Offene Immobilienfonds haben bewegte Zeiten hinter sich. Im Zuge der Finanzkrise gaben Investoren massenweise Anteile zurück. Immobilien lassen sich aber nicht sofort veräußern. Etliche Fonds mussten deshalb abgewickelt werden. Mittlerweile hat der Gesetzgeber die Anlageklasse schockresistenter gemacht. Seit Juli 2013 gilt: Wer einsteigt, muss mindestens 24 Monate investiert bleiben. Wer wieder aussteigen will, muss dies zwölf Monate vorher ankündigen. Das schützt die Gesellschaften vor unvorhergesehenen Anlegerreaktionen und erleichtert ihnen die Liquiditätssteuerung und das Immobilienmanagement.

Zu den ersten Offenen Immobilienfonds der neuen Generation zählt der 2013 von der Frankfurter Gesellschaft KanAm Grund aufgelegte Leading Cities Invest. Der 45 Millionen Euro schwere Fonds befindet sich noch in der Aufbauphase. Das Portfolio besteht derzeit aus insgesamt acht Immobilien, die sich in Hamburg, Paris und Brüssel befinden. Ziel des Managements ist es, rund ein bis zwei Milliarden Euro sowohl nach Nutzungsart als auch geografisch breit gestreut zu investieren. "Wir verzichten derzeit bewusst auf den Kauf großer Immobilien, da diese schon sehr teuer sind", sagt Michael Birnbaum von KanAm Grund.

Stattdessen konzentriert sich der Fonds auf kleinere Liegenschaften. So hat er für 13,5 Millionen Euro in einem Gebäude im Pariser Trendviertel Bastille fünf Boutiquen mit einer Gesamtnutzungsfläche von 1174 Quadratmetern erworben. Zu den Mietern zählen unter anderem der schwedische Konzern H & M sowie der französische Luxusschuhproduzent Repetto. Hauptmieter des Gebäudes an der Ecke Jungfernstieg / Gänsemarkt in Hamburg wiederum ist der Telekommunikationsdienstleister Telefónica Deutschland. Und das Gebäude im Quartier Léopold von Brüssel ist an die Hotelgruppe Accor vermietet.

Starke Städte, starke Standorte



Die Auswahl der Städte und der Gebäude erfolgt nach einem eigens von KanAm entwickelten Scoring-Modell, das derzeit sowie künftig relevante Wirtschafts- und Sozialdaten berücksichtigt. Paris etwa punktet mit seinem hohen Anteil an internationalen Einzelhändlern. Zugleich ist die Stadt an der Seine ein Touristenmagnet. Wegen seiner großen politischen Bedeutung für Europa und die Welt gilt auch Brüssel als starker Standort.

Zu den "Leading Cities" zählt auch Amsterdam, das Scoring-Modell beurteilt die Stadt mit "hervorragend". Um ein Objekt im Hafenviertel Minervahaven zu erwerben, hat KanAm Grund derzeit den Fonds für Anleger geöffnet. Sind die notwendigen Mittel eingegangen, wird der Verkauf von Anteilen wieder gestoppt. Der Vorteil: Das Management steht so nicht unter Anlagedruck, die Rendite wird auch nicht durch ungenutzte Liquidität geschmälert. Bislang haben sich Cash-Call und Cash-Stop bezahlt gemacht. Seit 1. Januar 2014 bringt es der Fonds auf ein Plus von 5,2 Prozent, für das Geschäftsjahr 2014 wurden 1,15 Euro ausgeschüttet.