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Schwellenländer-Anleihen: Mehr Risiko wegen Corona - welche dennoch ein Kauf sind

Schwellenländer-Anleihen: Mehr Risiko wegen Corona - welche dennoch ein Kauf sind

WKN: DWS100 ISIN: DE000DWS1007 DWS Group GmbH & Co. KGaA

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1,02 EUR 3,12 %
12.08.2020 - 15:28
31.07.2020 10:30:21

Die Anlageklasse erfährt durch Corona höhere Risiken. Bonds von Ländern, deren Regierungen den Abschwung mit Augenmaß abfedern, sind jedoch ein Kauf. Von Jörg Billina, Euro am Sonntag

Die Pandemie hinterlässt in den Schwellenländern tiefe Narben und verunsichert die Investoren: Einer Prognose von S & P zufolge wird das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr (ohne China) im Schnitt um 4,7 Prozent zurückgehen. Produktionsausfälle, steigende Arbeitslosigkeit, höhere Verschuldungsraten und Bonitätsherabstufungen seien unvermeidbar, warnt die Ratingagentur.

Von der Anlageklasse "Emerging Market Debt" müssen sich Investoren dennoch nicht verabschieden. Es gilt jedoch zu differenzieren. Anleihen von Ländern, deren Regierungen und Notenbanken die Krise gut managen und die finanzielle Solidität nicht gefährden, diversifizieren und bereichern das Depot. Indonesien ist dafür ein gutes Beispiel - auch wenn sich dort die Rückkehr zur Normalität verzögert.

Eigentlich hatten die Behörden den über zehn Millionen Einwohnern Jakartas schon vergangenen Freitag Theater- und Kinobesuche in Aussicht gestellt. Die aber bleiben geschlossen. Nach ersten Lockerungen gehen in Indonesiens Hauptstadt die Fallzahlen wieder in die Höhe. Auch Surabaya, die zweitgrößte Stadt, sowie die Region West-Java melden steigende Corona-Infektionen. Inzwischen ist Indonesien das vom Virus am härtesten getroffene Land in Südostasien.

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Der wirtschaftliche Schaden wiegt schwer. Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr - wenn überhaupt - nur geringfügig zulegen. Vor Corona schien noch ein von Plus von fünf Prozent möglich. Nach massiven Mittelabflüssen - allein im März in Höhe von umgerechnet fast neun Milliarden Euro - kommen Investoren jedoch wieder zurück. Einen Zahlungsausfall müssen sie nicht fürchten. S & P hat zwar den Ausblick auf negativ gesenkt, die Investment-Grade-Note "BBB" - zwei Stufen über spekulativ - wurde jedoch bestätigt.

Indonesien verfügt über Währungsreserven in Höhe von 114 Milliarden Euro. Einer Studie des australischen Lowy Institute zufolge reicht dies, um im laufenden und im kommenden Jahr alle Auslandsverbindlichkeiten problemlos bedienen zu können. Indonesien ist mit nur 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet, das ist einer der niedrigsten Werte in Asien.

Das soll so bleiben. Die Regierung von Staatspräsident Joko Widodo hat daher ein Konjunkturpaket in Höhe von umgerechnet nur 43 Milliarden Euro geschnürt. Die Summe entspricht gerade mal vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Malaysia beispielsweise mobilisiert dagegen rund 20, Singapur rund zwölf Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung. Noch dazu versichert Indonesiens Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati, dass der mit den Maßnahmen einhergehende Anstieg der jährlichen Neuverschuldung auf über sechs Prozent nur vorübergehend sei. Schon im Jahr 2023 wolle man das Defizitziel von drei Prozent wieder einhalten.

Was den Anlegern zudem gefällt: Indonesiens Notenbank trägt aktiv zur wirtschaftlichen Erholung bei, sie übertreibt aber nicht. Nach vier Zinssenkungen in diesem Jahr auf aktuell vier Prozent legt sie einen Stopp ein, um den Außenwert der Rupie relativ stabil zu halten und die Inflationsrate nicht anzuheizen. Die lag im Juni bei lediglich 1,96 Prozent.

Zinssenkungen mit Folgen

Wesentlich höhere Preissteigerungen meldet dagegen Ankara. Die Teuerungsrate in der Türkei betrug im Juni 12,6 Prozent und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Nicht zuletzt auf Intervention von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die türkische Notenbank schon vor Corona begonnen, die Zinsen zu senken. In den vergangenen neun Monaten rutschten die Sätze von 24 auf aktuell 8,25 Prozent.

