Ob für Navigation, Kommunikation oder Aufklärung: Satelliten sind das Rückgrat moderner Infrastruktur. Für Verteidigungszwecke, aber auch für die zivile Nutzung sind sie relevant.
Längst geht es im Bereich der militärischen Fähigkeiten nicht mehr nur um Panzer, Kampfjets und Raketensysteme. Vor allem Aufklärung und Vernetzung werden wichtiger. Deswegen investieren zahlreiche Staaten viel Geld in den Auf- und Ausbau von Satellitensystemen. So auch Deutschland. Vor Kurzem verschickte das Beschaffungsamt die Ausschreibung für die sogenannte SatcomBw Stufe 4. „SatcomBw“ ist das satellitengestützte Kommunikationssystem der Bundeswehr.
Die Details der Ausschreibung sind geheim, laut Medienberichten sollen aber mit der SatcomBw Stufe 4 bis 2029 40 Satelliten im All einen ersten Einsatz ermöglichen, später sollen es mindestens 100 Satelliten sein. Andere Quellen sprechen davon, dass bereits 2029 100 Satelliten Panzer, Schiffe und Soldaten miteinander vernetzen sollen. Damit ist es das mit Abstand größte Raumfahrtprojekt Deutschlands — und eines der größten staatlichen Satellitenprojekte weltweit. Die bisherigen Stufen umfassen lediglich zwei geostationäre Satelliten in einer Höhe von rund 36.000 Kilometern. Die neue Stufe 4 soll geringere Latenzen, höhere Daten und einen sichereren Betrieb ermöglichen. Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg haben gezeigt, wie wichtig eine hohe Verfügbarkeit und redundant aufgebaute Netzwerke für vernetzte Operationen, die Steuerung von Drohnen und Echtzeit‑Lagebilder sind. All das sollen die neuen Satelliten mittelfristig leisten, die ihre Laufbahn in einer Höhe von einigen Hundert bis maximal 1.000 Kilometer, also im sogenannten Low Orbit, haben sollen. Im Gegensatz zu den bisherigen Stufen sind diese nicht geostationär, das heißt sie bewegen sich nicht mit der Erdrotation. Für eine ausreichende Abdeckung braucht es deshalb eine Vielzahl an Satelliten, damit aus Sicht eines Nutzers am Boden immer gerade mindestens ein Satellit in Reichweite ist.
Aussichtsreiches Konsortium
Gute Chancen auf einen Zuschlag haben die beiden Raumfahrtschwergewichte Airbus und OHB sowie der Branchenneuling Rheinmetall, die laut mehreren Berichten bei dem Projekt nicht in Konkurrenz treten wollen. Sie wollen stattdessen ein gemeinsames Angebot abgeben. Insgesamt geht es bei dem Projekt um eine Summe von acht bis zehn Milliarden Euro.
Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus ist ein etablierter Player in dem Bereich. Das Unternehmen hat bereits Hunderte Satelliten gebaut, die für Erdbeobachtung, militärische Aufklärung, Navigation und Telekommunikationszwecke verwendet werden. 2014 entstand die Sparte Defence & Space. Airbus ist beispielsweise Leitlieferant für das satellitenbasierte Breitbandnetzwerk Eutelsat OneWeb. Im Januar bekam der Luftfahrtkonzern den Auftrag für weitere 340 sogenannte Low Earth Orbiter (LEO), 100 waren schon zuvor bestellt worden.
In Deutschland war Airbus in der Vergangenheit bereits Kernlieferant für die bisherigen Stufen des SatcomBw-Systems. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der Sparte Defense & Space um rund elf Prozent auf 13,4 Milliarden Euro und hatte damit einen Anteil von rund 18 Prozent am Gesamtumsatz. Auch wenn es im vergangenen Jahr und aktuell noch zu Lieferproblemen bei Triebwerken für den A320 vom Hersteller Pratt & Whitney, der bei der Produktion der Triebwerke mit MTU Aero Engines zusammenarbeitet, kam, gelang es Airbus, die Produktion um 3,5 Prozent zu steigern. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um ein Drittel auf 7,1 Milliarden Euro. Ende des Jahres umfasste der Auftragsbestand den Rekordwert von 8.754 Flugzeugen, was die Produktion auf rund zehn Jahre auslastet. Über alle Sparten hinweg lag der Auftragsbestand bei 619 Milliarden Euro.
