Nach einem mauen Geschäftsjahr 2025 eröffnen sich aufgrund eines Förderverbots für chinesische Komponenten für den deutschen Wechselrichterhersteller zusätzliche Chancen
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 12. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 21/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Die Europäische Union zieht die Notbremse: Fördergelder für Solaranlagen mit chinesischen Wechselrichtern werden gestoppt. Das neue Verbot beachten müssen unter anderem die Europäische Investitionsbank (EIB) und die deutsche Förderbank KfW. Diese finanzieren einen relevanten Teil der Solarprojekte in der EU. Projekte, die vollständig privat oder von den Mitgliedsländern finanziert werden, sind von dem Verbot nicht betroffen.
Der Förderstopp ist eine Reaktion auf massive Sicherheitsbedenken. Europäische Experten warnen vor Cyberangriffen durch manipulierte Komponenten aus China, vor allem bei Wechselrichtern. Die Geräte wandeln Gleichstrom aus Batterien oder Solaranlagen in Wechselstrom um, der über normale Haushaltssteckdosen nutzbar ist. Durch ein Update der Wechselrichter-Software wäre es technisch möglich, Millionen der Geräte zur gleichen Zeit ein- und auszuschalten, so die Sorge der EU. Das könnte zu Stromschwankungen und möglicherweise einem großflächigen Blackout führen. Ein hochrangiger EU-Beamter bezeichnete Wechselrichter deshalb unlängst als „Gehirn der Solaranlage“. Für SMA Solar bedeutet das neuen Rückenwind. Das Unternehmen, das einst Weltmarktführer war und unter dem Preisdruck chinesischer Konkurrenten massiv litt, könnte von dem Beschluss der EU profitieren. Rund 80 Prozent der in der EU verbauten Wechselrichter stammen nach Angaben der EU-Kommission aus der Volksrepublik — zum Großteil von den Herstellern Huawei und Sungrow. Die EIB förderte vergangenes Jahr rund ein Fünftel der in Europa neu installierten Solarleistung. Auch könnte eine neue Verordnung noch wesentlich weitergehen als das Förderverbot. Der „Industrial Accelerator Act“ (IAA) würde nach einer dreijährigen Übergangsfrist auch alle staatlichen Förderprogramme der Mitgliedsstaaten, also etwa auch nationale Einspeisevergütungen und Ausschreibungen, umfassen. Aktuell wird über die genaue Ausgestaltung noch verhandelt.
Die Zahlen für 2025 zeigten bei SMA ein gemischtes Bild. Während das Großprojektgeschäft mit einem Umsatzplus von 7,9 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro und einer Ebit-Marge von 16,6 Prozent glänzte, brach das Ergebnis der Heim- und Businesssparte um 30 Prozent ein. Der Konzernverlust von 181 Millionen Euro war im wesentlichen Sondereffekten wie Wertminderungen und Rückstellungen geschuldet. Bereinigt lag das Ebitda bei rund 107 Millionen Euro. Der Free Cashflow lag bei rund 110 Millionen Euro, im Vorjahr stand hier noch ein Minus von 184 Millionen Euro. Für 2026 erwartet der Vorstand einen Umsatz zwischen 1,48 und 1,68 Milliarden Euro. 2026 lag dieser bei 1,52 Milliarden. Das Ebitda soll zwischen 50 und 180 Millionen Euro betragen, im Vorjahr stand hier unbereinigt noch ein Minus von 65 Millionen Euro.
Restrukturierung ist im Gang
Um die Rückkehr in die Gewinnzone zu schaffen, treibt SMA Solar seinen tiefgreifenden Konzernumbau voran. Bereits 2024 hatte das Unternehmen den Abbau von weltweit 1.100 Stellen bis Ende 2025 angekündigt. Im Herbst 2025 folgte eine weitere Verschärfung des Sparkurses: Zusätzlich sollen bis Ende 2026 rund 350 Vollzeitstellen wegfallen, davon etwa 300 am Stammsitz in Niestetal bei Kassel. Bis Ende 2027 sollen durch das gesamte Restrukturierungsprogramm rund 100 Millionen Euro eingespart werden. Parallel plant der Konzern eine Internationalisierung der Produktion, etwa durch eine stärkere Nutzung von Standorten in Polen und Indien, sowie die Aufgabe unprofitabler Märkte. In Polen baut SMA die Fertigung für den europäischen Markt aus, während Indien als Produktionsbasis für Asien und andere Wachstumsmärkte dienen soll. Gleichzeitig hat das Unternehmen bereits die Niederlassung in der Türkei geschlossen und den Standort Südafrika verkleinert.
Strategisch setzt SMA zunehmend auf den Wandel vom reinen Wechselrichterhersteller zum digitalen Systemanbieter. Kernstück dieser Neuausrichtung ist die Vernetzung von Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern, Wallboxen und Wärmepumpen zu einem intelligenten Gesamtsystem. Damit positioniert sich das Unternehmen bewusst gegen asiatische Volumenanbieter wie Huawei und Sungrow, aber auch gegen europäische Konkurrenten wie Fronius. Der europäische PV-Wechselrichtermarkt ist ein Wachstumsmarkt. 2024 lag er bei rund 10,5 Milliarden US-Dollar. Laut Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Global Market Insights soll dieser bis 2034 auf knapp 38 Milliarden US-Dollar anwachsen. Neben Wechselrichtern positioniert sich SMA zunehmend auch im wachsenden Markt für Batteriespeichersysteme. Das Unternehmen bietet sowohl Heimspeicherlösungen für Privatkunden als auch großskalige Batteriespeicherprojekte über die Tochtergesellschaft SMA Altenso an.
Fazit
Angesichts der Förderverbote seitens der EU, einer möglichen Erweiterung auf staatliche Förderprogramme und der voranschreitenden Energiewende sieht die Redaktion weiteres Potenzial. Das Kursziel wurde unlängst erreicht, wir heben dieses nun an.