1. Warum ist der Goldpreis so stark gestiegen?


Der Goldpreis hängt hauptsächlich von einem Faktor ab: dem Finanzmarkt. Es wandert zwar mehr Gold in die Indus­trie oder in die Schmuckherstellung, allerdings erwerben diese das Edelmetall relativ konstant und verlässlich. Private An­leger werfen hingegen manchmal viele ­Tonnen auf den Markt oder kaufen diesen in kurzer Zeit panisch leer. Das macht sie zum Zünglein an der Waage. In den vergangenen Monaten war die Goldnachfrage von Investoren enorm. Allein im Juni kauften Indexfonds weltweit fast 130 Tonnen, so viel wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Europa vor sieben Jahren. Damit hievten sie die Notierungen erstmals seit 2013 wieder über die Marke von 1500 US-Dollar je Feinunze.

Der Hintergrund der Käufe: Panik im Finanzsystem. Gold gilt als Angstwährung und Krisenmetall, sein Kurs steigt, wenn die Unsicherheit an den Börsen zunimmt. Das tut sie im Moment, denn es gibt zahlreiche Krisenherde. Die beschränken sich nicht nur auf politische Problemfelder wie den immer weiter eskalierenden Handelskrieg, den möglicherweise chaotischen Brexit oder den brandgefährlichen Konflikt mit dem Iran. All ­diese Ereignissen können große Auswirkungen auf die ohnehin schwächelnde Welt­wirtschaft und auf die Finanzmärkte haben. Auch die Finanzstabilität scheint durch die hohen Schuldenberge wieder in Gefahr. Verlieren Investoren zum Beispiel den Glauben an die Zahlungsfähigkeit Italiens, dessen Regierung zerbricht und dessen Wirtschaft nicht auf die Beine kommt, könnte das die Eurozone erneut in eine Existenzkrise stürzen. Rückenwind bekommt der Goldpreis vor allem aber durch die Notenbanken. Und das nicht nur, weil sie ihre Goldreserven seit Jahren ­aufstocken. Die US-Notenbank hat gerade erstmals seit der Finanzkrise wieder die Zinsen gesenkt, andere könnten nachziehen. Das drückt in großen Teilen der Welt die Renditen von Anleihen nach unten und nimmt Gold einen seiner großen Nachteile - dass es weder Zinsen noch ­Dividenden abwirft und somit für Investoren eigentlich nicht lukrativ ist. Bleiben die Zinsen lange niedrig, wie es derzeit wieder scheint, ist das gut für Gold.

2. Geht der Preisanstieg weiter?


Geht es nach den eingefleischten Goldfans, ist ein weiterer Anstieg des Goldpreises ausgemachte Sache. Allerdings geben diese meist keine konkreten Preisprognosen mehr ab - einfach weil sich ihre euphorischen Schätzungen in den vergangenen Jahren nicht erfüllt haben. Im Gegenteil, selbst nach der jüngsten Preisexplosion kostet eine Unze Gold etwa ein Viertel weniger als im Rekordjahr 2011. Dass dieser Rückstand schnell aufgeholt wird, halten die meisten Experten für unrealistisch. So erwarten die vom Datendienst Bloomberg befragten Analys­ten im Schnitt, dass eine Unze Gold im zweiten Quartal 2020 knapp 1420 Dollar kostet. Das wäre minimal weniger als momentan - eine eher ernüchternde Per­spektive für Goldanleger.

Die tiefste Prognose liegt bei 1325 Dollar, die höchste bei 1500 Dollar. Für steigende Goldpreise spricht, dass zehnjährige US-Staatsanleihen mit 1,7 Prozent nur noch knapp über der US-Inflationsrate von derzeit 1,6 Prozent rentieren. Fallen die Renditen weiter, verliert man mit US-Anleihen nach Abzug der Inflation also Geld. Bei Eurozonen-Papieren ist das längst der Fall. Historisch gesehen hat sich Gold in Zeiten mit solchen sogenannten negativen Realzinsen meist verteuert. Ob die Notenbanken ihre Geldpolitik weiter lockern und die Zinsen senken, hängt davon ab, ob aus der Krisenstimmung in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten tatsächlich eine veritable Krise wird. Passiert das, wird der Goldpreis davon profitieren. Entspannt sich die Lage aber, dürfte er fallen oder stagnieren. Dafür sollten dann die Aktienmärkte von großen Rückschlägen verschont bleiben.

