Vor Beginn der Rally Anfang 2025 waren Fonds und ETFs für Rohstoff-Aktien fast in Vergessenheit geraten. Das hat sich geändert. Wir haben drei Ideen für Sie zusammengestellt.

Dass es Spannungen um Länder wie Venezuela oder um Grönland gibt, kommt nicht von ­ungefähr: Beide Regionen sind reich an strategisch wichtigen Rohstoffen und Energiequellen. Kein Wunder, dass sich die USA Zugang zu diesen Ressourcen verschaffen wollen, schließlich hat der Rivale China seit vielen Jahren vorgemacht, wie man sich gezielt Rohstoffvorkommen sichert, etwa auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Wirtschaft der Zukunft steht und fällt mit der Verfügbarkeit von Rohstoffen. Ob Lithium für Batterien, Kupfer für Stromnetze oder Platin für Katalysatoren: Ohne diese Grundstoffe ist Fortschritt kaum denkbar. Der Bedarf ist also hoch und tendenziell steigend. Und dennoch wurden Investitionen in neue Rohstoffprojekte in den zurückliegenden Jahren vernachlässigt. Parallel dazu ist auch die Anlageklasse Rohstoffe weitgehend aus dem Fokus geraten. Seit 2012 ist der Marktanteil von Rohstoff-ETFs am Gesamtmarkt von zwölf auf drei Prozent ­gefallen. Und das, obwohl diese „Sachwerte“ angesichts steigender Staatsschulden immer wichtiger werden. „Die klassische Vermögensaufteilung allein — sechzig Prozent Aktien, vierzig Prozent Anleihen — macht keinen Sinn mehr“, so Börsen-Altmeister Peter E. Huber in seinem neuesten Börsenausblick. Vielmehr sollte ein Depot um das Element Rohstoffe und Metalle ­ergänzt werden.

Ein Rohstoff-ETF kann vor diesem Hintergrund ein Baustein sein, um ein Portfolio gegen Kaufkraftverluste und politisch-wirtschaftliche Verwerfungen abzusichern. Zumal auch klassische Einzelinvestments in einen Weltaktien-ETF in Sachen Rohstoffe kaum etwas zu bieten haben. Gerade einmal 2,7 Prozent der Gewichtung entfallen etwa beim beliebten MSCI World-Index auf den Bereich Materials, zu dem Bergbau- und Rohstoffunternehmen zählen. Das ist zu wenig, eine Ergänzung muss her. Das geht mit ETCs, die direkt in Rohstoffe investieren (siehe die beiden vorangegangenen Seiten) oder über ETFs, die in Bergbauunternehmen investieren.

VanEck-ETF
BHP
Im VanEck-ETF enthalten: BHP Group, der weltgrößte Kupferproduzent.

Global denken, lokal handeln

Und um Letztere geht es hier: Von den 36 an deutschen Handelsplätzen gelisteten ETFs in diesem Bereich fällt auf, dass sich die vier größten je auf ein Metall spezialisiert haben: Zwei fokussieren sich auf Goldproduzenten, der drittgrößte auf Silberproduzenten. Und Nummer 4 setzt auf „Junior Gold Miners“, kleinere Förderunternehmen, die meist noch nicht profitabel sind, aber über hohes Entwicklungspotenzial und Explorationsreserven verfügen. Sie gelten als risikoreicher, können aber im Zuge von Goldpreis-Rallys überdurchschnittlich stark steigen.

VanEck-Chart
BO Data/small charts
Der Globale: Der VanEck-ETF ist mit aktuell 152 Aktien sehr breit gestreut, legt dabei weltweit an, in das ganze bunte Spektrum (größerer) Minenunternehmen.
iShares-Chart
BO Data/small charts
Der Europäer: Der ETF von iShares begnügt sich mit Firmen, deren Heimatbörse auf dem alten Kontinent zu finden ist. Einer der Schwerpunkte liegt dabei auf London.
Metals & Rare Earth - Chart
BO Data/small charts
Der Spezialist: Der WisdomTree-ETF setzt auf Firmen, die für die Exploration von ­Rohstoffen für erneuerbare Energiequellen unerlässlich sind – Lithium beispielsweise.

