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Umweltverschmutzung in Schwellenländern: Die richtigen Investments könnten die Wende bringen

Umweltverschmutzung in Schwellenländern: Die richtigen Investments könnten die Wende bringen

WKN: 723610 ISIN: DE0007236101 Siemens AG

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23.10.2020 - 14:35
05.12.2019 11:30:00

Die Qualität von Luft und Wasser in Schwellenländern ist häufig besorgniserregend. Druck auf Regierungen und ökonomische Argumente könnten jetzt die Wende bringen. Von Julia Groß, Euro am Sonntag

Jedes Jahr legt sich zum November hin eine Smogwolke über den Norden Indiens. Saisonale Wetterbedingungen und die Staulage vor dem Himalaya begünstigen die hartnäckige Dunstglocke. Doch so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie. Tagelang zeigten Messstationen in und um Delhi Feinstaubwerte von 999 an. Als unbedenklich gelten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Werte unter 50, Berlin erreichte 2018 im Durchschnitt 11,7. Schulen in der indischen Hauptstadt blieben geschlossen, für Autos galten teilweise Fahrverbote.

Diese Woche bestellte Indiens oberster Gerichtshof Vertreter mehrerer Bundesstaaten ein. Richter Arun Mishra forderte sie mit harschen Worten zum Handeln auf, drohte sogar mit Kompensa­tionszahlungen an betroffene Bürger. "Die Welt lacht über uns. Die Regierung schafft es nicht, saubere Luft und sauberes Wasser für die Einwohner der Hauptstadt bereitzustellen. Warum sind Menschen gezwungen, in einer Gaskammer zu leben?", sagte Mishra an die Regierung gerichtet. Die hatte zwar schon 2018 versprochen, die Luftverschmutzung in den 100 am schlimm­s­ten betroffenen Städten binnen fünf Jahren zu halbieren. Passiert ist jedoch wenig. Das könnte sich jetzt ändern - und Investments in erneuerbare Energien und Umwelttechnologie langfristig zusätzlichen Rückenwind verleihen.

Firmen spüren Belastung


Denn der Unmut wächst, nicht nur bei der breiten Bevölkerung oder dem obersten Gericht, sondern auch in der Wirtschaft. "Alle Unternehmen, mit denen wir gesprochen haben, sind besorgt über potenzielle Produktivitätsverluste aufgrund der Luftverschmutzung, etwa durch Krankheit der Mitarbeiter", sagt Juan Salazar, Nachhaltigkeitsexperte beim Vermögensverwalter BMO, der gerade von einer Reise nach Indien zurückgekehrt ist.

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Die Lebenserwartung in den besonders betroffenen Regionen im Norden des Landes - Heimat von 40 Prozent der Bevölkerung - verkürzt sich aufgrund der belasteten Luft um bis zu zwölf Jahre. Bereits 2013 bezifferte die Weltbank die immaterielle Belastung durch Luftverschmutzung in Indien aufgrund von Arbeitsausfall, Krankheitskosten und weiteren Faktoren auf 650 Milliarden Dollar. Für Firmen wird es zunehmend schwieriger, qualifiziertes Personal in die Region um Delhi zu locken oder dort zu halten.

China als Vorreiter


Tatsächlich ist es ein recht typisches Phänomen, dass in Ländern mit stei­gendem Wohlstand und zunehmender Industrialisierung die Sterberate aufgrund von Luftverschmutzung zunächst steigt, bevor sie wieder fällt. Einen Höhepunkt machen Wissenschaftler bei einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Bereich von 5.000 bis 15.000 Dollar (kaufkraftbereinigt) aus. Indien ist gerade in diesen Bereich gekommen.

China war vor Jahren in einer ganz ähnlichen Situation. Seit 2013 steuert die Regierung in Peking jedoch entschlossen gegen. Zwar ist das Reich der Mitte von westlichen Standards immer noch ein gutes Stück entfernt, doch hat sich die Lage deutlich verbessert. Unter den 20 Städten mit der schlimmsten Luftverschmutzung sind nur noch zwei chinesische, aber 15 aus Indien.

