So startet der DAX in die neue Woche und das bewegt den deutschen Leitindex. Außerdem im Fokus: Öl, Nvidia, Tesla, Ethereum, Easyjet, Continental, Solstice und Samsung.
Nach seinem Rekordlauf in der vergangenen Woche dürfte der Dax am Montag seine Gewinne halten. Stützend wirken teils freundliche Aktienmärkte in Asien. Dort sorge die Aussicht auf starke US-Quartalszahlen und nachgebende Ölpreise für positive Stimmung, schrieben die Experten der Steubing Wertpapierhandelsbank.
Der frühbörsliche Indikator X-Dax signalisierte knapp eine Stunde vor Handelsbeginn ein Plus von 0,1 Prozent auf 25.806 Punkte für den Dax. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex seinen fast sechs Monate alten Höchststand getoppt und am Freitag dann erstmals auch die Marke von 25.800 Punkten übersprungen. Charttechnik-Analyst Christoph Geyer hält den Markt inzwischen für überkauft, sodass er in nächster Zeit mit einem Rücksetzer rechnet.
Hinsichtlich der jüngsten Schwäche der KI-Werte, die sich nach fulminanten Rallys im US-Halbleiterindex SOX und dem koreanischen Kospi bemerkbar macht, gibt JPMorgan-Stratege Mislav Matejka derweil Entwarnung. Er geht davon aus, dass Anleger nun wieder verstärkt Einstiegschancen wittern. Für den Halbleiterzyklus sei ein nahes Ende nicht in Sicht, da es nennenswerte neue Kapazitäten vermutlich nicht vor 2028 geben werde. Zudem sieht Matejka, ähnlich wie die Experten von Steubing, die anstehende Berichtssaison allgemein als Stütze für die Aktienmärkte.
Nachrichten aus Deutschland
Conti-Aktionäre erhalten Großteil der Einnahmen aus Contitech-Verkauf
Der Reifenhersteller Continental will einen Großteil der Einnahmen des Verkaufs der Kunststofftechniksparte Contitech an die Aktionäre weitergeben. 2,5 Milliarden Euro des erwarteten Mittelzuflusses von rund 3,1 Milliarden Euro sollen entweder in Form einer Sonderdividende oder über den Rückkauf von Aktien und eine außerordentliche Ausschüttung an die Anteilseigner fließen. Dies teilte der Dax-Konzern am Samstag in Hannover nach Unterzeichnung des Vertrags zum Spartenverkauf mit.
Bereits am Freitag hatte Continental angekündigt, dass der Vertrag über den Verkauf von Contitech an den Finanzinvestor Lone Star Funds kurz vor dem Abschluss steht. Die Sparte werde bei der Transaktion mit vier Milliarden Euro bewertet. Zudem könnte Continental erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 250 Millionen Euro in den Folgejahren erhalten. Auf Basis dieser Bewertung rechnet Conti zum Zeitpunkt des Closings der Transaktion mit einem Mittelzufluss von rund 3,1 Milliarden Euro.
"Die endgültigen finanziellen Effekte hängen von üblichen Mechanismen zur
Kaufpreisanpassung sowie dem Zeitpunkt des Transaktionsvollzugs ab", hieß es in der Mitteilung vom Samstag. Der Vollzug der Transaktion stehe unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, insbesondere der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden sowie weiterer marktüblicher Vollzugsbedingungen. Er könnte noch bis Ende des laufenden Jahres erfolgen.
Conti hatte den Verkauf schon vor längerem angekündigt. Der Konzern hatte im September vergangenen Jahres bereits seine Autozuliefersparte Aumovio abgespalten. Mit dem Contitech-Verkauf wird Continental nun zu einem reinen Reifenhersteller. Contitech liefert unter anderem Schläuche, Antriebsriemen und Förderbänder für die Industrie liefert.
Die Gewerkschaft IGBCE kündigte Widerstand gegen mögliche weitere Stellenstreichungen an. Man setze auf Dialog mit dem neuen Eigentümer, sollte es aber Pläne eines weiteren Arbeitsplatzabbaus über die beschlossene Größenordnung hinaus geben, werde das auf "entschiedenen Widerstand" stoßen, sagte Francesco Grioli, Mitglied des Continental-Aufsichtsrats und des geschäftsführenden Hauptvorstands der Industriegewerkschaft.
Continental hatte im Mai angekündigt, bei der Kunststofftechnik-Tochter Contitech weltweit 3.000 Stellen abzubauen, davon 1.600 in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen sollen bis mindestens Ende 2030 vermieden werden, teilte die IGBCE damals mit. Zuletzt beschäftigte die Sparte mehr als 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit, davon etwa 7.700 in Deutschland.