Auch OHB ist ein bereits etablierter Branchenplayer. Der deutsche Raumfahrtkonzern lieferte unter anderem die Satelliten für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo, das ähnlich wie GPS, aber unter ziviler europäischer Kontrolle, hochpräzise Positions‑ und Zeitinformationen weltweit bereitstellt. Die OHB-Tochter MT Aerospace fertigt unter anderem Tanks und Strukturbauteile für die europäische Schwerlastrakete Ariane 6 und ist damit ein wichtiger Zulieferer für das Programm. Seit der Empfehlung in Ausgabe 20/2024 hat sich der Kurs versechsfacht. Aufgrund eines inzwischen auf unter sechs Prozent gefallenen Freefloats ist die Aktie keine laufende Empfehlung mehr. Es könnte zu einem Squeeze- out mit begrenztem Aufwärtspotenzial kommen. KKR war 2024 im Rahmen eines Take‑Private‑Plans bei OHB eingestiegen und hält heute rund 28,6 Prozent der Anteile, während die Familie Fuchs mit etwa 65 Prozent Mehrheitsaktionär ist. Inzwischen sind die Eigentümer offiziell von einem Delisting abgerückt, allerdings haben Private-Equity-Firmen ohnehin eine Haltedauer von fünf bis sieben Jahren auf Unternehmensebene. Sollte KKR in Tranchen wieder aussteigen — immerhin hat sich das Investment vervielfacht — dürfte das den Kurs belasten.
Ein weiteres starkes Unternehmen aus dem Bereich ist Iridium Communications. Das Unternehmen betreibt ein globales Satellitennetz für wichtige Kommunikationsstrukturen. Iridium hat 66 aktive Satelliten im Low Earth Orbit und verkauft Kapazitäten an über 500 Partner, die Endgeräte, wie etwa Marine-Terminals oder Satellitentelefone, bauen. Zwischen 2017 und 2019 wurde die Flotte vollständig durch neue Satelliten ersetzt. Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt auf wiederkehrenden Serviceumsätzen. Kunden sind dabei neben der Schifffahrt — über 50.000 Schiffe weltweit greifen auf Satellitendaten von Iridium zurück — die Luftfahrt, Versorgungs- und Bergbauunternehmen sowie Militärkunden. Ein Hauptkunde ist etwa das US-Militär, das über das sogenannte EMSS-Programm Satellitendienste für die Army, die Navy, die Air Force und weitere Bestandteile der Streitkräfte zur Verfügung stellt. Dazu kommen NATO-Partner, Küstenwachen und andere Sicherheitsbehörden. Der momentan laufende Siebenjahresvertrag hat einen Wert von rund 739 Millionen US-Dollar und läuft diesen September aus. Ein erneuter Vertrag ist nicht garantiert, jedoch sehr wahrscheinlich, da ein Wechsel für das US-Militär aufwendig wäre. Denkbar wäre jedoch zukünftig auch ein Multi-Provider-Ansatz. Die neue Ausschreibung sieht ein Basisjahr plus vier weitere Einjahresoptionen vor. Durch neue Player wie Starlink bekommt Iridium in einigen Bereichen zwar zusätzliche Konkurrenz, da das Unternehmen aber im sogenannten L-Band mit einer Frequenz von 1,6 Gigahertz arbeitet, setzt es sich gegenüber Konkurrenten ab. L-Band ist deutlich robuster gegenüber Regen, atmosphärischen Effekten und teilweise verdeckten Signalwegen. Starlink und die militärische Version Starshield setzen auf Breitband mit hohen Datenraten, die jedoch den Nachteil haben, dass bei starkem Regen und dichter Bewölkung die Leistung deutlich sinkt und es zu kurzzeitigen Verbindungsunterbrechungen kommen kann. Bei systemkritischen Anwendungen ist daher weiterhin L-Band gefragt. In den vergangenen Jahren gelang dem Unternehmen eine deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerung. Ende 2025 kam der Satellitenbetreiber auf rund 2,54 Millionen Kunden, der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf rund 872 Millionen Dollar, der Nettogewinn nahm leicht auf 114,4 Millionen Dollar zu. 2022 lag dieser noch bei rund 8,7 Millionen Dollar.
