Der Dollar steht unter zunehmendem Druck weil mittlerweile selbst US-Investoren massiv in Gold umschichten. Steigende Renditen, politische Unsicherheit und di jüngsten Goldpreisrekorde senden ein deutliches Warnsignal.
Seit nunmehr vier Wochen tendieren der Dollar und US-Staatsanleihen bergab. Normalerweise gelten steigende Renditen als stabilisierender Faktor für eine Währung, doch aktuell kehrt sich dieser Zusammenhang um. Die Renditen zehnjähriger US-Bonds sind spürbar gestiegen, weil Investoren Anleihen verkaufen. Eines sollten Anleger dabei stets beachten: Je höher die Renditechance, desto höher das Risiko.
„Harte Worte“ von EZB-Chefin Lagarde
Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die folgende Wortmeldung aus Europa. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in ungewöhnlich deutlicher Form darauf hingewiesen, dass politische Eingriffe in die US-Institutionen sowie eine zunehmende wirtschaftspolitische Unberechenbarkeit das Vertrauen internationaler Investoren beschädigen könnten. In diesem Kontext brachte sie sogar potenzielle Verkäufe von US-Staatsanleihen durch europäische Akteure ins Spiel – ein bemerkenswerter Vorgang, galt der US-Anleihemarkt doch über Jahrzehnte als nahezu unantastbarer globaler Sicherheitsanker.
Während Dollar und Anleihen unter Druck standen markierte der Goldpreis trotz steigender US-Zinsen neue Rekordhochs. Diese Kombination ist historisch selten und deutet darauf hin, dass Anleger nicht mehr nur Inflations- oder Zinserwartungen bewerten, sondern zunehmend systemische Risiken einpreisen.
US-Anleger flüchten zunehmend in Gold
Besonders brisant ist, dass der Vertrauensverlust inzwischen nicht mehr nur aus dem Ausland kommt. Auch innerhalb der USA mehren sich klare Anzeichen einer Kapitalumschichtung. Daten des World Gold Council zeigen, dass nordamerikanische Gold-ETFs in den vergangenen beiden Wochen massive Zuflüsse verzeichneten. Im Durchschnitt flossen dabei rund 18,4 Tonnen Gold pro Woche in entsprechende Produkte. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr würde ein Fortschreiben dieses Tempos Goldzuflüsse von mehr als 956 Tonnen bedeuten – ein Wert, der einem Allzeithoch gleichkäme. Damit würde selbst das Krisenjahr 2020 (plus 892,5 Tonnen) deutlich übertroffen. Solche Bewegungen sind mehr als kurzfristige Spekulation. Sie spiegeln ein wachsendes Bedürfnis nach Vermögensschutz wider – ausgerechnet bei Investoren, die bislang zu den tragenden Säulen des Dollar-Systems gehörten.
Gold übernimmt in diesem Umfeld zunehmend wieder seine klassische Funktion als monetärer Anker. Anders als Staatsanleihen ist es nicht von politischer Stabilität, fiskalischer Disziplin oder institutionellem Vertrauen abhängig. Gerade in Phasen, in denen Zweifel an der langfristigen Werthaltigkeit von Papierwährungen wachsen, gewinnt dieser Aspekt erheblich an Bedeutung.
Steigende Renditen sind ein Warnsignal
Der aktuelle Renditeanstieg in den USA stellt daher ein Warnsignal dar. Steigende Zinsen infolge sinkender Nachfrage nach US-Staatsanleihen erhöhen die Finanzierungskosten des hochverschuldeten US-Staates und können langfristig eine gefährliche Schuldendynamik auslösen.
Sollte nach China, Russland und zahlreichen Schwellenländern künftig auch Europa beginnen, seine Abhängigkeit vom Dollar systematisch zu reduzieren, stünde das globale Finanzsystem vor einer erheblichen Belastungsprobe. Der Dollar als zentrale Reservewährung lebt vom Vertrauen – und Vertrauen lässt sich nicht erzwingen.
Fazit: In einem solchen Umfeld dürfte Gold weiter an Attraktivität gewinnen. Nicht als spekulatives Asset, sondern als Absicherung gegen politische Risiken, wachsende Verschuldung und ein zunehmend fragmentiertes Währungssystem. Die aktuellen Kapitalströme deuten darauf hin, dass immer mehr Investoren – nun auch in den USA selbst – genau diese Entwicklung erkennen.
Lesen Sie auch:
Dollarschwäche? Für europäische Goldbesitzer ist das kein Problem!
Oder:
Unglaubliche Kursziele für Gold und Silber - so hoch sollen die Edelmetalle jetzt noch steigen
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.