Sicher sind solche Veränderungen in einem zentralistischen Einheitsstaat leichter zu bewältigen als in Ländern, wo Oppositionsparteien existieren und regionale Verwaltungen mehr Handlungsspielraum besitzen. Doch neben dem wachsenden Druck aus Bevölkerung und Wirtschaft spricht noch ein weiterer Faktor für eine Wende hin zu sauberen Technologien: der Preis. "Die Kosten für Solarstrom in Indien sind in den vergangenen Jahren signifikant gefallen. Solarenergie ist jetzt billiger als Energie, die aus Kohle gewonnen wird", sagt Juan Salazar.

Tatsächlich kann seit dem vergangenen Jahr nirgendwo auf der Welt günstiger Solarenergie produziert werden als in Indien, ergab eine ­Erhebung der International Renewable Energy Agency (IRENA). Bereits 2017 bauten Schwellen- und Entwicklungsländer erstmals mehr Kapazitäten aus erneuerbaren Energien als aus fossilen Brennstoffen auf. Die installierte Leistung aus regenerativen Quellen übertraf dabei auch die von Industrieländern.

Zum Zug kommen dabei internationale Konzerne wie die Versorger Enel, Engie oder EDF, Netzwerkspezialisten wie Schneider Electric oder Quanta Services. Windkraftanlagenbauer wie Siemens Gamesa oder Vestas sind weltweit tätig, die Solarexpertise holen sich Schwellenländer zunächst gern aus China von Photovoltaik-Riesen wie Jinko. Doch inzwischen sind auch lokale Anbieter erfolgreich: Azure Power aus Delhi hat Solaranlagen in 24 von 29 indischen Bundesstaaten und wächst stark: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate steigerte das Unternehmen seine installierte Kapazität um fast 80 Prozent. Ein deutliches Bekenntnis der Regierung Modi zu erneuerbaren Energien und entsprechende Investitions­bereitschaft könnte der Branche Rückenwind verleihen, bevor sich die aktuelle konjunkturelle Verlangsamung in Indien auch hier bemerkbar macht.

Ähnlich gravierend wie die Belastung der Luft ist in den Schwellenländern die Wasserverschmutzung. Auch hier geht China bereits seit einiger Zeit mit gutem Beispiel voran: "Der Punkt Abwasserreinigung hatte in den letzten drei Fünfjahresplänen der chinesischen Regierung große Priorität", erklärt Dieter Küffer, Senior Portfolio Manager der RobecoSAM Sustainable Water Anlagestrategie. "Wir sehen da pro Jahr rund zehn Prozent Wachstum bei Investitionen in die Abwasserreinigung." Im aktuellen Plan sind 0,75 Prozent von Chinas Bruttoinlandsprodukt für die Wasserbehandlung vorgesehen, das entspricht rund 100 Milliarden Dollar.

Westliche Technologie


Die Basisversorgung mit Kläranlagen gewährleisten dabei in der Regel lokale Firmen wie der Mischkonzern Guangdong Investment aus Hongkong. Er stellt unter anderem Wasserversorgungs­infrastruktur in Hongkong, Shenzen und Dongguan bereit.

Wenn es um höhere Anforderungen geht, etwa bei Industrieabwässern, liefern überwiegend westliche Firmen die Technologie. Die amerikanische Xylem ist zum Beispiel einer der bekanntesten Hersteller von Abwasserreinigungssystemen. Kemira aus Finnland produziert Chemikalien, die unter anderem bei der Wasseraufbereitung in der Industrie zum Einsatz kommen. Die global steigenden Anforderungen an die Abwasserqualität werden ihnen auf Jahrzehnte hohe Nachfrage bescheren.

Investor-Info

iShares Global Clean Energy
Saubere Technologien


Der ETF bildet die Entwicklung der 30 größten Unternehmen weltweit ab, die im Sektor saubere Energie aktiv sind. Das umfasst sowohl Versorger als auch Technologiezulieferer. Geografisch verteilt sich das Portfolio zu rund 40 Prozent auf die USA, 15 Prozent auf China und 45 Prozent auf den Rest der Welt.

BMO Responsible Glob. EM Eq.
Nachhaltiges Wirtschaften


Lässt sich mit nachhaltig wirtschaftenden Firmen aus Schwellenländern wirklich Geld verdienen? Mit Konsum-, Finanz- und Technologieaktien überwiegend aus Asien zeigt der BMO-Fonds, dass dies funktioniert: Über die vergangenen drei und fünf Jahre lieferte er eine klar überdurchschnittliche Performance.

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