3. Ist Gold Geld?


Jein. Für die ägyptischen Pharaonen war Gold zunächst ein Kult- und Schmuck­gegenstand. Unter dem Lyderkönig Krösus wurde es dann im 6. Jahrhundert vor Chris­tus erstmals zum Zahlungsmittel und setzte sich fortan fast überall auf der Welt durch. Im Lauf der Zeit trat jedoch das praktischere Papiergeld Schritt für Schritt seinen ­Siegeszug an. Völlig bedeutungslos wurde Gold aber nie. Auch das internationale ­Währungssystem war bis weit in das 20. Jahrhundert mit Goldreserven hinterlegt, erst 1973 wurde der Goldstandard abgeschafft.

Heute sind zwar die Goldmünzen der ­Bundesbank, Wiener Philharmoniker in ­Österreich, kanadische Maple Leaf oder American Eagle in ihren Ländern offizielles Zahlungsmittel. Mit ihnen beim Metzger Wurst zu kaufen, wäre allerdings ein schlechtes Geschäft: Die Unzen-Münze der Wiener Philharmoniker hat in Österreich einen staatlich garantierten Nennwert von 100 Euro, das dort verarbeitete Gold ist aber im Moment über 1300 Euro wert. Ob dieser Materialwert gerechtfertigt ist, ist umstritten. Fans schreiben Gold einen inneren Wert zu, da es nur in begrenzter Menge zur Verfügung steht und schwer aus dem Boden zu holen ist. Das gesamte in der Menschheitsgeschichte geförderte Gold passt in einen Würfel mit einer Kantenlänge von nur 20 Metern. Skeptiker entgegnen, dass Gold nicht mehr als ein nutzloses Metall ist. Wie beim Papiergeld beruhe sein Wert lediglich darauf, dass die Menschen daran glauben, dass es viel wert sei.

4. Warum sind die Deutschen solche Goldfans?


Sieben Währungen in 150 Jahren: Bei so vielen Währungsschnitten ist es vielleicht kein Wunder, dass die Deutschen wenig Vertrauen in ihr Geld haben. Besonders die Hyperinflation in den 1920ern, als Deutschland dem Goldstandard kurz den Rücken kehrte, hat das dumpfe Gefühl hinterlassen, dass Geld nicht mehr wert ist als das Papier, auf dem es gedruckt ist. Für kurze Zeit war das auch so: Kinder bauten 1923 mitunter Türme aus Geldscheinen. Gold gilt seither dagegen als Stabilitätsanker, weil es nicht an Wert verlor. Noch heute halten 70 Prozent der Bundesbürger das Edelmetall laut einer Forsa-Umfrage für eine sichere Geldanlage, die Deutschen horten etwa 9000 Tonnen Gold - mehr als die US-Notenbank. Die Bundesbank besitzt zudem die zweitgrößten Goldreserven weltweit. Sie stammen aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Damals überschrieben die USA der jungen Exportnation Goldbestände, um das durch den Kauf deutscher Waren entstandene Bilanzdefizit auszugleichen. Die wachsenden Reserven waren Ausdruck der wiedererlangten nationalen Stärke, was das Image des Edelmetalls weiter aufpolierte.

5. Sollte man Gold im Depot haben?


Klares Ja. Gold gehört in jedes breit aufgestellte Depot - und das, obwohl es weder Zinsen garantiert noch Dividenden abwirft. Dafür hat das Edelmetall eine andere gute Eigenschaft: Sein Preis steigt, wenn die Ak­tienkurse einbrechen, was es zu einer Art Depotversicherung in Finanzkrisen macht. Deshalb hält zum Beispiel auch Fondsmanager Bert Flossbach in seinem milliardenschweren Mischfonds Multiple Opportunities neben Aktien und Anleihen rund zehn Prozent Gold. Viel größer sollte der Edelmetallanteil im Portfolio aber nicht sein, raten Experten. Denn der Gold­preis ist weniger stabil als gemeinhin vermutet: Nach seinem Rekordhoch 2011 brach er um mehr als 40 Prozent ein. In ruhigen Zeiten ist die Depot­versicherung also wie jede andere Versicherung: Sie ­kostet viel Geld.

