen beispielsweise Produkte älter als 20 Jahre sein, um als Vintage zu gelten.

Etsy erlebt eine außergewöhnliche Wachstumsphase mit seinen Angeboten, die selten Schnäppchen sind, sondern meist mit Lifestyle-Aufschlag angeboten werden. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres verdoppelte sich der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 3,3 Milliarden Dollar auf knapp 6,7 Milliarden. Die Nettoeinnahmen stiegen im gleichen Zeitraum von 64,6 Millionen auf gut 200 Millionen Dollar. Die Zahl der aktiven Händler auf der Etsy-Plattform stieg um 42 Prozent auf fast 3.700. Das Unternehmen meldet 70.000 aktive Kunden, das sind 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders stark war das Wachstum im Segment der umsatztreibenden, sehr aktiven Kunden. Eine Stärke von Etsy ist die Datenauswertung, die eine individualisierte Behandlung der Kunden ermöglicht.

Weitgehende Einigkeit über die positiven Aussichten der Etsy-Aktie herrscht bei den Analysten. Von 17 Experten raten alle bis auf einen zum Kauf und sehen noch deutlich Luft nach oben.

Spezialanbieter im Boom

Die Möbelbranche entdeckte den Onlinehandel recht spät für sich. Im Fall von Home24 blieben Anleger nach anfänglicher Euphorie lange Zeit skeptisch. Mit der Pandemie aber öffnete die Börse ihr Herz auch für das Internet-Möbelhaus. Ging es nach dem Börsenstart 2018 von um die 30 Euro runter auf zeitweise nicht mal drei Euro, stieg die Aktie seit März dieses Jahres steil und bewegt sich in den zurückliegenden Wochen um die 15 Euro.

Die Berliner sind in sieben Ländern Westeuropas und unter der Marke Mobly in Brasilien aktiv. Die Zahlen für das dritte Quartal waren herausragend. Entsprechend hob das Management die Ziele für das Jahr nochmals an. Um das prognostizierte Umsatzziel von plus 38 bis 42 Prozent zu erreichen, muss das vierte Quartal ähnlich zulegen wie die Vorquartale. Ambitioniert, aber angesichts eines Plus beim Ordereingang von 60 Prozent im Oktober durchaus möglich. Experten überzeugt die Kombination aus Wachstumsdynamik und verbesserter Rentabilität. Sie empfehlen die Aktie zum Kauf und sehen das Kursziel zwischen 17 und 21 Euro.

Wandel zur Plattform

Der für den Online-Modehändler Zalando relevante europäische Markt besaß im Jahr 2019 ein Gesamtvolumen von rund 432 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 17 Prozent auf den Handel über das Internet. Analysten schätzen, dass die Pandemie zu einem Anstieg des Online-Marktanteils auf knapp ein Drittel führen wird. Die aktuellen Lockdowns und Teillockdowns in fast ganz Europa werden im Verbund mit Verkaufsaktionen rund um den Black Friday und Cyber Monday zu Wachstumstreibern für den Onlinehandel.

Zalando als europäische Nummer 1 dürfte davon in besonderem Maße profitieren, zumal sich der bis vor Kurzem reine Händler zu einem Plattform-Anbieter wandelt, der Provisionen verlangt und mit Logistik-Dienstleistungen Geld verdient. Bereits jetzt bieten etwa 2000 Läden ihre Waren über die Zalando-Website an. Diese Zahl will das Unternehmen im kommenden Jahr verdreifachen. Damit würde auch die im Lauf des Jahres 2021 wahrscheinlich einsetzende Wiederbelebung des stationären Handels kompensiert.
 


INVESTOR-INFO

Zalando

Strategisch voraus

Die Corona-Krise war Wachstumstreiber für den Online-Modehändler. Den strategischen Wandel zur Plattform, auf der auch Markenpartner ihre Produkte vertreiben dürfen, hat Zalando zum rechten Zeitpunkt eingeleitet. Damit bieten sich dem europäischen Marktführer gute Chancen, seine Wachstumsgeschichte auch nach Beendigung der Pandemie-Krise des stationären Handels fortzuschreiben. Attraktiv.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 96,00 Euro
Stoppkurs: 52,00 Euro

Etsy

Lukrative Zielgruppe

Mit seinen Produkten und der Unternehmensvision "Keep Commerce Human" - den Handel menschlich gestalten wendet sich Etsy an eine ökologisch orientierte, zahlungskräftige Zielgruppe. Mit Erfolg, wie steigender Umsatz und Kundenwachstum belegen. Vom aktuellen Schwung soll das Geschäft auch 2021 profitieren. Analysten rechnen mit einem Plus beim operativen Gewinn (Ebitda) von fast sechs Prozent. Halten.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 140,00 Euro
Stoppkurs: 96,00 Euro

Home24

Ambitionierte Ziele

Der Online-Möbelhändler hat die Chancen genutzt, die sich für ihn durch die Pandemie- Belastungen des stationären Handels boten. In Europa und Brasilien ist Home24 etabliert. Das Umsatzwachstum von fast 40 Prozent dürfte sich zunehmend positiv auch in den Erträgen niederschlagen. Für 2021 erwarten Experten einen rund 30 Prozent höheren operativen Gewinn (Ebitda). Ein Kauf für langfristig orientierte Anleger.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 21,00 Euro
Stoppkurs: 15,00 Euro

Aktien in diesem Artikel

Amazon 2.581,00 -0,27% Amazon
Etsy Inc 167,40 -5,16% Etsy Inc
Home24 19,44 -3,73% Home24
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