Nach dem jüngsten Rekordlauf des Goldpreises hat sich das Kräfteverhältnis zwischen dem Edelmetall und Minenaktien ausa dem Sektor etwas verschoben. Überraschenderweise fiel bei Goldminen der jüngste Rückschlag weniger heftig aus als bei Gold selbst.
Während der Goldpreis sein im Januar markiertes Allzeithoch nun in der Spitze rund elf Prozent unterschritten hat, fiel der Rücksetzer bei Goldminen deutlich geringer aus. Der NYSE Arca Gold BUGS Index (HUI) musste am Donnerstag mit fünf Prozent ein geringeres Minus hinnehmen. Von der sonst häufig beobachteten Hebelwirkung nach unten war diesmal nichts zu sehen. Diese relative Stärke ist bemerkenswert. In früheren Korrekturphasen reagierten Goldminen meist deutlich empfindlicher als der Goldpreis selbst.
Der HUI – ein bedeutender Referenzindex
Der NYSE Arca Gold BUGS Index (Kürzel: HUI) zählt zu den bekanntesten Goldminenindizes weltweit und ist über mehrere ETFs mit physischer Replikation auch für Privatanleger investierbar (s. Chart). Er bildet große und mittelgroße Produzenten ab, die ihre zukünftige Goldförderung kaum oder gar nicht absichern. Diese fehlende Preisabsicherung – „unhedged“ – sorgt dafür, dass Veränderungen des Goldpreises besonders stark auf Umsatz, Gewinn und Bewertung der Unternehmen durchschlagen.
Gerade deshalb gelten Goldminen in der Finanzwelt traditionell als Hebel auf den Goldpreis. Steigt Gold, verbessern sich die Margen überproportional, da viele Kosten weitgehend fix sind. Schon moderate Preisbewegungen können deshalb erhebliche Gewinnsprünge auslösen. Umgekehrt wirken fallende Goldpreise normalerweise ebenso verstärkend – weshalb Goldminen in Abwärtsphasen oft stärker verlieren als das Edelmetall selbst.
Dass dieser negative Hebel aktuell ausbleibt, ist ein wichtiges Signal. Entweder trauen Investoren den Produzenten auch bei temporären Rücksetzern stabile Erträge zu, oder sie stufen die aktuelle Goldpreisschwäche als temporär ein – beides spräche für Goldminen.
HUI/Gold-Ratio attestiert Goldminen Nachholpotenzial
Ein bewährtes Instrument zur Einordnung des Goldminenmarktes ist das HUI/Gold-Ratio. Es setzt den Indexstand ins Verhältnis zum Goldpreis und zeigt, ob Minen im historischen Vergleich teuer oder günstig bewertet sind. Aktuell liegt diese Kennzahl bei lediglich 0,18 – ein ausgesprochen niedriges Niveau. In früheren Haussephasen erreichte das Ratio deutlich höhere Werte. Sowohl 2003 als auch 2006 lag es zeitweise über 0,6, was einen Goldminenbullenmarkt widerspiegelte.
Überträgt man diese historischen Relationen auf das heutige Umfeld, wird das Ausmaß des Nachholpotenzials sichtbar. Bei einem Goldpreis von 5000 Dollar würde ein Ratio von 0,6 einem HUI-Stand von rund .000 Punkten entsprechen. Selbst bei einem Rückgang des Goldpreises auf 4000 Dollar ergäbe sich noch immer ein rechnerischer Wert von 2400 Punkten. Aktuell notiert der HUI jedoch bei lediglich 893,7 Punkten – ein Niveau, das die Stärke des Goldpreises bislang nur unzureichend widerspiegelt.
Fazit: Die jüngste Marktphase zeigt ein ungewöhnliches Bild – Goldminen halten sich trotz einer spürbaren Goldkorrektur erstaunlich stabil. Diese relative Stärke, kombiniert mit einer historisch niedrigen Bewertung gemessen am Goldpreis, spricht für erhebliches langfristiges Aufholpotenzial. Sollte sich der übergeordnete Goldtrend fortsetzen, könnten Goldminen erneut überproportional profitieren – allerdings aus einer wesentlich günstigeren Ausgangslage als in früheren Edelmetallzyklen.
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