Die Situation innerhalb der Notenbank Fed wird zunehmend angespannter und bald könnte die Institution zum unberechenbaren Faktor für die Börse werden. Die Probleme wachsen.

Mit dem Zinsentscheid am Mittwochabend hat die Fed nach außen nicht viel bewegt. Die Leitzinsen wurden stabil gehalten. Doch unter der Oberfläche brodelt es extrem.

Fed extrem zerstritten

Konkret zeigte sich das Fed-Board so zerstritten wie seit 1992 nicht mehr. 4 Notenbanker stimmten gegen die Entscheidung, die Leitzinsen stabil zu halten.

Konkret haben die drei regionalen Notenbankpräsidenten Beth Hammack (Cleveland), Neel Kashkari (Minneapolis) und Lorie Logan (Dallas) gegen die Entscheidung votiert. Grund dafür ist vor allem der folgende Satz aus dem Statement der Fed, der Zinssenkungen impliziert: „Bei der Prüfung des Umfangs und des Zeitpunkts zusätzlicher Anpassungen der Zielspanne für den Leitzins wird der Ausschuss die eingehenden Daten, die sich entwickelnden Aussichten und die Risikoabwägung sorgfältig bewerten.“

Dagegen stimmte das von Donald Trump eingesetzte Fed-Mitglied Miran erneut für Zinssenkungen, was er bei jedem Meeting des Gremiums getan hat.

Experte Dario Perkins von TS Lombard schlussfolgerte aus diesen Ergebnissen, dass das Board dem kommenden Notenbankpräsidenten Kevin Warsh signalisiert, dass er keine Kontrolle über das Board hat.

Fraktion gegen Trump

Als wäre das nicht genug, hat der aktuelle Fed-Chef Powell angekündigt, mit dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender nicht seinen Job in der Notenbank aufzugeben. Durch seine Konflikte mit Trump ist er ein potenzieller Widersprecher gegen die Vorschläge des vom Weißen Haus eingesetzten Warsh.

Die zweite Person, die Warsh sabotieren könnte, ist Lisa Cook. Diese war von Trump mehrfach angegriffen und rechtswidrig entlassen worden (Entscheidung wurde rückgängig gemacht). Auch sie hat bereits gegen die Interessen des Präsidenten in früheren Abstimmungen votiert.

Warum die Notenbank unberechenbar werden könnte

Unter dem Strich formiert sich mit diesen zwei Mitgliedern und den drei regionalen Notenbankpräsidenten eine Fraktion, die den Interessen von Warsh und im Zweifel denen von Donald Trump im Weg stehen könnte, da das Fed-Gremium nur aus 12 Abstimmenden besteht.

Für die Märkte bedeutet das wachsende Unsicherheit und die zunehmende Politisierung von Notenbankentscheidungen. Fraglich ist außerdem, welche Art von Präsident Warsh am Ende werden und wie viel Einfluss aus dem Weißen Haus er mitbringen wird.

In diesen unberechenbaren Zeiten sollten Anleger also vielleicht besser auf sichere Anlagen setzen. Dazu lohnt sich ein Blick auf diesen Index von BÖRSE ONLINE.

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Häufig gestellte Fragen

Warum ist die Fed aktuell so zerstritten wie seit 1992 nicht mehr?

Gleich vier Mitglieder des Fed-Boards stimmten gegen die jüngste Zinsentscheidung, was auf tiefe interne Meinungsverschiedenheiten hindeutet. Drei regionale Notenbankpräsidenten lehnten die zinssenkungsfreundliche Formulierung im Statement ab, während das von Trump eingesetzte Mitglied Miran erneut aktiv für Zinssenkungen votierte – ein Konflikt, der die unterschiedlichen geldpolitischen Lager innerhalb der Notenbank offenlegt.

Welche Rolle spielt der künftige Fed-Chef Kevin Warsh für die Märkte?

Kevin Warsh gilt als Kandidat des Weißen Hauses und könnte die Geldpolitik stärker im Sinne der Trump-Administration ausrichten. Allerdings droht ihm interner Widerstand: Sowohl der scheidende Fed-Chef Powell, der seinen Sitz im Board behalten will, als auch das Mitglied Lisa Cook könnten als Gegenstimmen auftreten. Für die Märkte bedeutet das wachsende Unsicherheit darüber, in welche Richtung die US-Geldpolitik künftig steuert.

Was bedeutet die zunehmende Politisierung der Fed für Anleger?

Eine politisch beeinflusste Notenbank erhöht die Unberechenbarkeit von Zinsentscheidungen, was an den Märkten erfahrungsgemäß zu höherer Volatilität führt. Anleger sollten die Entwicklungen innerhalb des Fed-Boards genau beobachten und ihr Portfolio in diesem Umfeld breiter diversifizieren sowie stärker auf defensivere und stabilere Anlageklassen ausrichten.

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