Goldman-Chef David Solomon wundert sich über die bislang „harmlose“ Börsenreaktion auf den Iran-Krieg. Er sieht gleich mehrere Faktoren, die den bereits wieder aufkeimenden Optimismus der Anleger noch zu Fall bringen könnten.
Die Börsen haben nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs gezuckt, aber nicht panisch reagiert. Das überrascht ausgerechnet einen Profi, der Krisen und Marktstress von Berufs wegen gewohnt sein sollte: Goldman-Sachs-Chef David Solomon. „Ich bin tatsächlich überrascht“, sagte Salomon am Mittwoch auf einem Wirtschaftsforum in Australien. „Angesichts des Ausmaßes dieser Entwicklung ist die Reaktion des Marktes meiner Meinung nach positiver ausgefallen, als man vielleicht denken würde.“ Er nannte die Reaktion der Finanzmärkte auf den Iran-Krieg „benign“ – also erstaunlich mild gemessen an der Größe des Ereignisses. Seine Botschaft an Anleger: Das Thema ist damit noch nicht vom Tisch. Im Gegenteil, die wirklich wichtigen Folgen könnten sich erst in den nächsten Wochen zeigen. „Wir wissen noch nicht, was uns allen bevorsteht.“
Markt unterschätzt die Bedeutung des Ereignisses
Solomon erwartet, dass die Märkte „ein paar Wochen“ brauchen werden, um die Bedeutung des Konflikts für Wirtschaft und Unternehmen einzuordnen. Der Goldman Sachs-Chef wählte in diesem Zusammenhang das Wort „Magnitude“, was auf Englisch eine deutlich größere Wirkung ausdrückt als die schlichte deutsche Übersetzung „Bedeutung“. Denn auf lange Sicht gehe es darum, was die Entwicklungen am Golf am Ende für Gewinnen, Kosten und Zinsen bedeuten. Das aber sei noch nicht in Gänze abzusehen, warnte Salomon.
Er denke, es werde „einige Wochen dauern, bis die Märkte die Auswirkungen der Ereignisse sowohl kurzfristig als auch mittelfristig wirklich verdaut haben“, sagte Salomon laut CNBC.
Untypische Kursreaktionen
Schon jetzt habe er einige eher untypische Reaktionen gesehen, sagte der Goldman-Chef – nicht nur beim Goldpreis. „Die Renditen für US-Staatsanleihen seien gestiegen, was dem typischen Muster für sichere Anlagen widerspreche. Normalerweise seien Anleger bei geopolitischen Konflikten in Anleihen geströmt, wodurch deren Preise steigen und die Renditen sinken. Diesmal sei es umgekehrt, weil Anleger befürchten, dass höhere Energiepreise die Inflation anheizen und die Zinsen länger auf einem hohen Niveau halten könnten.
„Wird dies zu einer länger anhaltenden Entwicklung? Wird es sich auf die Energieversorgungsketten auswirken?“, fraget Salomon. Oder gebe es womöglich noch andere Faktoren, die die Stimmung der Verbraucher ihr Verhalten in verschiedenen Teilen der Welt beeinflussen? „Das sind die Dinge, die man meiner Meinung nach im Auge behalten muss.“
„Haben noch nicht genügend Informationen“
Derzeit gebe es aber noch nicht genügend Informationen oder Daten, um sich ein klares Bild zu machen. „Das Einzige, was bei solchen Ereignissen mit Sicherheit passiert, ist, dass die Menschen eine höhere Risikoprämie für alle Arten von Risikoanlagen verlangen, in die sie investiert haben“, schloss der Salomon. „Und daher beginnen sie, die Preise am Rand neu zu bewerten. Und genau das beobachten wir derzeit.“
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