Nach dem heftigen Sturzflug der SAP-Aktie am Donnerstag stellt sich die Frage: War’s das jetzt? Oder geht es noch tiefer? Der Versuch einer Antwort mithilfe der Chartanalyse.
Die SAP-Aktie fiel am Donnerstag zeitweise um 16 Prozent, nachdem die Jahreszahlen des Walldorfer Softwareriesen ein desaströses Echo ausgelöst hatten. Obwohl SAP sein selbstgestecktes Jahresziel erreicht hatte, fanden Analysten und Investoren reihenweise Haare in der Zahlensuppe.
Am Tag danach startet die Aktie einen Erholungsversuch. Bis zum frühen Nachmittag stieg sie im Xetra-Handel um 2,6 Prozent auf 171,88 Euro. Dies ist jedoch eher eine typische Gegenbewegung als ein Aufbäumen.
Die Sorgen der Investoren
SAP-Aktionäre stellen sich nun die bange Frage, ob der Kurs in der kommenden Woche weiter sinken könnte. Denn die Sorgen sind im Markt omnipräsent: Moderne KI-Modelle könnten die Lizenzprodukte etablierter Softwarekonzerne binnen weniger Jahre obsolet machen. Das betrifft nicht nur SAP: Kürzlich hatte der KI-Newcomer Antropic eine Demoversion eines KI-Agenten für das Kundenmanagement (CRM) präsentiert, der einer teuren Salesforce-Lösung ebenbürtig schien. Für den Programmcode hatte das KI-Modell Claude angeblich nur wenige Tage benötigt.
Droht SAP dasselbe Schicksal?
Kann das auch SAP passieren? IT-Experten bezweifeln noch, dass Unternehmen reihenweise das Lager wechseln, ihre oft über Jahre mühsam errichteten SAP-Architekturen einmotten und abschreiben, um zu einem noch weithin unbekannten Newcomer ohne Track Record zu wechseln.
Bis es so weit ist, schauen Börsianer lieber auf die Charttechnik – und auch die hat es bei SAP in sich.
Die Unterstüzungsmarken
Die gute Nachricht: Es gibt eine Unterstützungsmarke, die am Donnerstag sogar gehalten hat. Sie verläuft bei 160/161 Euro und basiert auf einer Konsolidierungsphase zwischen Januar und April 2025, als der Kurs im Tagesverlauf mehrfach daran abprallte – und das tat er jetzt wieder. Das macht Hoffnung, dass die Aktie an dieser Stelle erst einmal ihre Talfahrt beendet hat. Es ist aber nicht auszuschließen, dass der Kurs den Korridor noch einmal testet.
Hält diese Marke wider Erwarten nicht, gibt es erst im Bereich von 143 Euro die nächste Haltelinie. Sie stammt aus dem Jahresverlauf 2020 und ist leider nicht sehr gut ausgeprägt. In diesem Bereich verläuft allerdings auch ein langfristiger Aufwärtstrend, der im Jahr 2025 begann. Diese Marke müsste dann auf jeden Fall halten. Als sie im Jahr 2020 nach unten verlassen wurde, fiel der Kurs zunächst auf 125 Euro und dann weiter auf unter 100 und sogar unter 80 Euro.
Geht nach oben denn gar nichts?
Doch, allerdings wäre das erste Ziel eine Rückkehr in die Zone zwischen 185 und 187 Euro. Von dort aus ist der Kurs am Donnerstagmorgen in die Tiefe gestürzt. An der gleichen Stelle hat die Aktie im Jahr 2024 bereits eine Formation ausgebildet, die nun als Widerstand gedeutet werden kann.
Kurse von 200 Euro und darüber werden wir dagegen so bald nicht sehen. Dazu müsste SAP die Börsenstimmung grundlegend drehen, was angesichts der KI-Sorgen am Markt und so kurz nach den enttäuschenden Quartalszahlen nahezu unmöglich erscheint.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SAP.