So hat zum Beispiel das allgemeine Interesse an Silber-Futures in der Woche zum 21. Juli den seit März zu beobachtenden "Aderlass" nahezu komplett aufgeholt. Die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) hat sich innerhalb einer Woche von 178.400 auf 185.500 Futures (+4,1 Prozent) erhöht. Während große Terminspekulanten optimistischer geworden sind, nahm unter kleinen Terminspekulanten die Skepsis zu. Bei der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten machte sich dies in einem leichten Zuwachs bemerkbar. Innerhalb einer Woche war ein Plus von 60.200 auf 62.000 Kontrakte (+3,0 Prozent) registriert worden. Dies stellte den höchsten Wert seit Anfang März dar.

Für den gestiegenen Optimismus waren ausschließlich Großspekulanten (Non-Commercials) verantwortlich, die ihr Long-Engagement (plus 4.300 Kontrakte) stärker ausgebaut haben, als ihr Short-Exposure (plus 1.400 Futures). Dadurch hat sich deren Netto-Long-Position von 43.900 auf 46.800 Kontrakte (+6,6 Prozent) zum dritten Mal in Folge erhöht. Unter den Kleinspekulanten geriet der Optimismus hingegen etwas ins Stocken. Deren Netto-Long-Position hat sich nämlich im Berichtszeitraum von 16.300 auf 15.200 Futures (-6,7 Prozent) reduziert.

Silber: Plus 100 Prozent in weniger als vier Monaten


Dass der "kleine Bruder von Gold" - also Silber - als besonders wild gilt, ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Seit Mitte März hat sich der Silberpreis in der Spitze mehr als verdoppelt und dadurch den Goldpreis deutlich outperformed. Seit dem Jahreswechsel erzielte das mit Abstand günstigste Edelmetall mit über 34 Prozent unter sämtlichen Edelmetallen die beste Performance. Auf Sicht von drei Jahren sieht die Lage jedoch völlig anders aus. Hier entwickelte sich Palladium (+184 Prozent) und der Goldpreis (+41,0 Prozent) erheblich besser als Silber (+32,7 Prozent). Sowohl Silber als auch Gold fungierten in der Vergangenheit als Währung, heute werden beide in erster Linie als Krisenwährung wahrgenommen.

Wer auf Silber setzt, benötigt zweifellos ein robusteres Nervenkostüm, schließlich fallen dessen Kursschwankungen - und damit auch das potenzielle Verlustrisiko - erheblich höher als bei Gold aus. Der Terminbörsenbetreiber CBOE hat für zahlreiche Anlageklassen sogenannte Volatilitätsindizes entwickelt, die auf Optionspreisen basieren, und dadurch die vom Markt erwartete Kursschwankungsintensität (Volatilität) anzeigen. Im Zuge der jüngsten Silberrally hat sich der CBOE-Silbervolatilitätsindex innerhalb weniger Wochen auf über 66 Prozent fast verdoppelt, während sein Pendant auf Gold lediglich einen Anstieg auf 26 Prozent verzeichnet hat. Silber ist dafür bekannt, dem Goldpreis in gehebelter Form zu folgen - nach oben, aber auch nach unten. Um diese Hebelwirkung abzuschwächen bietet sich an, Gold stärker zu gewichten als Silber. Innerhalb eines Edelmetallportfolios könnte man zum Beispiel folgendes Verhältnis anstreben: 80 Prozent Gold zu 20 Prozent Silber.

Mit dem Kurssprung über 24 Dollar ist dem Silberpreis der Ausbruch aus einer mehrjährigen Bodenbildungsphase - und somit ein starkes Kaufsignal - eindrucksvoll gelungen. Trotz des markanten Rebound scheint eine technische Korrektur keineswegs sicher zu sein, schließlich gelang dem Silberpreis vor zehn Jahren innerhalb weniger Monate ein Kurssprung von 18 auf ungefähr 50 Dollar. Nennenswerte Rückschläge gab es damals keine. Unter charttechnischen Aspekten eröffnet sich aktuell Aufwärtspotenzial bis in den Bereich von 28 Dollar. Das fulminante Drehen der langfristigen 200-Tage-Linie und dessen steile Aufwärtstendenz gilt zweifellos als positiver Begleitumstand.

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