Ein rätselhafter Abverkauf hatte die Kontron-Aktie vergangene Woche auf Talfahrt geschickt. Die heute vorgelegten Zahlen zeigen nun: Es läuft gerade wirklich schlecht. Wusste da jemand vorher etwas?
Vor genau einer Woche war die Aktie des Digitalisierungs-Konzerns Kontron AG unvermittelt eingebrochen. In der ersten Handelsstunde verlor das Papier damals aus heiterem Himmel zeitweise 24 Prozent an Wert, mit fast einer Million gehandelter Aktien gingen schon am Vormittag etwa siebenmal so viele Papiere um wie am Tag zuvor.
Vieles deutete damals auf eine Short-Seller-Attacke hin (BÖRSE ONLINE berichtete). Es schien, als hätten sie es gezielt auf bestimmte Kursschwellen abgesehen, an denen Stop-Loss-Marken und K-o-Schwellen für Knockout-Zertifikate lagen. Vermutungen, die anstehenden Zahlen könnten schlecht sein, wies das Unternehmen, das seinen Sitz in Linz in Österreich hat, damals zurück.
Am Donnerstag hat der österreichische Technologiekonzern, der im SDAX notiert ist, nun wirklich Zahlen gemeldet - und die sind schwächer als von Analysten und Investoren erwartet. Zudem bleibt der Ausblick auf das laufende Jahr deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Im vergangenen Jahr sank der Umsatz, unter anderem wegen eines Spartenverkaufs, um fast fünf Prozent auf etwas mehr als 1,6 Milliarden Euro. Nach Aussagen des Kontron-Managements drückte auch "die Fokussierung auf margenstärkere Geschäfte" auf die Erlöse. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte immerhin noch um 15 Prozent auf 220,5 Millionen Euro zu. 2026 rechnet Kontron mit einem bereinigten operativen Ergebnis von 225 Millionen Euro sowie einem Umsatz zwischen 1,75 und 1,8 Milliarden Euro. Auch für diese Zahlen hatten die von Bloomberg befragten Experten höhere Werte auf dem Zettel. Einziger positiver Punkt ist der stark gestiegene Auftragsbestand.
Wusste ein Insider doch mehr?
Dass Kontron nun wirklich die Erwartungen enttäuschte, nährt den Verdacht, dass der oder die Short-Seller womöglich doch mehr Informationen über die Geschäfte des Unternehmens hatten als zunächst vermutet. Darauf, dass Insider aus dem Kontron-Management die Verkaufswelle auslösten, gibt es keine Hinweise. Management, Aufsichtsrat und Großaktionären börsennotierter Unternehmen ist der Handel mit Aktien ihres eigenen Unternehmens vor Veröffentlichung von Geschäftszahlen in der sogenannten "Quiet Period" generell untersagt.
Kontron hatte am Mittwoch einen Aktienrückkauf in Höhe von 2.900.000 Aktien oder rund 4,54 Prozent des Grundkapitals angekündigt, um den Kurs zu stützen.
Dem Aktienkurs hilft das zunächst nicht: Kontron notiert vorbörslich bei 19,42 Euro und damit mehr als sieben Prozent unter dem Vortagesschlusskurs.
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Häufige Fragen zum Thema
Was macht Kontron?
Kontron entwickelt Hardware, Software und Dienstleistungen für Anwendungen rund um das sogenannte Internet of Things (IoT). Die Kunden des Unternehemns kommen aus der für die Industrieautomation, Bahntechnik, Medizintechnik oder auch Energieversorgung. Bei den Anwendungen, die Kontron liefert, geht es immer darum, Maschinen oder auch ganze Fabriken miteinander zu vernetzen, so dass sie untereinander kommunizieren können, wodurch sich etwa Fertigungsprozesse optimieren lassen.
Wie sehen Analysten Kontron?
Bisher hatten sich Analysten durchweg positiv zur Kontron-Aktie geäußert. Vor dem Kurssturz in der vergangenen Woche votierten zehn von zehn Experten für "Kaufen". Die enttäuschenden Zahlen könnten das nun ändern.
Ist Kontron ein wichtiges Unternehmen?
Das Untermnehmen gilt als Weltmarktführer bei Industriesteuerungen. Mit einem Börsenwert von 1,2 Milliarden Euro gehört Kontron zu den kleineren Werten im TecDAX.