Besser als Basisanlage sind aber ETFs, die den ganzen Bereich der Exploration abdecken. Wir haben dafür drei mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften herausgesucht. Angefangen beim „Globalisten-ETF“, dem VanEck S & P Global Mining, dem fünftgrößten ETF nach den vier vorangegangenen Spezialisten. Er verwaltet rund 1,4 Milliarden Euro und investiert in insgesamt 152 Aktien mit Fokus auf Metall- und Mineralgewinnung. Schaut man auf die größten Positionen im ETF, fallen sofort bekannte Namen auf: Ganz vorn die BHP Group mit knapp acht Prozent Anteil, gefolgt von Newmont mit rund sechs Prozent und Anglo American mit etwa fünf Prozent. Insgesamt ist der ETF jedoch sehr breit gestreut, was sich neben der großen Anzahl an Titeln auch an der Ländergewichtung zeigt: Kanadische Aktien stehen mit 27 Prozent an der Spitze, gefolgt von Australien mit 18 Prozent und den USA mit 15 Prozent. Die Performance kann sich sehen lassen. Vor allem im vergangenen Kalenderjahr legte der Fonds kräftig zu. Wer mit nur einem ETF den Bereich Rohstoffe im eigenen Depot abdecken möchte, fährt mit diesem Produkt sehr gut — dank der globalen Ausrichtung, der breiten Streuung über viele Unternehmen und Länder sowie der insgesamt guten Währungsdiversifikation.

Ein Europäer und ein Spezialist

Wem das Währungsrisiko aufgrund der globalen Unsicherheiten und der Verschuldungslage vieler Nationen dennoch zu hoch erscheint, dem sei zu ­einem ETF geraten, der ausschließlich in europäische Unternehmen investiert: etwa der iShares STOXX Europe 600 Basic Resources. Allerdings schränkt man sich hier ein. Denn gemessen am weltweiten Erzbergbau liegt der Anteil Europas an der Weltproduktion aktuell nur noch bei etwa drei Prozent. Dazu kommt, dass man das Währungsrisiko mit einem europäischen ETF lediglich begrenzen kann, weil etliche der Unternehmen aus Großbritannien stammen. Wer als Euro-Anleger investiert, braucht daher auch Vertrauen in die britische Währung, um ruhig schlafen zu können. Ein weiterer Kompromiss bei dieser ETF-Lösung ist die etwas breiter gefasste Definition von Rohstoffen: So finden sich im ETF größere Anteile von Unternehmen wie UPM Kymmene aus Finnland — ein Player aus dem Bereich Holz und Papier mit rund fünf Prozent Anteil — sowie ­ArcelorMittal aus dem Stahlbereich mit etwa sechs Prozent. Diese „Aufweichung“ hat letztlich auch dazu geführt, dass der ETF in Sachen Performance nicht ganz mithalten konnte.

Die dritte ETF-Idee ist der WisdomTree Strategic Metals and Rare Earth Miners. Hier konzentriert man sich auf Unternehmen, die im Bereich der seltenen Erden und strategischen Metalle aktiv sind — insgesamt 72 Unternehmen sind aktuell im ETF enthalten. Etwa Sigma Lithium mit ­einem Anteil von 6,1 Prozent als größtes Unternehmen oder auch Lynas Rare Earths (siehe auch Seite 14 ff.) mit 3,4 Prozent. Der Fonds erzielte im vergangenen Jahr die beste Performance der drei Favoriten, schwankte aber auch deutlicher.

So gab es zwei Monate mit deutlichen Rückgängen von 8,5 beziehungsweise 9,4 Prozent. Dafür ist der ETF fulminant ins neue Jahr gestartet (siehe Tabelle). So oder so: Wer sich hier engagiert, muss mit mehr Volatilität leben können und auch akzeptieren, dass zwanzig Prozent der enthaltenen Aktien in China gelistet sind, was das Länderrisiko beeinflusst.

Final Thought: Warum nicht einfach diese drei ETFs je nach Risikoneigung miteinander kombinieren?

ETF-Tabelle
BO Data, Stand: 27.01.2026

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