Ein Eckpunktepapier verpflichte den Käufer unter anderem zu Investitionen, Arbeitsplatzsicherung und der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen in Deutschland, sagte der stellvertretende Continental-Aufsichtsratsvorsitzende und Konzernbetriebsratschef Hasan Allak. Der Käufer habe zudem zugesichert, Perspektiven für Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen.
Nachrichten International
Ölpreise stabil
Die Ölpreise haben sich zum Wochenbeginn kaum vom Fleck bewegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Montagmorgen nach dem langen Feiertagswochenende in den USA zuletzt 72,01 US-Dollar, das waren 0,15 Prozent weniger als vor dem Wochenende. Am Freitag hatte es einen dünnen Handel gegeben aufgrund des Feiertags zur Unabhängigkeit in den USA am Samstag.
Die Öl-Notierungen haben damit bisher kaum auf die neuesten Nachrichten der Opec+ reagiert. Wie am Sonntag mitgeteilt wurde, will das Ölkartell mehr Öl in den Markt pumpen. Im August werde die Produktion um täglich 188.000 Barrel (je 159 Liter) ausgeweitet, teilte eine Kerngruppe aus sieben Staaten mit. Zugleich behielten sich die Länder vor, den Produktionszuwachs je nach Marktsituation zu beschleunigen, auszusetzen oder rückgängig zu machen, hieß es.
Im zweiten Quartal war der zwischenzeitlich stark gestiegene Preis für Brent-Rohöl am Ende um 30 Prozent gefallen, nachdem Washington und Teheran ein vorläufiges Friedensabkommen geschlossen hatten. Dieses machte den Weg für eine zügige, wenn auch noch unvollständige Normalisierung des Verkehrs durch die Straße von Hormus frei. Vor diesem Hintergrund gehen nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg mehrere Wall-Street-Banken davon aus, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte weiter fallen könnten. Experten von der Citigroup halten einen Rückgang bis auf 60 US-Dollar je Barrel bis zum Jahresende für möglich.
OPEC-Länder, die besonders stark unter dem Krieg gelitten haben, seien nun beim Wiederaufbau ihrer Produktion und Ausfuhren, schrieben Analysten von RBC Capital Markets in einer Studie. Allerdings gebe es nur eine geringe Bereitschaft, einen von der Angebotsseite ausgelösten Preissturz zu riskieren.
Fünftes Angebot von US-Investor: Billigfluglinie Easyjet schlägt ein
Die Billigfluglinie Easyjet hat dem Werben des US-Investors Castlelake nun doch nachgegeben. So stimmte Easyjet dem fünften Übernahmeangebot "im Grundsatz" zu, wie die Unternehmen am Sonntag in London mitteilten. Dabei bietet Castlelake nun 6,90 britische Pfund je Aktie, womit Easyjet mit 5,2 Milliarden Pfund (knapp 6,1 Mrd Euro) bewertet wird. Die Billigfluglinie hatte die anderen Offerten zuvor alle abgelehnt, Castlelake aber zuletzt eine Hintertür für eine weitere Nachbesserung offen gelassen.
Da Castlelake ein US-Unternehmen ist, kann es keine Mehrheitskontrolle über eine europäische Fluggesellschaft übernehmen und benötigt deshalb Partner. Deswegen wird Castlelake den Angaben zufolge mit den Luftfahrtmanagern Peter Bellew und Mark Breen zusammenarbeiten. Bellew war früher bei Easyjet, bevor er das Unternehmen 2022 abrupt verließ.
Zu den attraktivsten Vermögenswerten von Easyjet zählen eine Flotte moderner Flugzeuge des Typs Airbus A320 sowie Landerechte in London, Mailand und Genf. Größter Anteilseigner des Unternehmens ist die Familie des Gründers Stelios Haji-Ioannou mit einer Beteiligung von 15,3 Prozent.
Tesla startet Robotaxi-Dienst in Miami – Konkurrenz zu Waymo wächst
Tesla hat seinen autonomen Fahrdienst auf Miami ausgeweitet, wo er zunächst auf westliche und zentrale Stadtteile beschränkt ist – Downtown Miami und Miami Beach sind vorerst ausgenommen. Der Schritt folgt auf den ersten kommerziellen Robotaxi-Start in Austin im Juni und bringt Tesla in direkten Wettbewerb mit Alphabets Waymo, das bereits in mehreren US-Städten einschließlich Teilen von Miami operiert. Teslas Robotaxi-Flotte basiert auf Model-Y-Fahrzeugen mit der firmeneigenen FSD-Software; im zweiten Quartal lieferte Tesla insgesamt 480.126 Fahrzeuge aus – ein neuer Rekord.
