Die Spekulationen über eine Zinserhöhung in den USA noch im Sommer haben am Mittwoch den Anlegern zu schaffen gemacht. Bis zum Nachmittag verloren Dax und EuroStoxx50 je 0,3 Prozent auf 9865 und 2930 Punkte. Die US-Futures notierten 0,2 Prozent niedriger. Verschiedene US-Notenbanker hatten für 2016 zwei bis drei Zinsanhebungen in Aussicht gestellt. "Um nicht in die heiße Wahlkampfphase zu geraten, böten sich als Termine die Juni- und Dezembersitzung an", erklärte Martin Moryson, Chefvolkswirt des Bankhauses Sal. Oppenheim. Die US-Präsidentenwahl findet am 8. November statt.

Gespannt warteten die Börsianer nun auf die Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung. "Sie könnten die Gründe für das Zögern der Fed im April beleuchten und Hinweise liefern, worauf die Notenbank im Juni achten wird", sagte Volkswirtin Ana Thaker vom Brokerhaus PhillipCapital. Die Mitschriften sollten am Mittwochabend (MESZ) veröffentlicht werden.

Die Zinsfantasie schob den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, um 0,5 Prozent an. Der Euro rutschte auf 1,1280 von 1,1311 Dollar am Dienstagabend.

Auch am Ölmarkt ist die Unsicherheit weiter hoch. Nach Produktionsausfällen unter anderem in Kanada ist der Ölpreis bis auf wenige Cent an die 50-Dollar-Marke herangerückt, die technisch wie psychologisch wichtig ist. Am Mittwoch pendelte der Preis für die Ölsorte Brent aus der Nordsee um 49 Dollar.

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Bei den deutschen Aktienwerten stachen Kuka im MDax mit einem Kurssprung von 35,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 114,40 Euro hervor. Das liegt knapp unter dem Angebot von 115 Dollar je Aktie, das der chinesische Großaktionär Midea abgab..

Spekulationen auf Aktienkäufe eines chinesischen Investors gaben auch Fiat Chrysler in Mailand Auftrieb. Der Zeitung "Il Giornale" zufolge denkt der chinesische Partner Guangzhou über einen Einstieg beim italienisch-amerikanischen Autobauer nach. Die beiden Firmen bauen in China gemeinsam Fahrzeuge. Fiat gewannen bis zu 4,1 Prozent.

Zurückhaltende Aussagen zu den Geschäftsaussichten drückten in London Burberry um 6,6 Prozent.

Im SDax fielen Zeal Network um 9,6 Prozent auf 35,11 Euro. Der ehemals als Tipp24 bekannte Internet-Lottoanbieter mit Sitz in London schraubte seine Gewinnprognose herunter, nachdem ein Tochterunternehmen einen Jackpot von 37 Millionen Euro auszahlen musste.

Außerhalb der großen Indizes hatten die Anleger von Windeln.de die Nase voll: Die Aktien des Online-Babyausstatters, der erst vor einem Jahr mit einem Ausgabepreis von 18,50 Euro an die Börse gegangen war, fielen um 26,7 Prozent auf ein Rekordtief von 6,63 Euro. Wegen schwacher Geschäfte in China rechnet das Unternehmen für 2016 nur noch mit einem Umsatzplus von rund 30 statt etwa 50 Prozent.

Reuters