Zuletzt hatte Thyssenkrupp Elevator einen Wert von 11,4 Prozent erreicht. Das Unternehmen will in drei Jahren die Kosten um rund 80 Millionen Euro senken und nimmt dabei auch Werke in Hamburg und Neuhausen ins Visier. "Wir haben klare Vorstellungen", betonte der Manager, machte aber keine konkreten Angaben.

Der Konzern will die lukrative Sparte ganz oder in Teilen verkaufen oder an die Börse bringen. Die Entscheidung solle im ersten Quartal 2020 fallen, bekräftigte das Management. "Wie attraktiv unser Elevator-Geschäft ist, zeigen die ersten indikativen Angebote von Finanz- und strategischen Investoren im Rahmen des laufenden Verkaufsprozesses", erklärte Konzern-Finanzchef Johannes Dietsch. "Am Ende werden wir uns für die Option entscheiden, die für den Konzern, seine Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter, aber auch für das Aufzuggeschäft das Beste ist." Experten schätzen den Wert von Thyssenkrupp Elevator auf über 15 Milliarden Euro.

Im Rennen ist nach Reuters-Informationen der finnische Konkurrent Kone mit dem Finanzinvestor CVC. Ebenfalls dabei sind gemeinsam die Investoren Blackstone, Carlyle und Canada Pension Plan Investment Board sowie ein Konsortium aus Advent, Cinven und der Abu Dhabi Investment Authority.

MARGENSTARKES SERVICEGESCHÄFT SOLL AUSGEBAUT WERDEN


Elevator werde sein Wachstum auch weiter mit Zukäufen vorantreiben, kündigte Walker an, der seit Anfang dieses Jahres die Ertragsperle des Mischkonzerns leitet. "Der wichtigste Punkt ist das Servicegeschäft", gab der gebürtige Australier die Richtung vor. Wartung und weitere Dienstleistungen machen etwa die Hälfte des Umsatzes aus. Branchenexperten zufolge sind die Margen aber hier deutlich höher als beim reinen Verkauf der Aufzüge. Thyssenkrupp hat weltweit Wartungsverträge für 1,4 Millionen Einheiten. Stark aufgestellt ist der Konzern insbesondere in Nordamerika. Weltweit ist Elevator die Nummer vier nach Otis, Schindler und Kone. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 53.000 Mitarbeiter, davon etwa 5000 in Deutschland.

Der schwächelnde Mutterkonzern will das lange Zeit als unantastbar geltende Geschäft versilbern, um Mittel für Wachstumsinvestitionen zu erhalten. Thyssenkrupp steckt in einer der größten Krisen der Unternehmensgeschichte. Der Konzern kämpft mit hohen Einbußen der Stahlsparte, dem seit Jahren schwächelnden Anlagenbau und der Flaute im Geschäft mit Autoteilen.

Die neue Konzernchefin Martina Merz will ThyssenKrupp umkrempeln und auf Rendite trimmen. Es werde jedoch einige Zeit dauern, ehe die eingeleiteten Maßnahmen ihre volle Wirkung entfalten werden. Die von ihrem Vorgänger Guido Kerkhoff im August 2018 formulierten Mittelfristziele blieben bestehen, allerdings ließen sich diese nicht bis 2020/21 erreichen. Kerkhoff hatte für diesen Zeitraum der Aufzugssparte als Ziel eine Rendite von über 13 Prozent vorgegeben, langfristig sollten es sogar über 15 Prozent sein. Für Thyssenkrupp bedeuteten die zuletzt erzielten 11,4 Prozent eine leichte Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr. Wettbewerber wie Schindler, Kone und Otis kamen in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf Margen von 11,5 bis 15,3 Prozent.

PRODUKTPALETTE SOLL ÜBERSCHAUBARER WERDEN


"Der globale Markt für Aufzüge und Fahrtreppen ist äußerst attraktiv", warb Walker für das Geschäft. Er gehe davon aus, dass der Markt langfristig wachsen werde.

Um profitabler zu werden, soll die Produktion stärker standardisiert werden und insgesamt das Portfolio weniger komplex sein. Während die Werke Asien und Südamerika flexibel arbeiteten, müssten sie in Nordamerika und Europa auf Vordermann gebracht werden. Das Rolltreppenwerk in Hamburg und das Aufzugswerk in Neuhausen seien zu teuer, kritisierte Walker. Man sei mit dem Betriebsrat bereits in Gesprächen.

rtr