Solstice und Element Solutions verhandeln über 27-Milliarden-Dollar-Fusion
Der erst im Oktober 2025 von Honeywell abgespaltene Spezialchemiekonzern Solstice Advanced Materials befindet sich laut Financial Times in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Fusion mit Element Solutions, die als „Merger of Equals" strukturiert wäre und das kombinierte Unternehmen mit rund 27 Milliarden Dollar bewerten würde. Ein Abschluss könnte noch diese Woche erfolgen, wobei die Gespräche aber auch noch scheitern könnten. Element Solutions ist ein auf Elektronikmaterialien spezialisierter Konzern, der unter anderem Chemikalien für die Halbleiterfertigung liefert.
Fiserv und BP verschärfen Vorgehen gegen illegale E-Zigaretten
Das Zahlungsunternehmen Fiserv sowie Tankstellenbetreiber wie BP, Marathon Petroleum und Valero haben ihre US-Partner und Filialinhaber schriftlich gewarnt, keine illegalen Vapes zu verkaufen – andernfalls drohen Geldstrafen im sechsstelligen Bereich pro Verstoß oder der Entzug der Kartenzahlungsinfrastruktur durch Mastercard. Der Druck geht auf eine Koalition aus Staatsanwälten mehrerer US-Bundesstaaten zurück, die bereits Shopify zu einem vollständigen Vape-Verkaufsverbot bewogen hat. In den USA sind lediglich 45 E-Zigarettenprodukte von der FDA offiziell zugelassen, während der illegale Markt auf über 9 Milliarden Dollar jährlichen Umsatz geschätzt wird.
Ethereum steht vor größtem technischen Umbau seit dem Merge
Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin hat mit der sogenannten „Lean Ethereum"-Roadmap einen neuen Masterplan für die kommenden drei bis vier Jahre vorgestellt, der tiefgreifende Änderungen auf nahezu allen Ebenen des Netzwerks vorsieht – darunter Quantenresistenz, verbesserten Datenschutz und eine neue virtuelle Maschine auf Basis von RISC-V. Der Plan kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt: Die Ethereum Foundation hat erst kürzlich 20 Prozent ihrer Belegschaft entlassen und ihr Budget um 40 Prozent gekürzt. Nicht alle Entwickler teilen Buterins Zeitplan – ETH-Forscher Dankrad Feist hält den geplanten Rahmen für zu lang und glaubt, dass KI-gestützte Entwicklung viele Änderungen deutlich schneller ermöglichen könnte.
Samsung erwartet 18-fachen Gewinnanstieg dank KI-Speicherboom
Analysten prognostizieren für Samsung im zweiten Quartal 2026 einen Rekordoperativgewinn von rund 86 Billionen Won – umgerechnet rund 56 Milliarden Dollar – was einem Anstieg von 756 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspräche und das dritte Rekordquartal in Folge wäre. Treiber ist vor allem die explodierende Nachfrage nach HBM-Chips sowie konventionellen DRAM- und NAND-Produkten für KI-Anwendungen, wobei die Halbleitersparte im ersten Quartal bereits über 93 Prozent des Gesamtgewinns beisteuerte. Samsung, SK Hynix und Micron haben infolge des anhaltenden Speicherengpasses alle eine Marktkapitalisierung von über einer Billion Dollar erreicht.
Nvidias Kyber-KI-Rack um mehr als ein Jahr verzögert
Nvidias nächste Flaggschiff-Serverarchitektur „Kyber", die 144 Hochleistungschips in einem einzigen Rack vereinen und ursprünglich 2027 debütieren sollte, wurde laut dem Analysehaus SemiAnalysis auf 2028 verschoben – Ursache sind Fertigungsprobleme bei einer zentralen Mehrschicht-Leiterplatte. Auch das größere NVL576-System, das acht Racks über optische Verbindungen verknüpfen soll, ist wahrscheinlich verzögert oder nur in geringen Stückzahlen verfügbar. Positiv bleibt, dass Nvidias aktuelle Rubin-Systeme in Vollproduktion gehen und ab Herbst an acht Cloud-Partner ausgeliefert werden – und SemiAnalysis erwartet, dass Nvidias Rechenzentrumsumsatz in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2027 rund 20 Prozent über dem Wall-Street-Konsens liegen wird.
Enthält Material von dpa-AFX