Die Ausschläge an den Aktienmärkten und die Tatsache, dass viele Menschen zuhause sind, sorgen für Rekordzahlen bei Onlinebrokern. Mitunter kann es bei einigen Anbietern wohl zu Wartezeiten kommen. Die Onlinebroker müssen nicht nur den Kundenansturm bewältigen, sondern auch Corona-Schutzmaßnahmen umsetzen. Dazu gehört die Umstellung aufs Homeoffice.

"Der Kundenansturm ist enorm", sagt beispielsweise ein Sprecher der Direktbank ING. Dort wurden im ersten Quartal fast schon so viele Depots eröffnet wie im kompletten vergangenen Jahr. Ähnlich sieht es bei der Direktbank DKB aus. "Es gibt eine sehr hohe Nachfrage beim DKB Broker. Im März hat es bei uns Depot-Eröffnungen im höheren fünfstelligen Bereich gegeben", berichtet ein Sprecher. Es habe aber keine Einschränkungen oder größere Wartezeiten bei den Bearbeitungen gegeben. Thomas Soltau, Chef des Branchenneulings Smartbroker, erklärt hingegen, man habe derzeit leider einen recht hohen Rückstand bei der Bearbeitung der Depotanträge. Die Nachfrage sei tatsächlich enorm. Beim Konkurrenten Justtrade ist auf der Internetseite zu lesen, dass Kunden eine Mail schicken sollen und binnen drei Tagen eine Einladung zur Depoteröffnung erhalten. Eine direkte Anmeldung ist offensichtlich nicht möglich. Um das Anmeldeverfahren zu beschleunigen, rät eine Sprecherin der Comdirect, das sogenannte E-Ident-Verfahren zu nutzen. Dazu benötigt man den checkkartenförmigen Bundespersonalausweis. Diese Art der Anmeldung ermöglichen bislang aber neben Comdirect nur wenige Anbieter.

"Corona wirbelt derzeit viel durcheinander", schlussfolgert Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Anleger sollten die Konditionen vergleichen und überlegen, welcher Broker für sie am besten geeignet ist", rät der Finanzexperte. Ziehe sich die Depoteröffnung beim Broker der Wahl in die Länge, müssten sich die Betroffenen gedulden oder auf einen Anbieter ausweichen. "Dafür müssen sie aber gegebenenfalls Abstriche bei den gewünschten Leistungen in Kauf nehmen", sagt Scherfling.

Depotwechsel dauern ebenfalls


Probleme gab es in den vergangenen Wochen nach Angaben des Branchenportals finanz-szene.de auch bei Depotüberträgen vom Onlinebroker Flatex zu anderen Anbietern. Das habe wohl mit einer verstärkten Abwanderung von Kunden zu tun, weil Flatex seit Anfang März eine Depotgebühr für Wertpapiere erhebe, vermutet das Portal. Die Finanzaufsicht Bafin habe bereits Maßnahmen angemahnt. Ein Sprecher der Bafin wollte sich auf Anfrage nicht zu konkreten Unternehmen äußern und verwies auf generelle Empfehlungen. So sollte man die Übertragung kritischer Papiere möglichst in ruhigen Börsenzeiten durchführen lassen. Wenn der Wechsel sich im Moment hinzieht, hilft nur systematisches Nachfragen. Falls das erfolglos bleibt und die Aussagen der Institute auf systematische Mängel hindeuten, sollte man die Finanzaufsicht informieren. "Wir rollen aktuell eine Vielzahl von Maßnahmen aus, die unsere Prozesse auf allen Ebenen weiter beschleunigen werden", antwortet Muhamad Chahrour, Vorstandsmitglied bei Flatex, auf eine Anfrage der €uro am Sonntag. Ein Depotübertrag sei servicetechnisch sehr zeitintensiv, man wisse von mehreren Instituten, dass sich aktuell Übertragungen etwas ziehen würden, meint er.