Eine deutsche Tech-Aktie rennt und rennt – und lässt selbst die Kursziele der optimistischsten Analysten hinter sich. Erste Häuser ziehen jetzt die Handbremse oder stufen ab – womöglich zu früh?

Die Aktie von Aixtron hat in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Rally hingelegt. Allein innerhalb der letzten drei Monate stieg das Papier um mehr als 150 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Kursplus bei fast 200 Prozent und wer die Aktie schon vor 52 Wochen kaufte, hat den Wert jetzt schon vervierfacht.

Am Dienstagnachmittag kostete eine Aixtron-Aktie schon 51,78 Euro, acht Prozent mehr als am Tag zuvor – und da wird manchen Analysten mulmig. Die DZ Bank und Barclays haben die Aktie herabgestuft. Ihre Begründung: Nach dem kräftigen Kursanstieg sei jetzt ein großer Teil der positiven Erwartungen im Kurs enthalten.

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TecDAX (WKN: 720327)

Die Kursziele

Das Problem an der aktuellen Lage ist, dass die Analysten nicht hinterherkommen, ihre Kursziele anzupassen. So hat etwa Jefferies jüngst seine Kauf-Empfehlung bestätigt, nennt aber immer noch ein Kursziel von 35 Euro. Da stand die Aktie zuletzt Mitte April.

Gut möglich, dass die Auswertung des Analysten eigentlich keinen höheren fairen Wert zulässt – und da beginnt das Problem: Es bleibt nur noch wenig Luft nach oben, jede kleine Enttäuschung kann sofort Gewinnmitnahmen auslösen. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass eine Aktie auch länger über ihren Kurszielen notieren kann, wenn neue Fantasie – zum Beispiel durch die KI-Nachfrage – den Markt weiter antreibt. Entscheidend ist dann, ob die nächsten Quartalszahlen die hohen Erwartungen bestätigen.

Schwierig wird es jedoch, wenn Analysten Kursziele nur noch erhöhen, um mit dem Markt Schritt zu halten – denn dann sind diese Urteile für die Anleger im Grunde nichts mehr wert.

Was Anleger jetzt beachten sollten

Abstand des aktuellen Kurses zu den Kurszielen: Wenn Analysten abstufen, weil „zu viel vorweggenommen“ ist, braucht es meist neue Argumente wie neue Aufträge, eine Anhebung des Ausblicks oder der Margen, um die nächste Etappe zu rechtfertigen.

Welche nächsten Kurstreiber gibt es: Bei stark gelaufenen Tech- und Chip-nahen Werten geben im Moment oft Branchennews – etwa am Dienstag das Gerücht eines neruen Großauftrags von Apple an Intel – den Impuls für steigende Kurse. Fraglich ist dann aber, wie lange solche Impulse anhalten – und ob das eigene Unternehmen von den genannten Veränderungen im Markt überhaupt selbst profitieren kann.

Fazit

Die Aixtron-Aktie weist ein starkes Momentum auf und ist im Moment ein Liebling der Märkte. Aber die Rally hat eine Zone erreicht, in der Bewertung und Erwartungsmanagement wichtiger werden. Wer schon länger investiert ist, sollte an erste Gewinnmitnahmen denken – ohne ganz auszusteigen.

Die Argumente für Neueinsteiger werden dagegen immer weniger. Wer jetzt noch kauft, muss sich des hohen Rückschlagpotenzials bewusst sein.

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