Laut Daten des aktuellen Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission ging es in der Woche zum 19. November mit der Anzahl offener Kontrakte (Open Interest), wodurch das allgemeine Interesse an Silber-Futures zum Ausdruck kommt, marginal bergab. So hat sich der Open Interest innerhalb einer Woche von 222.100 auf 221.700 Kontrakte (-0,2 Prozent) leicht reduziert. Bei der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten hat sich hingegen eine starke Gegenbewegung nach oben eingestellt. Auf Wochensicht war hier nämlich ein markantes Plus von 61.900 auf 66.500 Kontrakte (+7,5 Prozent) registriert worden. Hauptverantwortlich für die wachsende Zuversicht der spekulativen Marktakteure waren große Terminspekulanten (Non-Commercials), während Kleinspekulanten (Non-Reportables) ihren Optimismus deutlich zurückgefahren haben.

Unter den Großspekulanten fiel auf, dass sie ihre Long-Seite (plus 600 Futures) lediglich leicht nach oben gefahren habe, während die Short-Seite (minus 6.800 Kontrakte) massiv reduziert wurde. Dadurch hat sich ihre Netto-Long-Position von 37.400 auf 44.700 Kontrakte (+19,5 Prozent) verbessert. Deutlich eingetrübt hat sich die Stimmung indes unter den Kleinspekulanten. Innerhalb einer Woche erfuhr deren Netto-Long-Position einen Einbruch von 24.500 auf 21.800 Kontrakte (-11,0 Prozent).

Der Silberpreis fällt derzeit durch seine relativ starken Kursausschläge auf. Im Vergleich zu seinem "großen Bruder" Gold entwickelte er sich in diesem Jahr mit plus 9,7 Prozent weniger positiv als das gelbe Edelmetall (13,7 Prozent). Das heißt: Die normalerweise zugestandene Hebelwirkung des Silberpreises gegenüber Gold fiel in diesem Jahr aus. Bei der Volatilität hat Silber jedoch eindeutig die Nase vorn, schließlich übertrifft der CBOE-Silbervolatilitätsindex mit 18,5 Prozent sein Pendant auf Gold (11,3 Prozent) recht deutlich.

Silber: Mehr als nur der "kleine Bruder von Gold"


Silber wird häufig etwas despektierlich als "Gold des armen Mannes" oder als "kleiner Bruder von Gold" bezeichnet. Dabei verfügt das mit großem Abstand günstigste Edelmetall über so manchen Vorteil - nicht nur gegenüber Aktien, Anleihen oder Immobilien, sondern auch gegenüber Gold. Während nämlich der Besitz von Gold in vielen Ländern mitunter jahrzehntelang verboten war, mussten Silberfans noch nie ihre Krisenwährung zu einem von der Regierung diktierten Preis abgeben. Außerdem dürfte es unter Fungibilitätsaspekten im Falle eines Zusammenbruchs der globalen Finanzsysteme leichter sein, Waren oder Dienstleistungen mit Silbermünzen zu bezahlen als mit hochpreisigen Goldmünzen oder gar Barren. Für Silber sprechen aber auch seine vielfältigen physikalischen Eigenschaften, schließlich leistet es in den Sektoren Elektronik, Solarenergie, Medizin und bei der Wasseraufbereitung ausgesprochen wertvolle Dienste. Bei Gold steht weniger der industrielle Nutzen, sondern ganz klar seine Schutzfunktion als Wertspeicher im Vordergrund. Anleger schützen sich durch ein Goldinvestment besonders gerne vor Krisen, Inflation und Kursverlusten anderer Anlageklassen. Fazit: Als alternative Krisenwährung haben sowohl Silber als auch Gold ihre Existenzberechtigung.

Aus charttechnischer Sicht bewegt sich der Silberpreis aktuell genau in der Mitte der seit fünf Jahren anhaltenden Bodenbildungsphase, nachdem er im Frühjahr 2011 auf fast 50 Dollar explodiert war. Dieser lange Blick zurück zeigt auf, dass Silberinvestoren ein ausgesprochen robustes Nervenkostüm benötigen. Aus charttechnischer Sicht ist derzeit positiv zu werten, dass die langfristige 200-Tage-Linie noch nicht in Gefahr ist und sie weiterhin eine steigende Tendenz aufweist. Ein zweifaches Verkaufssignal entstünde aber bei einem Rutsch unter 16 Dollar. Dann wäre nämlich sowohl die langfristige Durchschnittslinie als auch eine wichtige Unterstützungszone nachhaltig verletzt. Noch besteht aber kein Grund Silber im großen Stil zu verkaufen.