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SAP: Einfach ist das neue Schwarz

SAP: Einfach ist das neue Schwarz
31.01.2014 21:45:00

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat eine neue Langfrist-Strategie definiert. Das Ziel: Bis 2020 zum weltweit führenden Cloud-Anbieter aufsteigen. Das geht aus vertraulichen Unterlagen hervor, die BÖRSE ONLINE vorliegen. Wie der Vorstand den Konzern künftig ausrichten will, was SAP sonst noch plant und was das für die Aktie bedeutet. Von Thomas Schmidtutz

SAP will seine Strukturen und Angebote in den kommenden Jahren entschlacken und bis 2020 zum weltweit führenden Cloud-Anbieter aufsteigen. "Wir wollen alles vereinfachen, damit wir alles machen können", heißt es in der vertraulichen Langfristplanung ("SAP Strategy 2014"), die BÖRSE ONLINE vorliegt. SAP müsse die "Adaption seiner Innovationen durch Einfachheit und eine verbesserte Nutzeroberfläche erhöhen". Das Ziel sei "zweistelliges Wachstum bei Nutzern, Auftragseingang und Umsatz".

Den Plänen zufolge will der Konzern sein Angebot vollständig neu gliedern. Statt wie bislang in fünf Produkt-Kategorien (Anwendungen, Analyse, Mobil, Datenbanken und Cloud) will SAP seine Lösungen künftig in die Bereiche Nutzeroberfläche, Anwendungen, Analyse und der HANA Plattform aufteilen.

"Mobile first"

Zudem sollen künftig alle Anwendungen grundsätzlich zunächst für den Einsatz auf mobilen Endgeräten entwickelt werden ("mobile first"). Nach früheren Angaben arbeitet SAP unter dem Projektnamen Fiori konzernweit an einer völlig neu gestalteten und stark entschlackten Nutzer-Oberfläche. Sie lehnt sich an die Gestaltung von Apps - also kleiner Zusatzprogramme für Tablets oder Smartphones - an und soll Nutzern nur noch die jeweils benötigten Funktionen liefern. Das Vorhaben gilt wegen der nötigen sehr feingliedrigen Aufteilung der Daten und Inhalte als sehr anspruchsvoll.

SAP hatte im vergangenen Mai auf seiner Kundenmesse Sapphire in Orlando im US-Bundesstaat Floria erstmals öffentlich über Fiori gesprochen. Beobachter erwarten, dass der Konzern die runderneuerte Oberfläche noch in der ersten Jahreshälfte 2014 präsentieren könnte, möglicherweise bereits auf der nächsten Sapphire Anfang Juni.

Neben der technologischen Vereinfachung strafft SAP auch den Vertrieb. Seit Anfang Januar hat das Unternehmen den Verkauf von traditionellen Software-Lösungen und Cloud-Angeboten zusammengeführt. Damit haben potenzielle Kunden künftig nur noch einen zentralen Ansprechpartner.

Ein Konzern-Sprecher bestätigte gegenüber BÖRSE ONLINE die Pläne. SAP unterstütze "durch die Vereinfachungen bei Lösungen, Support oder der Kundenansprache die Erreichung der langfristigen Ziele", sagte er dem Magazin. Nach den unlängst aktualisierten Vorgaben wollen die Walldorfer den Umsatz bis 2017 auf über 22 Milliarden Euro steigern. Die Erlöse aus dem Cloud-Geschäft sollen bis dahin auf drei bis 3,5 Milliarden Euro zulegen. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen 950 Millionen bis eine Milliarden Euro Umsatz im Geschäft mit Mietsoftware an.

Zur Begründung für die geplante Vereinfachung verweist der Konzern auf entsprechende Rückmeldungen. In den vergangenen Jahren hatten viele Kunden über die ständig wachsende Komplexität ihrer IT geklagt. Viele Innovationen seien angesichts der aufwändigen Installationen kaum noch zu integrieren, monierten die Chefs der IT-Abteilungen vieler Unternehmen. Die immer schwerer zu steuernden Software-Lösungen großer Konzerne von SAP oder dem Erzrivalen Oracle gelten als einer wichtigsten Treiber für den Boom bei Cloud-Lösungen. Statt eines Kaufs mieten die Unternehmen die Software dabei, der Zugriff erfolgt über das Web. Aufwändige und langwierige Implementierungen entfallen auf diese Weise.

Auch bei den SAP-Beschäftigten wächst die Kritik. In der jüngsten Mitarbeiterumfrage war die Zustimmung zu Strategie und Ausrichtung des Konzerns um neun Prozentpunkte auf 65 Prozent ungewöhnlich stark gefallen. An seinen deutschen Standorten kam der Konzern gar nur noch auf 57 Prozent Zustimmung. Angesichts dessen hatte der scheidende SAP-Finanzchef Werner Brandt Handlungsbedarf eingeräumt. Man nehme die Kritikpunkte sehr ernst und werde sie in der anstehenden Überarbeitung der Strategie berücksichtigen, hatte er Ende November in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt. Es gehe um "eine deutliche Vereinfachung der SAP in allen Bereichen". Nun legt der Konzern die überarbeitete Langfrist-Strategie vor.

Klares Bekenntnis zum traditonellem Software-Geschäft

Ungeachtet der stärkeren Fokussierung auf die Cloud will der Konzern am Geschäft mit traditionellen Softwarelösungen festhalten. In Märkten wie China oder dem Mittleren Osten dürften auch weiterhin herkömmliche Softwarelösungen den Vorzug erhalten. Doch verfüge das Cloud-Modell langfristig über die größeren Umsatzpotentiale, heißt es in dem Strategiepapier. Bis 2015 werde der weltweite Umsatz mit traditionellen Softwarelösungen um elf Milliarden Dollar steigen. Bei Cloud-Lösungen winke dagegen ein Zuwachs von 17 Milliarden Dollar, schreibt BÖRSE ONLINE unter Berufung auf die entsprechenden Unterlagen.

Neben den Änderungen bei Technologie und Organisation plant SAP zudem eine stärkere Branchen-Fokussierung. Künftig werde man sich wieder vermehrt auf Schlüsselbranchen wie Finanzdienstleister, Handel, Öffentlicher Sektor und Gesundheit konzentrieren und die Marktanteile in diesen Bereichen steigern. Zudem will das Unternehmen den Unterlagen zufolge neben den "strategischen Investitionen in China, Russland, und dem Mittleren Osten auch die Investitionen und die lokale Präsenz in Afrika" erweitern.

SAP hatte am 21. Januar die eigenen Zielvorgaben angepasst und eine höhere Profitabilität zugunsten des Wachstums zurückgestellt. Danach will der Weltmarktführer für Software zur Steuerung von Unternehmen bis 2017 eine Umsatzrendite von 35 Prozent erreichen. Bislang wollte das Unternehmen diese Rendite bereits 2015 erreichen.

Einschätzung der Redaktion
SAP ist mit seiner langfristigen Strategie und der klaren Fokussierung auf Cloud-Lösung auf dem richtigen Weg. Charttechnisch ist die Aktie derzeit jedoch angeschlagen. Wir hatten bereits am vergangenen Freitag vor weiteren Kursrückschlägen gewarnt. Kurzfristig droht weiterhin ein Rückschlag bis in die Unterstützungszone bei 52 Euro. Halten.

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