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Gewalt statt Demokratie: Der harte Kurs Chinas in Hongkong hat Folgen für die Währung

Gewalt statt Demokratie: Der harte Kurs Chinas in Hongkong hat Folgen für die Währung
18.07.2020 16:30:43

Die politische Okkupation der Stadt durch China dürfte deren Bedeutung als Finanzplatz schmälern. Das hat wohl auch Folgen für die Währung. Von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Brutal geht China gegen Demonstranten in Hongkong vor. Nach Einführung des neuen Sicherheitsgesetzes wird jeder Protestierende sofort verhaftet. Einheimischen und Ausländern droht im Extremfall eine lebenslange Haftstrafe, wenn sie die nationale Sicherheit bedrohen - was ein dehnbarer Begriff ist.

Die Regierung in Peking hat entschieden, dass politische Dominanz wichtiger ist als wirtschaftlicher Schaden, der Hongkong durch die rigiden Maßnahmen entsteht. Der könnte enorm sein. Denn die Position als Finanzzentrum beruht in hohem Maße auf der nun bedrohten weitgehenden Autonomie der Stadt und den fehlenden Kapitalkontrollen. Hongkong fungiert als Brückenkopf für internationales Kapital, vor allem US-Dollar, die das Reich der Mitte dringend benötigt, um international Firmen und Rohstoffe zu erwerben oder seine Infrastrukturprojekte zu finanzieren.

"Wer dort investiert, hat bisher keine Angst, sein Geld wieder zu erhalten. Das sieht in Shenzhen und Shanghai, den beiden wichtigsten Finanzzentren in Festland-China, ganz anders aus", sagt Max Zenglein, Volkswirt beim Mercator Institut für Chinastudien. Diese beiden Städte seien noch nicht in der Lage, Hongkong zu ersetzen, da es dort mit dem chinesischen Renminbi keine frei konvertierbare Währung und zudem strikte Kapitalkontrollen gebe. Zudem fehle ein unabhängiges Justizsystem wie in Hongkong, was Anleger abschreckt.

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Unattraktiv für Fachkräfte

Eine Gefahr für die frühere Kronkolonie entsteht auch, weil es schwer werden könnte, hochqualifizierte Mitarbeiter anzuwerben. "Ob viele ausländische High Potentials aus der Finanzindustrie mit ihren Familien künftig dorthin übersiedeln, ist zweifelhaft", meint Zenglein. Jene, die schon vor Ort sind, umwirbt Großbritanniens Premier Boris Johnson, der bis zu 2,5 Millionen britische Zweitpässe ausstellen will. Sicher wird nur ein Teil umziehen. "Trotzdem würde es China sehr schmerzen, wenn viele Fachkräfte mit den Füßen abstimmen und Hongkong verlassen", sagt Sebastian Heilmann, Professor für Sinologie an der Uni Trier. Kein Wunder, dass Chinas Führung auf die Offerte wütend reagierte. Ob sie das in großem Rahmen zulassen würde, ist fraglich.

Im Gegensatz zu Großbritannien hat die EU bisher zurückhaltend auf die Vorgänge in Hongkong reagiert. "Von dort sind nur schöne Worte des Protests zu erwarten", sagt Zenglein ironisch. Zu groß ist offenbar die Sorge, einen bedeutenden Handelspartner zu verprellen.

Ganz anders ist die Reaktion aus den USA. Der Senat verhängte Sanktionen gegen chinesische Beamte, die Hongkongs Autonomie bedrohen, und gegen Banken und Firmen, die mit ihnen handeln. Zudem soll die Megacity ihre Handels- und Zollprivilegien verlieren.

Hongkong ist noch nicht K. o.


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Nicht alle Experten sehen schwarz für Hongkong. "Vielen Konzernlenkern dort ist das Sicherheitsgesetz egal. Sie hoffen vor allem, dass in der Stadt wieder Ordnung einkehrt und sie in Ruhe ihren Geschäften nachgehen können", meint Gerhard Heinrich, Schwellenländerprofi beim Informationsdienst Emerging Markets Trader. "Die Stadt wirkt angezählt, ist aber noch nicht K. o. Sie wird ein wichtiges Finanzzentrum bleiben. Ihre Bedeutung, sowohl relativ zu Chinas Wirtschaftszentren als auch zu Singapur, nimmt aber vermutlich langsam ab", erwartet Heinrich.

Das war schon bisher so. 1997 machte Hongkong noch 20 Prozent des BIPs von China aus, heute nur noch drei. Die Chance, dass Chinas Führungsspitze mit ihrem harten Vorgehen Erfolg hat, ist also groß. Globale Firmen werden wohl auch künftig nicht darauf verzichten, mit dem Wirtschaftsriesen Geschäfte zu machen. Hongkong war bisher ein komfortabler Zugang zu Chinas Markt. Der dürfte künftig verschlungener werden, aber wegen der lukrativen erzielbaren Umsätze werden viele ausländische Unternehmen den Aufwand trotzdem nicht scheuen.

Währungsbindung bedroht

Wegen der abnehmenden Bedeutung Hongkongs könnte mittelfristig auch das enge Währungsband bei rund 7,80 Hongkong-Dollar (HKD) je US-Dollar, in dem die Zentralbank der Ex-Kronkolonie den HKD hält, aufgeweicht werden. Berater von US-Präsident Donald Trump wollen zudem, dass die Währungsbindung untergraben wird. Mit dem Turbo-Long-Zertifikat von Morgan Stanley (ISIN: DE 000 MF7 8WG 6) können Anleger mit Hebel 6,6 auf einen schwächeren HKD zum US-Dollar setzen.

Kurzfristig ist dagegen Hongkongs Leitindex Hang Seng attraktiv. Der profitiert davon, dass wegen verschärfter Transparenzvorschriften in den USA viele dort gelistete chinesische Firmen ihre US-Börsennotiz aufgeben und sich in Hongkong listen lassen. Der Hang Seng hat zuletzt bereits kräftig angezogen. Dieser Trend könnte sich vorerst fortsetzen. Mit dem Turbo-Long-Zertifikat (ISIN: DE 000 CJ8 TP0 4) der Société Générale auf den Hang Seng partizipieren Anleger mit Hebel 2,7 daran.


Bildquelle: Premium Collection/stock.adobe.com

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