von Klaus Buhl

Liebe Anlegerinnen und Anleger,

trotz des sehr ruhigen Handels in den vergangenen Tagen befinden wir uns natürlich in einer extrem spannenden Börsenwoche. Denn obwohl heute natürlich die Ergebnisse der EZB- Sitzung im Vordergrund stehen, wird am morgigen Freitag der wichtige US- Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Wenn wir den privaten ADP als Indikator heranziehen, wird sich die Beschäftigung überraschend erhöhen. Daraus wiederum könnte eine Diskussion entstehen, ob die US-Notenbank FED nicht vielleicht doch einen aggressiver als heute von den meisten Anlegern erwarteten Zinsschritt vornimmt. Oder insgesamt im kommenden Jahr einen stärkeren Zinsimpuls setzt als heute von der Mehrheit vermutet wird.

Da diese Art von Diskussion aber niemandem nutzt, schlage ich vor, die Entwicklung der viel beachteten zehnjährigen US-Treasuries zu betrachten.

Abgebildet sehen Sie hier den Preis (also die Rendite und nicht den Kurs) der zehnjährigen US-Anleihe, der durch den Kampf zwischen Angebot und Nachfrage gebildet wird. Wie bei den P & F Charts üblich stehen X-Säulen für steigende und 0-Achsen für fallende Kurse. Für die bessere graphische Übersichtlichkeit wurde die Rendite um eine Zehnerstelle verschoben.

Schon ein schneller Blick zeigt Ihnen, dass sich die Zinsen von ihrem Rezessions-Tief des Sommers 2012 bei 1,5 % deutlich gelöst haben, aber auch das Hoch aus dem Winter 2014 bei 3 % nicht verteidigen konnten. Obwohl bekanntlich die "Prime Rate" von der FED seit etwa 9 Jahren nicht mehr angetastet wurde, sehen wir eine erhebliche Schwankung der Zinsen.



Wie Sie gut erkennen, befindet sich aktuell der "Preis für zehnjähriges Geld" in einem Aufwärtstrend, wie Ihnen die leicht holperige Aufwärtstrendgerade zeigt. Diese ist seit etwa einem Jahr gültig und deutet auf die steigende Nachfrage in diesem Markt. Interessant ist die Entwicklung der letzten Tage. Obwohl wir kurz vor einer von der Mehrheit der Marktteilnehmer erwarteten Anhebung der Zinsen stehen, ist die Rendite leicht gesunken. Bisher war der Rückgang aber noch nicht groß genug, um eine neue 0-Spalte zu bilden. Da bei den P & F Charts nur die wirklich wichtigen Kursveränderungen notiert werden - übrigens unabhängig von der Zeitachse - befinden wir uns hier noch in einer positiven X-Achse. Da aber umgekehrt die negative Begrenzungslinie durchstoßen wurde, rechne ich mit einem weiteren Zinsanstieg. Zunächst bis 2,4, längerfristig aber sogar bis über 3 %.

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Dezember: Vorteil für die DAX-Bullen



Da der Monat gerade erst begonnen hat, ist es natürlich interessant sich einen Überblick zu verschaffen, wie denn der Dezember im Durchschnitt für uns DAX- Anleger verläuft. Vor allem, wenn man auch den US- Wahlzyklus mit berücksichtigt. Dann erkennt man schnell, dass der Dezember in einem Vorwahljahr (in einem solchen befinden wir uns) der erfolgreichste Börsenmonat ist und statistisch betrachtet etwa 3 % zur Jahres-Performance beisteuert.

Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit können wir davon ausgehen, dass der gerade begonnene Monat uns nicht enttäuschen wird.



www.seasonalcharts.com

Da bleiben nicht viele Fragen. Der Zeitraum von Ende November bis Ende Dezember ist der ertragreichste für uns Anleger. Alleine für den nun beginnenden Dezember können wir durchschnittlich (in einem US-Vorwahljahr) mit einem Ertrag von etwa 3 % rechnen.

Natürlich ist dieser Zyklus keine Glaskugel und kein Drehbuch für schnellen Reichtum an der Börse. Aber es handelt sich um ein weiteres Puzzle-Stück im großen Mosaik, welches wir auf jeden Fall in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen sollten.

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Der DAX: kurzfristig zu hohe Erwartungen?



Wie oben angedeutet, sehe ich ein gewisses Risiko in der hohen Erwartung der Marktteilnehmer an die heutige Sitzung der europäischen Notenbank. Alles andere als eine Ausweitung des Ankaufs von Anleihen und sogar eine weitere Verschärfung des Strafzinses für Bankeinlagen bei der Zentralbank wäre eine negative Überraschung. Die Erfahrung zeigt aber, dass zu hohe Erwartungen häufig enttäuscht werden. Ganz abgesehen von der Gefahr, dass auch ein "Sell on Good News" jederzeit einkalkuliert werden muss.

Eine kleine Unsicherheit zeigt Ihnen der übersichtliche P & F Chart in Form der bisher harmlosen 0-Spalte im rechten Bereich der Grafik.



Aber natürlich ist dieser kleine Rücktest des früheren Widerstands bei 11.100 Punkten, der nun eine gute Unterstützung ist, bislang kein Grund sich zu sorgen. Ganz im Gegenteil ist ein Ausatmen des Marktes sogar von Vorteil, da dadurch neue Investoren angelockt werden. Immerhin haben die Bullen eine Rallye von etwas mehr als 10 % zu verkraften. Die Dynamik des Kursanstiegs erkennen Sie auch an der heutigen Entfernung des DAX von der aufsteigenden Unterstützungsgerade. Kritisch für uns Anleger wird es erst, falls das deutsche Kursbarometer unter die Marke von 10.900 fallen sollte. Erst hier würde ein Verkaufssignal der P & F Technik ausgelöst. Erst dann würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die angesprochene Trendgerade einem Test unterzogen wird.

Von diesem Szenario sind wir aber noch weit entfernt und die statistisch betrachtet positive Jahreszeit spricht dagegen. Wenn wir nun umgekehrt nach oben schauen - wie gesagt, diese Richtung halte ich für wahrscheinlicher, erkennen Sie kleinere Widerstände bei 11.400 und 11.600 Punkten. Richtig spannend wird es erst bei den größeren Bremsklötzen in der Region von 11.800 Punkten, deren Test ich in den kommenden Wochen erwarte.

Falls Sie sich für die Philosophie der P & F Charts und des inneren Marktes interessieren, beachten Sie bitte auch meinen Gratis-Börsenbrief und mein E-Book.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit ihren Investitionen und eine besinnliche Adventszeit.

Mit herzlichen Grüßen aus dem Rheinland,

Ihr Klaus Buhl

Klaus Buhl, Geschäftsführer der Libra Invest GmbH (www.libra-invest.de), bekennender Anhänger von Point and Figure Charts und der Philosophie des "inneren Marktes".