Silber gehörte in den vergangenen Wochen zu den großen Gewinnern an den Metallmärkten. Doch nun mehren sich plötzlich skeptische Stimmen. Vor allem eine aktuelle Analyse der Großbank UBS sorgt für Aufmerksamkeit.
Die Analysten der Schweizer Investmentbank haben ihre Prognosen für Silber deutlich zurückgenommen und warnen vor kurzfristigen Belastungsfaktoren. Laut UBS-Analyse übertreffe die Nachfrage zwar weiterhin das Angebot, die Dynamik könnte sich jedoch deutlich abschwächen.
Marktdefizit geringer als zuvor prognostiziert
Besonders bemerkenswert ist dabei die Neubewertung des globalen Angebotsdefizits. UBS geht inzwischen davon aus, dass sich das Defizit am Silbermarkt 2026 deutlich verringern wird. Die Analysten rechnen nur noch mit einer Unterversorgung von rund 60 bis 70 Mio. Unzen. Zuvor hatte die Bank noch ein Defizit von etwa 300 Mio. Unzen erwartet. Diese drastische Korrektur gilt als einer der Hauptgründe für die vorsichtigere Einschätzung.
Gleichzeitig senkte UBS ihre Silberpreisprognosen deutlich. Für das Ende des zweiten Quartals 2026 erwarten die Analysten nun einen Silberpreis von 85 Dollar statt zuvor 100 Dollar. Auch das Kursziel für September wurde von 95 auf 85 Dollar reduziert. Die Jahresendprognose sank von 85 auf 80 Dollar und für März 2027 rechnet die Bank sogar nur noch mit 75 statt zuvor 85 Dollar.
Nachfrage der Industrie lässt nach
Als Belastungsfaktor nennt UBS vor allem die nachlassende Nachfrage in den Bereichen Schmuck, Photovoltaik und Silberware sowie im Investmentsektor (ETFs und Terminmärkte). Die Strategen gehen inzwischen davon aus, dass sich Silber in ihrem Basisszenario über weite Strecken eher seitwärts entwickeln dürfte. Komplett negativ sieht die UBS die Lage allerdings nicht. Die Analysten verweisen darauf, dass Gold weiterhin als stabilisierender Faktor fungieren dürfte. Da UBS auch beim Goldpreis weiter steigende Kurse erwartet, könnte dies Silber zusätzlichen Halt geben. Zudem habe die Korrelation zwischen Gold und Silber zuletzt deutlich zugenommen.
Allerdings rechnen die Analysten beim Gold-Silber-Ratio mittelfristig mit Veränderungen. UBS erwartet, dass sich das Verhältnis langfristig in Richtung einer Bandbreite von etwa 75 bis 80 (aktuell: 58) bewegen dürfte.
Silver Institute sieht weiter strukturelles Defizit
Laut dem im April veröffentlichten „World Silver Survey 2026“ des Silver Institute bleibt das globale Silberangebot weiterhin angespannt. Die Studie prognostiziert für 2026 bereits das sechste Angebotsdefizit in Folge. Konkret rechnen die Experten mit einem Defizit von rund 46,3 Millionen Unzen Silber (2025: 40,3 Mio. Unzen). Damit dürfte die weltweite Nachfrage erneut höher ausfallen als das verfügbare Angebot. Zwar steigt das Recyclingangebot wegen der hohen Preise deutlich an, gleichzeitig bleiben die Lagerbestände relativ niedrig. Genau dies mache den Silbermarkt laut Studie anfällig für starke Preisschwankungen und etwaige Lieferengpässe.
Interessant sei zudem, dass die strukturelle Industrienachfrage trotz einzelner Schwächen hoch bleibe. Vor allem KI-Infrastruktur, Stromnetze, Elektromobilität und Rechenzentren gelten weiterhin als wichtige Wachstumstreiber. Für Anleger ergibt sich daraus laut Silver Institute ein gemischtes Bild. Kurzfristig könnten Konjunktursorgen, hohe Zinsen und Gewinnmitnahmen zwar die Silberpreise belasten, langfristig spreche das anhaltende Angebotsdefizit jedoch weiterhin für einen grundsätzlich engen Markt.
Fazit: Die hohe Volatilität dürfte bei Silber deshalb auch künftig anhalten. Größere Rücksetzer sollten langfristig orientierte Anleger aber eher als interessante Kaufgelegenheit und nicht als Verkaufssignal interpretieren.
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