Der Goldmarkt sorgt 2026 für starke Diskussionen unter Anlegern. Derzeit sind viele Investoren verunsichert. Sie stellen sich derzeit folgende Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um Gold zu kaufen? Ein Experte liefert eine klare Antwort.

Viele Marktteilnehmer interpretieren die diesjährige Korrektur von in der Spitze 24 Spitze sowie die deutlich gestiegene Volatilität als Warnsignal. Doch laut Nitesh Shah (Leiter Rohstoff- und Makro-Research, Wisdom Tree Europa) handelt es sich vielmehr um eine Fehlinterpretation des Marktes.

Warum der Goldpreis gefallen ist – und warum das täuscht

Shah argumentiert, dass der jüngste Preisrückgang nur zu einem kleinen Teil fundamental begründet ist. Klassische Faktoren wie steigende Anleiherenditen, ein stärkerer US-Dollar oder veränderte spekulative Positionierungen erklären laut seiner Analyse lediglich einen Bruchteil der Bewegung. Der Großteil sei vielmehr auf einen „übertriebenen Ausverkauf“ zurückzuführen.

Ein entscheidender Punkt: In Phasen hoher Volatilität verkaufen Investoren Gold häufig nicht aus Überzeugung, sondern aus Zwang. Sie benötigen Liquidität, um Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen. Genau diese erzwungenen Verkäufe drücken den Preis kurzfristig – ohne dass sich die langfristigen Fundamentaldaten verschlechtern. Für Shah ist das ein klares Signal: Wenn der Preis durch technische Faktoren und nicht durch fundamentale Schwäche fällt, entstehen attraktive Einstiegsgelegenheiten.

Besonders deutlich wird Shah in einem Interview mit Kitco News: Wer diese Korrektur nicht nutzt, könnte langfristig Chancen verpassen. Er bezeichnet die aktuelle Phase als eine der seltenen „ultimativen Kaufgelegenheiten“ im Goldmarkt. Seine Argumentation basiert auf einem klassischen Marktprinzip: Große Trends verlaufen selten linear. Nach starken Anstiegen folgen häufig Korrekturen – bevor der übergeordnete Trend fortgesetzt wird. Historisch zeigt sich zudem, dass Gold nach geopolitischen Krisen oft zunächst nachgibt, bevor es neue Höchststände erreicht.

Noch wichtiger als kurzfristige Preisschwankungen seien jedoch die langfristigen Treiber – und diese sprechen laut Shah weiterhin klar für Gold. Ein zentraler Faktor ist die zunehmende Unsicherheit im globalen Finanzsystem. Themen wie steigende Staatsverschuldung, geopolitische Spannungen und eine mögliche „fiskalische Dominanz“ – also der Einfluss der Fiskalpolitik auf die Geldpolitik – stärken die Rolle von Gold als Absicherung. Hinzu komme eine strukturell steigende Nachfrage. Zentralbanken bauen ihre Goldreserven weiter aus, während neue Investorengruppen – etwa institutionelle Anleger in Asien oder digitale Asset-Emittenten – den Markt zusätzlich stützen.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Ein weiterer wichtiger Punkt: Gold wird zunehmend als Alternative zu Fiat-Währungen gesehen. In einem Umfeld möglicher Währungsabwertung und sinkenden Vertrauens in traditionelle Geldsysteme gewinne das Edelmetall als „harte Währung“ an Bedeutung.

Makroökonomische Trends als Rückenwind

Auch aus makroökonomischer Sicht bleibt das Umfeld für Gold attraktiv. Sollte es zu sinkenden Realzinsen kommen – ein Szenario, das viele Analysten erwarten – steigt die Attraktivität von Gold deutlich, da die Opportunitätskosten des Haltens sinken. Zudem könne ein schwächerer US-Dollar den Goldpreis weiter antreiben. In Kombination mit anhaltender Inflation und geopolitischen Risiken ergibt sich ein Umfeld, das historisch häufig mit steigenden Goldpreisen einhergeht.

Fazit: Die diesjährige Goldkorrektur wirkt auf den ersten Blick wie ein Rückschlag – könnte aber tatsächlich eine strategische Einstiegschance darstellen. Nitesh Shah sieht den Rückgang nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als Marktverzerrung durch kurzfristige Effekte. Für langfristig orientierte Anleger ergäbe sich daraus ein klares Bild: Die fundamentalen Treiber für Gold sind intakt, während der Preis kurzfristig unter Druck geraten ist. Genau diese Kombination macht Korrekturen oft besonders interessant. Dennoch gilt: Gold bleibt ein volatiler Rohstoff, und auch überzeugende Argumente garantieren keine kurzfristigen Gewinne. Wer investiert, sollte daher eine langfristige Perspektive einnehmen und Gold als Teil einer diversifizierten Anlagestrategie betrachten.

Häufige Fragen zu Gold

Was sind die größten Vorteile von Gold?

In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.

Und was spricht möglicherweise gegen Gold?

Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.

Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?

Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.

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