Ein unerwarteter Schachzug der US-Regierung lässt die Aktien von neun Unternehmen aus dem Bereich des Quantencomputing steigen. Löst die Trump-Administration nach Intel die nächste Bonanza aus?

Das Beispiel Intel scheint Schule zu machen: Nachdem die US-Regierung mit ihrem Investment bei dem Chipriesen ihren Einsatz vervierfacht hat, scheinen Donald Trump und sein Kabinett Lust auf weitere Gewinne bekommen zu haben.

Am Donnerstag verkündete die US-Regierung völlig überraschend, dass sie als Direktinvestor in der Quantencomputing-Branche auftritt. Das Handelsministerium kündigte an, insgesamt zwei Milliarden Dollar aus dem CHIPS Act von 2022 an neun Unternehmen zu vergeben. Im Gegenzug erhalten die USA Minderheitsanteile an jeder dieser Firmen.

Zwei Milliarden für IBM - und zahlreiche Quanten-Spezalisten

Den größten Einzelbetrag bekommt IBM: eine Milliarde Dollar. „Big Blue“ investiert parallel dazu eine weitere Milliarde aus eigenen Mitteln und gründet dafür eine neue Geschäftseinheit, die nach eigenen Angaben Amerikas erstes spezialisiertes Quantenchip-Fertigungswerk aufbauen soll.

Der Chiphersteller GlobalFoundries erhält 375 Millionen Dollar und gibt dem Staat im Gegenzug einen Anteil von rund einem Prozent. Aus Anlegersicht besonders spannend sind weitere Investments in die Quanten-Spezialisten D-Wave Quantum, Rigetti Computing, Infleqtion, Atom Computing, PsiQuantum und Quantinuum. Sie erhalten jeweils 100 Millionen Dollar. Das Startup Diraq bekommt 38 Millionen Dollar. Handelsminister Howard Lutnick erklärte: „Die Trump-Regierung führt die Welt in ein neues Zeitalter amerikanischer Innovation."

IBM (WKN: 851399)

Kursexplosionen: Kurse von Rigetti, D-Wave und IBM starten durch

Die Börse reagierte sofort. Die Aktie von Rigetti Computing schoss am Donnerstag um 44 Prozent in die Höhe. D-Wave Quantum und Infleqtion legten mehr als 30 Prozent zu. GlobalFoundries gewann rund 15 Prozent, IBM rund zwölf Prozent.

Rigetti unterzeichnete zudem eine unverbindliche Absichtserklärung über bis zu 100 Millionen Dollar, die über drei Jahre für die Entwicklung supraleitender Quantencomputer fließen sollen. Das Unternehmen hatte das vergangene Quartal mit 569 Millionen Dollar Barmitteln und ohne Schulden abgeschlossen, wäre auf das Geld also nicht unmittelbar angewiesen gewesen. Die Regierungsmillionen sollen die Wachstumsphase nun beschleunigen.

IBM-Chef Arvind Krishna vergleicht das Quantencomputing mit dem Stand von KI-Chips vor einem Jahrzehnt. Er glaubt, dass das neue Geschäftsfeld bis Mitte der 2030er-Jahre Milliardenumsätze mit hohen Margen generieren kann.

Rigetti Computing Inc (WKN: A3DE3J)

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Foto: Börsenmedien AG

Staatlicher Kapitalismus

Dass die USA unter Trump nun auch ins Quantencomputing investieren, passt ins Bild: In den vergangenen zehn Monaten hat sich die US-Regierung laut Wall Street Journal an insgesamt 14 Unternehmen aus sieben Industrien beteiligt. Die prominentesten sind der Chipkonzern Intel sowie MP Materials, Lithium Americas und Trilogy Metals aus dem Bereich der Seltenen Erden. Finanzminister Scott Bessent, der selbst jahrelang als Hedgefonds-Investor an der Börse aktiv war, hatte das Beteiligungsmodell im Sommer 2025 als „skalierbar“ bezeichnet – und will nun offenbar mehr; auch, weil sich damit womöglich Geld für die Staatskasse generieren lässt.

Wie Reuters berichtet, prüft die US-Regierung bereits ähnliche Deals in bis zu 30 weiteren Branchen. Der Council on Foreign Relations beschreibt das System bereits als „American State Capitalism": der Staat als Investor, Förderer und Renditejäger.

Die bisherige Performance der Regierungsbeteiligungen ist bemerkenswert: Der Intel-Kurs legte seit dem Einstieg am 22. August um 375 Prozent zu, der Aktienkurs von MP Materials verzeichnet einen Gewinn von 276 Prozent, Trilogy Metals kommt auf plus 204 Prozent.

Damit schlagen die Investments der Trump-Regierung die Performance des S&P 500 in diesem Zeitraum deutlich.

Wie Anleger mitverdienen

Deutsche Anleger können darauf setzen, dass die US-Regierung auch diesmal ein gutes Händchen beweist; zumal sie Geschäftsentwicklung der Beteiligungsunternehmen durch eigene Aufträge und Fördermaßnahmen selbst beeinflussen kann.

Gleichzeitig müssen sich europäische Technologiekonzerne von Infineon über ASML bis hin zu Aurubis einer neuen Herausforderung stellen: Sie treten plötzlich auch in den USA gegen staatlich subventionierte und kapitalmäßig gehebelte Wettbewerber an.

Während Deutschland noch diskutiert, ob und wie das 500 Milliarden Euro-Sondervermögen sinnvoll eingesetzt oder umverteilt werden soll, machen die USA vor, wie man mit staatlichem Geld Wachstum auslöst. Die Methode ist unkonventionell und hat sogar ein bisschen etwas von Planwirtschaft – aber sie funktioniert offensichtlich.

Hinzu kommt: Die bisherigen Investments der USA zielen alle auf gerade entstehende oder sich abzeichnende Megatrends ab. Auch davon können sich Anleger etwas abgucken.

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Häufige Fragen zum Thema

Warum ist Quantencomputing für Anleger überhaupt interessant?

Die Technologie gilt als möglicher Zukunftsmarkt mit großem Wachstumspotenzial, ähnlich wie KI-Chips vor einigen Jahren. Wenn sich die Systeme durchsetzen, könnten damit völlig neue Anwendungen in Forschung, Industrie und Sicherheit möglich werden. Für Investoren ist vor allem spannend, dass sich hier früh große Gewinner herausbilden könnten.

Was macht IBM im Bereich Quantencomputing?

IBM entwickelt schon seit Jahren Quantencomputer und passende Chipsysteme. Das Unternehmen will mit einer neuen Einheit ein spezialisiertes Quantenchip-Fertigungswerk aufbauen. Besonders ist, dass IBM als großer Technologiekonzern langfristig auf ein Feld setzt, das noch ganz am Anfang steht.

Wofür stehen D-Wave Quantum und Rigetti Computing?

Beide Unternehmen sind spezialisierte Quantencomputing-Firmen, die sich auf unterschiedliche technische Ansätze konzentrieren. D-Wave ist vor allem für Quanten-Anwendungen im Optimierungsbereich bekannt, Rigetti für supraleitende Quantencomputer. Besonders ist, dass sie zu den reinen Quantenpionieren zählen und damit stärker auf dieses eine Zukunftsfeld fokussiert sind als klassische Konzerne.