6. Wie lege ich am besten in Gold an?


Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Hessen hat Sicherheit für Goldkäufer höchste Priorität. Neun von zehn Befragten konnten sich Goldkäufe nicht zuletzt des­wegen vorstellen, weil "Gold weiterhin einen Wert hat, auch wenn das Finanzsystem zusammenbricht". Wer sich mit Gold wirklich gegen einen Kollaps des Finanzsystems wappnen will, sollte physisches Edelmetall kaufen. Allerdings keine Sammlermünzen etwa aus römischer Zeit, sondern Barren oder Anlagemünzen (Krügerrand, Philharmoniker, American Eagle etc.). Doch Vorsicht: Je kleiner die erworbene Einheit, desto größer die fälligen Handelskosten (siehe Frage 7). ­Zudem muss Gold irgendwo verwahrt werden. Wer Banken nicht traut, für den bleibt nur der eigene Tresor - sofern er ­einen hat. Zudem bieten große Goldhändler wie Degussa oder Pro Aurum Schließfächer, doch die kosten. Physisches Gold hat also auch viele Nachteile. Unkomplizierter sind ­Finanzprodukte, die das Auf und Ab des Goldpreises abbilden. Sie eignen sich für Anleger, die Extremereignisse wie Währungsschnitte oder einen Kollaps des Finanzsystems für unwahrscheinlich halten, ihr Portfolio aber diversifizieren und so die Auswirkungen möglicher Börsencrashs etwas abfedern ­wollen. Sie können in sogenannte ETCs investieren, die mit physischem Gold hinterlegt sind. Die bekanntesten sind ­Xetra-Gold (ISIN: DE 000 A0S 9GB 0) und Euwax-Gold II (DE 000 ­EWG 2LD 7).

Das in Tresoren verwahrte Gold kann man sich jederzeit ausliefern lassen. Allerdings ist die Lieferung mit hohen Kosten verbunden, weshalb sie kaum in Anspruch genommen wird. Daneben gibt es noch Aktien von Goldförderern. Wegen des Goldpreisanstiegs haben diese Minenaktien stark zugelegt, der Market Access Gold Bugs ETF (LU 025 932 226 0) ist seit Jahresbeginn 40 Prozent im Plus. Doch Goldförderung ist ein schwieriges und riskantes Geschäft. Die Papiere schwanken extrem, der ETF brachte auf Sicht von zehn Jahren rund 25 Prozent Minus. Sparpläne auf Gold sind nur selten ein gutes Angebot. Hier gibt es viele unseriöse Angebote. Und selbst bei seriösen Offerten werden gern hohe Handelsgebühren und Lagerkosten verlangt, was die meisten Edelmetall-Sparpläne zur Kostenfalle macht.

7. Worauf muss man bei Goldkäufen aufpassen?


Wer physisches Gold kauft, muss sicher sein, dass er keine Fälschungen angedreht bekommt oder mit Mondpreisen über den Tisch gezogen wird. In windigen Internetshops kann das passieren. Große Goldhändler sind hingegen über solche Zweifel erhaben, wie der jährliche Test in unserem Schwestermagazin €uro am Sonntag zeigt, bei dem Kriterien wie Preise oder Sicherheit bewertet werden. Dort landeten zuletzt GoldSilberShop.de, Degussa, Philoro, Coininvest und ESG auf den vorderen Plätzen. Doch auch beim Einkauf dort sollten Kunden die anfallenden Handelskosten beachten. Kauft man Gold in kleinen Gramm­barren, zahlt man fast ein Viertel mehr als den aktuellen Goldpreis, bei einer Unze sind es immer noch bis zu drei Prozent.

