Die Aktionäre würden so auf "jegliche Kontinuität im Umgang mit Stada" verzichten. Stada selbst stellt nach Kritik von Aktionären vier neue Aufsichtsräte mit Management- und Branchenerfahrung zur Wahl. AOC hat vier eigene Kandidaten nominiert und will auch Abend sowie den Bankier Carl Ferdinand Oetker aus dem Aufsichtsrat abwählen lassen - ein einmaliger Vorgang bei einem großen börsennotierten deutschen Unternehmen.

AOC will Stada auf Vordermann bringen und damit den Kurs der Aktie nach oben treiben. Einflussreiche Aktionärsberater aus den USA haben sich zumindest zum Teil hinter die Forderungen von AOC gestellt, die selbst gut fünf Prozent an Stada hält. Insidern zufolge kann der Investor auf Unterstützung von mehr als 20 Prozent der Stada-Aktionäre bauen. Ob das für die Abwahl Abends reicht, ist offen. Insgesamt sind nach Stada-Angaben 57 Prozent der Aktionäre auf der Hauptversammlung vertreten - weit mehr als sonst. Vor dem Saal "Harmonie" im Frankfurter Kongresszentrum bildeten sich vor Beginn lange Schlangen.

EINE FRAGE DES VERTRAUENS



Abend äußerte Zweifel daran, dass die von AOC nominierten Kandidaten wirklich unabhängig seien. Drei von ihnen stünden dem Schweizer Pharmariesen Novartis nahe. "Das klingt für mich nicht besonders vertrauenswürdig", sagte er. Der ehemalige Novartis-Manager Eric Cornut ist der Kandidat von AOC für den Aufsichtsratsvorsitz. Er war bis Juni für ethische und regulatorische Fragen bei Novartis zuständig. Der Aufsichtsrat wählt seinen Vorsitzenden selbst. Abend, der bis 2018 im Amt bleiben will, warb für die eigenen Kandidaten: "In diesem Team besteht Vertrauen."

Abend überließ die Leitung der Hauptversammlung überraschend der Berliner Notarin Karin Arnold. Er wolle damit jeden Verdacht der Befangenheit vermeiden. Abend hatte lange als Vertrauter des langjährigen Vorstandschefs Hartmut Retzlaff gegolten. Er hatte Retzlaff aber Insidern zufolge vor einer Woche zum endgültigen Rücktritt gedrängt, obwohl dieser nach einer krankheitsbedingten Auszeit zurückkehren wollte. Retzlaff waren ein autokratischer Führungsstil und verkrustete Strukturen vorgeworfen worden. Doch auch sein Nachfolger, Matthias Wiedenfels, darf sich noch nicht fest im Sattel fühlen. "Dauerhaft einen Vorstandsvorsitzenden zu bestellen, wird einem neu zusammengestellten Aufsichtsrat vorbehalten sein", sagte Abend. Wiedenfels selbst sieht sich als Dauerlösung.

Er hat bei Stada bereits Weichen gestellt und will die Firma aus Bad Vilbel schlagkräftiger und schneller machen. "Wir haben nicht nur die Oberfläche poliert, sondern wir haben tief in die Abläufe des Unternehmens eingegriffen", sagte er vor den Aktionären. "Wir haben unser Potenzial noch längst nicht voll ausgeschöpft."

rtr