Die für dieses Jahr prognostizierte Rezession lässt sich dadurch nicht verhindern. Um bis zu fünf Prozent wird die Wirtschaft voraussichtlich schrumpfen. Setzt die Notenbank ihre Politik fort, droht die Lira gegenüber Dollar und Euro erneut an Wert zu verlieren. Seit Jahresanfang schwächte sich die türkische Lira gegenüber dem Greenback um rund 13 Prozent ab. Dadurch erhöht sich der Schuldendienst des Staates und privater Unternehmen, die Anleihen in den beiden Währungen aufgelegt haben.

Im Mai bestätigte S & P die Bonitätsnote für Bonds in Hartwährung mit "B+", Zinspapiere in lokaler Währung stuft S & P mit "BB-" ein. Auch wenn türkische Staatsanleihen sowohl in Hart- als auch in lokaler Währung attraktiv verzinst sind: Angesichts sinkender Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft, einem hohen Haushaltsdefizit von rund acht Prozent und schrumpfender Währungsreserven steigen hier nur sehr nervenstarke Investoren ein.

Starke Erholung im nächsten Jahr

Staatsanleihen aus dem Reich der Mitte gelten als weit weniger riskant. Ende Juni bestätigte S & P die Bonitätseinstufung "A+" mit positivem Ausblick. Trotz des wohl anhaltenden Handelskrieges mit den USA werde China weiterhin im Vergleich zu anderen Ländern höhere Wachstumsraten erzielen. Im kommenden Jahr traut S & P der zweitgrößten Volkswirtschaft ein Plus von über sieben Prozent zu. Zudem werde China in den nächsten Jahren die Steuerbasis verbreitern.

Die einmal mehr demonstrierte Widerstandsfähigkeit gegen globale Wirtschaftskrisen wiederum motiviert Zentralbanken rund um den Globus, Chinas Währung in ihre Devisenbestände aufzunehmen. Auch für Privatanleger werden der Renminbi beziehungsweise lokale Währungsanleihen langfristig interessant. Chinesische Staatspapiere notieren im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen oder US-Treasuries deutlich höher. Unterstützung erfahren Renminbi-Papiere auch durch die zunehmende Aufnahme in globale Schwellenländer-Rentenindizes. Nicht nur ETFs (Exchange Traded Funds) tragen der höheren Gewichtung Rechnung, auch aktiv gemanagte Fonds erhöhen ihre Positionen.
 


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In harter Währung

Der bereits 1996 aufgelegte Fonds investiert in Anleihen, die von den Schwellenländern in Dollar oder Euro aufgelegt werden. Zinspapiere aus Indonesien sind mit 4,6 Prozent aktuell am höchsten gewichtet. Im Portfolio finden sich auch Anleihen, die die Elfenbeinküste und Kolumbien emittiert haben. Auf Sicht von zehn Jahren legte der Fonds um 64 Prozent zu. Nach Verlusten im ersten Quartal des Jahres hat sich das Portfolio wieder erholt. In den vergangenen drei Monaten schaffte der Fonds sechs Prozent.

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Unternehmen und Länder

Manager Roland Gabert investiert sowohl in Unternehmens- als auch in Staatsanleihen aus den Schwellenländern. Um das Zinsänderungsrisiko zu senken, weisen die Papiere eine Laufzeit von maximal fünf Jahren auf. Mit rund zehn Prozent sind indonesische Anleihen prominent vertreten. Bonds aus der Türkei sind mit etwa sechs Prozent gewichtet. Mindestens 90 Prozent des Fondsvermögens lauten auf Euro. In den vergangenen drei Monaten legte der Fonds um vier Prozent zu.

ishares EM Asia Local GOV. B.

Won, Rupie und Renminbi

Im Vergleich zu Lateinamerika sind Asiens Volkswirtschaften von der Corona-Krise weniger betroffen. Mit dem Exchange Traded Fund partizipieren Investoren an der Entwicklung koreanischer, indonesischer und thailändischer Staatsanleihen in lokaler Währung. Rund 20 Prozent der Mittel stecken in chinesischen Renminbi-Anleihen. Der Fonds hat zuletzt verloren, für Investoren mit langem Anlagehorizont ist dies jedoch eine gute Gelegenheit zum Einstieg.


Bildquelle: Pavlen/Istockphoto

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