KLAUS BUHL

Trotz Nahostkonflikt: Die großen Anleger bleiben überraschend gelassen

Trotz Nahostkonflikt: Die großen Anleger bleiben überraschend gelassen

WKN: 918422 ISIN: US67066G1040 NVIDIA Corp.

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20.10.2020 - 11:01
09.01.2020 16:30:00

Wer hätte dies für möglich gehalten? Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran im mittleren Osten eskaliert und die großen Anleger zeigen sich fast unberührt davon. Jedenfalls zeigen sich keine Bremsspuren in den systematischen Risikoindikatoren des inneren Marktes. Außerdem bleiben die Anleger risikobereit, was die Stärke der sehr zyklischen Chip-Aktien wie Nvidia offenbart. Von Klaus Buhl

Liebe Anlegerinnen und Anleger,


das Börsenjahr 2020 verspricht absolut spannend und volatil zu werden - jedenfalls wenn man den Verlauf der ersten Handelstage als Maßstab heranzieht.

Und am Jahresende könnten wieder einmal die Bullen die Nase vorne haben. Große Ausdauer und eine gute Moral haben die Investoren jedenfalls auch im neuen Jahr. Anders sind die "Steh-auf-Mentalität" und die jüngsten Verlaufshochs an den US-Börsen nicht zu erklären. Insofern gibt es wenig Zweifel an der Qualität des nach wie vor intakten Aufwärtstrends - obwohl der aktuelle positive Impuls bereits Anfang Oktober gestartet ist und viele Indizes überhitzt sind.

Da die Börse etwa ein halbes Jahr in die Zukunft blickt, lautet die heutige "Millionen Dollar"- Frage: was kann überhaupt noch besser werden?

Immerhin sind im vergangenen Jahr die Börsen trotz Abkühlung der Weltwirtschaft und zahlreicher geopolitischer Spannungen ohne größere Irritationen gestiegen. Sowohl Aktien, Renten als auch viele Rohstoffe und Edelmetalle haben stark profitiert.

Im Augenblick deutet auf beiden Seiten des Atlantiks einiges auf eine Stabilisierung der Konjunktur. Dieser Meinung haben sich auch die Investoren angeschlossen und die Kurse hochgetrieben. Wo aber liegen die Risiken? Absolut unangenehm könnte es im Jahresverlauf werden, falls sich die Hoffnung auf eine Verbesserung der Konjunktur als voreilig erweisen würde. An den Börsen ergäbe sich dann eine ordentliche Korrektur - vor allem natürlich, falls die Notenbanken keine glaubwürdige Perspektive bieten könnten.

Die Chipaktien signalisieren die Zuversicht der Anleger


Ein anerkannter Gradmesser für das Vertrauen und die Zuversicht der Anleger ist der US -Chipsektor. Dieser Sub-Sektor gehört seit einigen Wochen zu den relativ stärksten und findet sich dadurch in bester Gesellschaft mit den übergeordneten und ebenfalls sehr festen Technologieaktien. Dies ist insofern erstaunlich, da Chipaktien als außerordentlich zyklisch gelten und vor allem dann nachgefragt werden, wenn die Anleger scharenweise vom Lager der Bären in das der Bullen wechseln und es kaum Fragezeichen am rosaroten Himmel der Konjunktur gibt.

Die folgende Grafik zeigt Ihnen den gelassenen P & F Chart der wichtigsten US- Chipaktien. Nach einer Krise oder einer bereits am Horizont aufleuchtenden Rezession sieht das ganz und gar nicht aus. Ganz im Gegenteil ist der Aufwärtstrend intakt und die aufsteigende Trendgerade wurde erst vor wenigen Wochen Anfang Dezember positiv getestet. (Buchstabe C für Dezember). Trotzdem zeigt auch dieser Chart einige Bremsspuren und harte Gefechte.

Trotz des übergeordnet sehr positiven Chartbildes will ich Sie auf das nach wie vor kurzfristig intakte Verkaufssignal hinweisen. Dieses erkennen Sie an der vorletzten (0-Achse) ganz rechts. Anfang Januar war der Druck der Verkäufer dort bei 1.850 Punkten größer als wenige Tage zuvor. Wahrscheinlich ist dafür "nur" der nun wieder abklingende Konflikt im mittleren Osten verantwortlich. Trotzdem würde ich diesen wichtigen Chart gut im Blick behalten und beobachten, ob wir nicht vielleicht doch in eine typische Umverteilungs-Situation geraten. Die nächsten potenziell sehr guten Unterstützungen finden wir übrigens bei 1.830 und 1.750 Punkten. Konsolidierungen bis in diesem Bereich wären harmlos, da wir uns dann nach wie vor noch oberhalb der Trendgeraden bewegen würden. Erst unterhalb der heute bei etwa 1.700 verlaufenden geraden würde es kompliziert für die Käufer werden. Umgekehrt wäre ein Befreiungsschlag oberhalb von 1.890 Punkten natürlich entscheidend und sehr positiv für die Käufer.

