BASF hat Ende April gleich doppelt für Aufmerksamkeit gesorgt. Am 30. April fand die Hauptversammlung statt, gleichzeitig legte der Konzern seine Zahlen für das erste Quartal vor. Was davon zu halten ist.

Für Anleger ist das eine wichtige Kombination: neue Geschäftszahlen treffen auf strategische Weichenstellungen – und liefern damit Hinweise, wie es mit der Aktie von BASF weitergehen könnte. Zugleich werden die bisherigen Aktionäre über eine üppige Dividendenzahlung am Unternehmensgewinn beteiligt.

Kursstärke trotz Dividendenabschlag

Ein erstes positives Signal zeigte sich bereits im Kursverlauf. Nach der Ausschüttung der Dividende von 2,25 Euro je Aktie kam es wie üblich zu einem Kursabschlag. Inzwischen wurde dieser Rückgang jedoch mehr als aufgeholt. Dass die Aktie den sogenannten Dividendenabschlag kompensieren konnte, wird von vielen Marktteilnehmern als Zeichen von Stärke gewertet. Es deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach den Papieren weiterhin solide ist.

Auch die Zahlen für das erste Quartal fielen besser aus als erwartet. Das operative Ergebnis (EBIT) lag bei rund 2,4 Milliarden Euro und damit über den Prognosen der Analysten. Besonders positiv entwickelte sich das Geschäft in China, wo die Erlöse deutlich zulegen konnten. Der asiatische Markt bleibt damit ein zentraler Wachstumstreiber für den Konzern. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass BASF weiterhin mit Gegenwind zu kämpfen hat. Währungseffekte belasteten das Ergebnis, und in vielen Geschäftsbereichen stehen die Preise unter Druck.

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BASF (WKN: BASF11)

Was die Perspektiven von BASF trübt

Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen: Die Chemiebranche leidet unter Überkapazitäten, schwacher Nachfrage und vergleichsweise hohen Energiekosten, insbesondere in Europa. Auch geopolitische Spannungen sorgen für Unsicherheit und könnten Lieferketten sowie Rohstoffpreise beeinflussen. BASF reagiert darauf unter anderem mit Preisanpassungen, die sich erst in den kommenden Quartalen stärker bemerkbar machen dürften.

Strategisch setzt das Unternehmen verstärkt auf Wachstum in Asien. Der Ausbau von Produktionskapazitäten in China zeigt, wohin die Reise geht. Gleichzeitig wird in Europa umgebaut und teilweise zurückgefahren. Für Anleger ist das ein zweischneidiges Signal: Einerseits erschließt BASF wichtige Zukunftsmärkte, andererseits entstehen Risiken durch geopolitische Abhängigkeiten.

Ein Blick auf die Einschätzungen der Analysten zeigt zudem ein ungewöhnlich breites Meinungsspektrum. Während einige Experten weiteres Kurspotenzial sehen und Kaufempfehlungen aussprechen, bleiben andere vorsichtig oder raten sogar zum Verkauf. Auf der Börsen-Website Tradingview werden derzeit insgesamt 23 Analystenurteile veröffentlicht: Starker Kauf (8), Kauf (2), Halten (8), Verkauf (2) und Starker Verkauf (3). Auch die Kursziele gehen deutlich auseinander und reichen von 36 bis 63 Euro (aktuell: 53,30 Euro). Diese Uneinigkeit spiegelt die aktuelle Lage wider: BASF befindet sich in einer Übergangsphase, deren Ausgang schwer vorherzusagen ist.

Was bedeutet das nun für Privatanleger? Einer der wichtigsten Kaufargumente bleibt die Dividende. Seit der Finanzkrise 2008 hat BASF jedes Jahr mehr als zwei Euro je Aktie ausgeschüttet. Diese Kontinuität macht die Aktie besonders für einkommensorientierte Investoren interessant. Wer davon ausgeht, dass der Konzern diese Politik auch künftig fortsetzen kann und gleichzeitig auf eine langfristige Erholung der Chemiebranche setzt, findet im aktuellen Kursniveau durchaus eine Einstiegschance.

Fazit: Unterm Strich bleibt die BASF-Aktie ein klassischer Zykliker mit Chancen und Risiken. Kurzfristig dürfte das Umfeld herausfordernd bleiben. Langfristig könnten jedoch die starke Marktstellung und die konsequente Ausrichtung auf Wachstumsregionen für eine positive Entwicklung sorgen.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BASF.