Rheinmetall blickt auf eine vergleichsweise kurze Historie im Bereich Satelliten zurück. 2024 beschloss der Rüstungskonzern, den Bereich Space als eigene Sparte zu positionieren. Im Dezember letzten Jahres gründete Rheinmetall ein Joint Venture mit dem finnischen Start-up Iceye und erhielt einen Auftrag im Wert von 1,7 Milliarden Euro durch das Bundesamt für Beschaffung zur Bereitstellung weltraumgestützter Daten mittels SAR-Satelliten. Hinter SAR steht die Technologie Synthetic Aperture Radar. Dieses spezielle Radar kann mithilfe von Mikrowellen hochauflösende Bilder erstellen. Das finnische Start-up kann so in Zusammenarbeit mit dem deutschen Rüstungskonzern in der Nacht oder bei Bewölkung sehr detaillierte Bilder von der NATO-Ostflanke bereitstellen.
Nach Aussage des Unternehmenschefs von Iceye, Rafal Modrzewski, kann die finnische Firma Radarbilder mit einer Auflösung von bis zu 25 Zentimetern liefern. Es können also beispielsweise auch Drohnen, Fahrzeugteile oder Antennentypen erkannt werden. Das System mit dem Namen „Spock“ soll die neue Panzerbrigade 45 der Bundeswehr in Litauen mit Aufklärungsdaten versorgen. Bei Ausübung aller Optionen kann das Gesamtvolumen des Vertrags auf über 2,7 Milliarden Euro steigen, die Laufzeit erstreckt sich bis Ende 2030. An dieser Stelle greift zudem eine andere Partnerschaft des Rüstungskonzerns. Das polnische Unternehmen Satim kann mittels künstlicher Intelligenz große Mengen komplexer Radarbilder in verwertbare Informationen umwandeln.
Der Aktienkurs von Rheinmetall ist zuletzt wieder zurückgekommen. Das operative Wachstum schreitet jedoch voran, der Auftragsbestand befand sich Ende 2025 mit 63,8 Milliarden Euro auf Rekordhoch. Der Umsatz stieg um 29 Prozent auf rund 9,94 Milliarden Euro, das operative Ergebnis klettere um 33 Prozent auf rund 1,84 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Konzernumsatz um 40 bis 45 Prozent auf 14 bis 14,5 Milliarden Euro zulegen. Die operative Ergebnismarge wird bei 19 Prozent erwartet.
Boomende Branche
Eine Perspektive auf die Bedeutung der Branche vermittelt auch der anstehende IPO von SpaceX, der noch dieses Jahr erfolgen soll. Die Raumfahrtfirma von Elon Musk soll laut Informationen von Bloomberg auf eine Bewertung von bis zu 1,75 Billionen Dollar kommen, was den Börsengang zum bis dato größten IPO machen würde.
Fazit
Mit Airbus und Rheinmetall setzen Anleger auf etablierte Werte mit attraktiven Wachstumschancen und einer breiten Produktpalette. Mit Iridium Communications bietet sich Investoren ein aussichtsreiches Satelliten-Pureplay.
Dieser Artikel erschien zuerst in der aktuellen BÖRSE ONLINE-Ausgabe. Hier geht es zur digitalen Version.