BÖRSE ONLINE: Herr Dudenhöffer, ist die Groupe PSA mit Peugeot und Citroën für Opel im Vergleich zum bisherigen Eigentümer General Motors die bessere Alternative?


Ferdinand Dudenhöffer: Es war die einzige Alternative. General Motors (GM) hat nach jüngsten Verlusten in seinem Europa-Geschäft, auch 2016, die Notbremse gezogen und wollte so schnell wie möglich aussteigen. PSA bekommt mit Opel einen Europa-Anteil von 70 Prozent und damit ein sehr hohes regionales Risiko. Allerdings hat GM Opel den Franzosen geschenkt. Die Amerikaner bezahlen drei Milliarden Pensionskosten und haben zusätzliche, nicht kassenwirksame Ausgaben von mehr als vier Milliarden. In der Summe liegt ihre Mitgift damit bei sieben Milliarden Euro. Die Hochzeit von PSA und GM Europe kostet nur 2,2 Milliarden Euro und wird von der Groupe PSA zum Teil mit Optionen auf eigene Aktien bezahlt.

Was bekommen die Franzosen als Geschenk?


Rund 1,1 Millionen Neuwagenkäufe in Europa. PSA-Chef Carlos Tavares muss jetzt "nur" die Kosten anpassen, um die Story erfolgreich zu machen. GM hat sein Problem verkauft und PSA hat ein Schnäppchen gemacht. Und Opel? Die müssen jetzt wohl durch ein harte Sanierung

Also wird Tavares seine Restrukturierung von PSA jetzt als Blaupause verwenden?


Es bleibt ihm keine andere Wahl. Sein Konzern muss schnell mehr Geld verdienen, um die Internationalisierung zu finanzieren, die PSA aus der extremen Europaabhängigkeit führen soll. Er hat keine Zeit zu verlieren und wird deshalb Doppelfunktionen und überschüssige Kapazitäten schnell streichen.

Was erwarten Sie für das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim und die Opel-Werke während der nächsten fünf Jahre?


Es wird Konzern-Plattformen geben. Was dann wo gemacht wird, wird man sehen. Im Zweifel dürfte Frankreich klare Vorteile haben. Nach meiner Einschätzung fallen mehr als 6000 Arbeitsplätze weg

Reicht Großbritannien um Vauxhall als Marke zu erhalten?


Nach meiner Einschätzung werden die englischen Werke in Ellesmere Port und Luton bleiben. England steht für gut 2,5 Millionen Neuwagenverkäufe und mit dem Brexit braucht man einen Produktionsstandort für die Gruppe. PSA hat heute kein Werk in England. Vauxhall bleibt also zu hundert Prozent wie bisher.

Welche Stärken sehen Sie für Opel innerhalb des neuen Konzerns?


Es geht nicht um Opel, sondern um die Groupe PSA. Opel wird ein Teil davon. Mit der Tochter in Rüsselsheim kommt PSA weltweit auf mehr als vier Millionen Autoverkäufe pro Jahr. Damit sollen die Kosten pro Fahrzeug sinken. Jetzt geht es darum, schnell in hohe Gewinne zu kommen.

Können Opel und PSA in Deutschland und in Europa besser gegen Hyundai-Kia bestehen?


Hyundai-Kia in Europa ist nicht das Problem. PSA-Opel muss sich längerfristig weltweit gegen VW, Toyota, General Motors oder Renault-Nissan-Mitsubishi durchsetzen.

Erwarten Sie aus Sicht der Kunden in Europa starke Konkurrenz zwischen den Marken Citroën, Peugeot und Opel?


Es wird so werden wie bei Seat-Skoda-VW-Audi mit dem Unterschied, dass wir dann von französischer Technologie und Qualität sprechen werden. 2026 wird dieser Prozess nach dem Plan von Chef Tavares abgeschlossen sein.

Ist es möglich die Marken Citroën oder Opel ähnlich wie Audi bei VW langfristig im Premiumsegment zu etablieren?


Es gibt ja bei Citroën schon die Marke DS. Aber das ist äußerst schwach. Und Opel als Premium? Eher nicht.

Wird PSA, die neue Nummer Zwei im europäischen Markt, Hybrid- und Elektro-Technologie weitgehend bei Zulieferfirmen wie Continental einkaufen?


Zulieferer sind eine Option, aber man kann sich auch Kooperationen mit Autobauern vorstellen. Die müssen nicht unbedingt aus USA oder Europa kommen. Der chinesische Partner Dongfeng wird hier sicher auch Vorschläge machen.

Wie gut sind damit die Chancen mit diesen Technologien zu bestehen?


Das Technologierennen in die Elektromobilität ist noch offen. Wer das beste Package hat, gewinnt. Wenn man gute Batterielieferanten, wie etwa LG Chem oder BYD zu wettbewerbsfähigen Preisen hat, ist man im Rennen.

Sollte der neue Konzern mit Blick auf Konkurrent GM außerhalb Europas, den Ausbau des China-Geschäfts gegenüber dem US-Markt bevorzugen?


Erste Priorität hat sicher China und Asien. Die USA ist ein harter und gesättigter Markt und der kann teuer werden. Und dann sollte man sicher auch Iran, Russland und den Rest in Ost-Europa außerhalb der EU im Blick haben. Das könnte zum Teil einfacher sein als die USA.