Nvidia bleibt aussichtsreich


Ein sehr interessanter Kaufkandidat könnte der Chip-Designer Nvidia sein. Einerseits hat die Aktie ein sehr positives Kaufsignal der P & F Technik generiert, ist aber auch Mitglied eines starken Sektors (Chips) und weist außerdem eine hohe relative Stärke auf.

Das sind wichtige Attribute für uns Anleger, da es kein Zufall ist, wenn die großen und gut informierten Anleger bestimmte Aktien und bestimmte Sektoren favorisieren.

Grundsätzlich sind die Gewinnaussichten in einem starken Sektor höher als in einem schwachen und es ist sogar sicherer, in starke Sektoren zu investieren, da man die großen Anleger an seiner Seite weiß. Bitte beachten Sie insbesondere den seit dem vergangenen Sommer intakten Aufwärtstrend, den der gelassene P & F Chart zeigt.

Oberhalb von 220 USD hat sich kürzlich ein weiteres Kaufsignal ergeben. Das Interesse der Anleger an der Aktie bleibt also hoch.

Trotzdem muss natürlich auch eine Rücktest der neuen Unterstützung bei etwa 220 einkalkuliert werden. Die nächsten dann folgenden Unterstützungen finden wir bei 208 und 200 USD. Insgesamt gehe ich davon aus, dass die Reise der Aktie noch nicht beendet ist und wir im Jahresverlauf das Kursziel bei etwa 300 testen werden.

Innerer Markt kurzfristig leicht überhitzt


Merkwürdigerweise war es auch diesmal typischerweise so, dass sich bestimmte ungünstige und kritische Dinge genau dann ereignen, wenn die Märkte überhitzt sind. Und damit meine ich systematisch überhitzt entsprechend dem Regelwerk des inneren Marktes, der einige gut funktionierende Risikoindikatoren für uns Anleger bereithält. Die folgende Grafik zeigt Ihnen diejenigen an der New Yorker Börse NYSE notierten Aktien, die oberhalb ihrer wichtigen 50- Tage- Linie notieren.

Oberhalb von 70 % beginnt übrigens die überhitzte Zone, in der die Fallhöhe bei einem Rückschlag relativ groß ist. Zur Zeit des Drohnenangriffs befand sich der Indikator bei 77 %, also einigermaßen überhitzt, aber noch nicht in einem wirklichen extremen Zustand. Interessanterweise gab es zwar einige Irritationen, die Bären waren aber nicht in der Lage, einen Spaltenwechsel herbeizuführen. Dazu müssen mindestens drei Kästchen (von oben kommend) ausgefüllt werden, bzw. mindestens weitere 6 % der Indexmitglieder ihre wichtige 50- Tage- Linie aufgeben. Entsprechend handeln wir heute nach wie vor in einer positiven X-Achse bei etwa 71 % und es gibt wenig Anlass, sich Sorgen zu machen.

Man muss es als Zeichen der Stärke der Käufer interpretieren, dass dieser Risikoindikator überhaupt nicht auf die Eskalation im mittleren Osten reagiert hat.

Die großen und meist gut informierten Anleger bleiben völlig gelassen und bei ihrer Angewohnheit, jede kleine Delle zu neuen Käufen zu nutzen. Entsprechend sollten auch wir uns nicht voreilig von gut laufenden Positionen verabschieden. Systematisch betrachtet gibt es dazu keinen Grund, da dieser wichtige Risikoindikator positiv konfiguriert ist und einen intakten Aufwärtstrend zeigt. Ganz rechts sehen Sie außerdem eine sehr positive X-Achse, die bei 76 % ein mehrfaches Kaufsignal beschreibt, also mehrere vorhergehende X-Achsen übersteigt.

Ein kleiner Schönheitsfehler ist lediglich, dass der Indikator leicht überkauft ist und sich in der überhitzten Zone oberhalb von 70 % aufhält. Kritisch wird es aber erst, falls diese Marke mit einer negativen 0-Achse von oben kommend unterschritten wird, wofür es heute keinerlei Anzeichen gibt. Falls Sie sich für die Philosophie der Point & Figure Charts interessieren, beachten Sie bitte auch meinen informativen Newsletter.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investitionen und einen schönen Tag Ihr Klaus Buhl

Klaus Buhl, Geschäftsführer der Libra Invest GmbH (www.libra-invest.de), bekennender Anhänger von Point and Figure Charts und der Philosophie des "inneren Marktes".

Klaus Buhl, Geschäftsführer der Libra Invest GmbH (www.libra-invest.de), bekennender Anhänger von Point and Figure Charts und der Philosophie des "inneren Marktes".

Klaus Buhl, Geschäftsführer der Libra Invest GmbH (www.libra-invest.de), bekennender Anhänger von Point and Figure Charts und der Philosophie des „inneren Marktes".


Bildquelle: BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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