Die Friedenshoffnungen, die am Freitag die Kurse an den Börsen geradezu explodieren ließen, erfüllen sich nicht. Nach neuen Zwischenfällen in der Straße von Hormus steigt der Ölpreis wieder – und setzen die Kurse am Aktienmarkt unter Druck.
Die Hoffnungen auf einen baldigen Frieden im Iran-Krieg sind am Wochenende zerplatzt: Nachdem iranische Revolutionsgarden die Straße von Hormus in der Nacht zum Samstag wieder griffen sie offenbar mindestens zwei Frachtschiffe an. Am Sonntagabend meldeten die USA, man habe einen iranischen Frachter beschossen und beschlagnahmt. Wie das US-Regionalkommando „Centcom“ mitteilte, war das Schiff auf dem Weg in die iranische Küstenstadt Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Irans Militär warf den USA „bewaffnete Seepiraterie“ vor und kündigte eine Reaktion an.
Am Sonntagabend sagte der Iran dann weitere Friedengespräche in Islamabad ab, die für Montag geplant waren. Zur Begründung hieß es, übertriebene Forderungen der USA, deren ständige Kurswechsel und die fortgesetzte Seeblockade iranischer Häfen böten „keine aussichtsreiche Perspektive für seriöse Verhandlungen“. Außerdem seien die Berichte über eine zweite Verhandlungsrunde in Pakistan kommende Woche Teil einer amerikanischen Medienkampagne, um mit Schuldzuweisungen noch mehr Druck auf Teheran auszuüben.
Iran sagt weitere Gespräche ab
-Präsident Donald Trump hatte zuvor angekündigt, dass eine Delegation für Verhandlungen in die pakistanische Hauptstadt Islamabad reist. Seine Vertreter würden dort am Montagabend sein, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social – ohne Angaben zur Zeitzone zu machen. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus dem Weißen Haus, dass Vizepräsident JD Vance, der Sondergesandte Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner nach Islamabad reisen.
Auch die iranische Nachrichtenagentur Tasnim hatte unter Berufung auf eine informierte Quelle gemeldet, solange die US-Marine weiter an ihrer Seeblockade vor der Straße von Hormus festhalte, werde es keine Verhandlungen geben. In den vergangenen Tagen seien jedoch unter Vermittlung des Nachbarlands Pakistan Nachrichten ausgetauscht worden.
Ölpreis steigt, US-Furures fallen
Vor dem Hintergrund der neuen Spannungen kostet Rohöl wieder deutlich mehr. Die Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni ging mit einem Kurs von knapp 97 US-Dollar in die Handelswoche und war damit über sieben Prozent teurer als noch am Freitag. Zuletzt notierte der Brent-Preis mit 5,57 Prozent im Plus bei 95,41 US-Dollar. Auch die US-Sorte WTI legte ähnlich stark zu. Zu Beginn des Krieges Ende Februar lag der Preis für Brent noch bei unter 70 Dollar.
Die Börsen in Asien holten am Montag noch Teile des Kursaufschwungs vom Freitagnachmittag deutscher Zeit nach – wenn auch nicht in vollem Umfang. Der Nikkei in Tokio gewann 0,78 Prozent, der Hang Seng Index in Hongkong kam 0,83 Prozent voran und der Kospi in Südkorea gewann 1,02 Prozent. Unterdessen fielen die Futures auf den US-Aktienindex S&P 500 am Morgen um 0,5 Prozent.
Waffenruge läuft am Mittwoch aus
Die erneute Eskalation am Golf kommt wenige Tage vor dem Ablauf der vereinbarten Waffenruhe. Sie endet in der Nacht zu Mittwoch (MESZ). Am Montag meldete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim Drohnenangriffe des Iran auf „einige US-amerikanische Militärschiffe“ als Reaktion auf den Angriff der USA auf das Containerschiff „Touska“. Um welche US-Militärschiffe es sich handeln soll, ist nicht bekannt.
„WSJ“-Bericht: Trump soll Berater "stundenlang" angeschrien haben
Unterdessen besorgt auch ein Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) die Anleger. Die Wirtschaftszeitung berichtet unter Berufung auf Quellen im Umfeld des US-Präsidenten, seine Berater hätten ihn Anfang April bewusst von einer Krisensitzung ferngehalten, in der die Rettung zweier abgeschossener US-Piloten aus dem Iran verfolgt und koordiniert wurde. Trump habe seine Berater zuvor „stundenlang angeschrien“. Seine Ungeduld sei nicht hilfreich gewesen, berichteten die Quellen dem WSJ. Auch wenn sich der Bericht nicht verifizieren lässt, stärkt er die Befürchtungen vieler Börsianer, der US-Präsident könne in der Krise den Kopf verlieren und sich zu unüberlegten Handlungen hinreißen lassen, die den Krieg weiter verschärfen.
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Enthält Material von dpa-AFX