Bei Münzen können die Aufpreise minimal höher liegen, was mit dem größeren Produktionsaufwand zu tun hat. Verkauft man Gold, muss man hingegen meist einen Abschlag hinnehmen. Ein ebenfalls oft unterschätzter Faktor beim Goldhandel ist das Wäh­rungs­risiko. Gold wird an der Börse in Dollar gehandelt, auch die Berichterstattung bezieht sich oft auf den Dollar-Preis. Für deutsche Goldbesitzer ist beim Kauf und Verkauf aber nur der Europreis relevant - und der kann stark abweichen. Seit 2018 ist der Goldpreis in Euro stärker gestiegen als in Dollar (siehe Chart), doch das ist nicht ­immer so. Deshalb genau nachrechnen, ob man trotz in Dollar gestiegener Notierungen nicht doch mit Verlust verkauft. Dieses Risiko besteht nicht nur bei physischem Gold, sondern auch bei den meisten Finanzprodukten auf Gold.

8. Kann man Gold mit gutem Gewissen kaufen?


Eher nicht. Gold stammt oft aus Asien, Afrika oder Südamerika und wird unter schwierigen Bedingungen geschürft. Zwar haben die großen Minengesellschaften ihre Arbeits- und Umweltstandards erhöht, außerdem meiden sie Bürgerkriegsgebiete mittlerweile weitestgehend. Wirklich sauber ist der Abbau aber nicht - schon deshalb, weil mindestens ein Viertel des weltweit geförderten Goldes aus unregulierten Klein- und Kleinst­minen stammt. Manche Raffinerien nehmen es offenbar mit Ethikstandards nicht so genau. Sie schmelzen auch Gold aus Konfliktregionen ein und verkaufen es mit "sauberem" Herkunftssiegel. Auswege bieten rein aus Recycling gewonnenes Gold und Fairtrade-Gold. Beides gibt es ohne großen Aufpreis etwa bei ESG Edelmetall-Handel, bisher wird es aber nur selten verkauft.

9. Wie wird Gold besteuert?


Barren und Münzen sind beim Kauf von der Mehrwertsteuer befreit. Ausnahme: Sammlermünzen, die vor dem 19. Jahr­hundert geprägt wurden. Auch mögliche Gewinne werden unterschiedlich gehandhabt. Bei physischem Anlagegold sind sie nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Wer vor dem Ende der Spekulations­frist mit Gewinn veräußert, zahlt darauf jedoch den persönlichen Einkommensteuersatz. Finanzprodukte, die dem Goldpreis folgen, sind ebenso steuerfrei, sofern sie zwei ­Bedingungen erfüllen: Sie müssen zu mindestens 95 Prozent mit physischem Gold besichert sein, und Anleger müssen sich ihr Kapital jederzeit grammgenau in Gold ausliefern lassen können. Das ist laut ­Urteilen des Bundesfinanzhofs bei Xetra­-Gold der Fall und gilt auch für vergleich­bare Wertpapiere wie EuwaxGold II. Für ­Erträge aus nicht physisch hinterlegten Goldzertifikaten, Gold-Investmentfonds oder Goldminenaktien fallen hingegen unabhängig von der Haltedauer 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich 5,5 Prozent ­Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer an.

10. Sind andere Edelmetalle eine Alternative zu Gold?


Nur, wenn es um die Optik geht. Der Rapper Jordan Houston trägt hier zum Beispiel einen "Grill" genannten Zahnschmuck. Anders als üblich ist der nicht mit Gold, sondern mit Diamanten besetzt - sieht auch chic aus. Als Krisenversicherung für die Geldanlage eignen sich Preziosen wie Diamanten, Silber, Platin und Palladium hingegen nicht. Der Silberpreis entwickelt sich noch am ehesten ähnlich wie der Goldpreis. Er schwankt aber stärker, zudem wird Silber öfter in der Industrie genutzt, weshalb die Notierungen mehr von der Wirtschaftslage als von Faktoren wie der Finanzmarktpanik abhängen. Bei Platin und Palladium, die etwa in Autokatalysatoren verbaut werden, ist das genauso. Sie sind keine gute Absicherung gegen die Auswirkungen von Wirtschafts- und Finanzkrisen. Von Diamanten als Geldanlage sollte man komplett die Finger lassen. Sie verlangen enorme Expertise, die Preise hängen von Faktoren wie Qualität, Seltenheit, Farbe oder Verarbeitung ab.