Der Silberpreis hat turbulente Monate hinter sich. Nach einer spekulativ getriebenen Rallye zu Jahresbeginn folgte ein heftiger Rücksetzer. Doch inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass Silber weiter bergauf tendieren könnte.
Mehrere fundamentale und markttechnische Faktoren sprechen dafür, dass eine neue Silberpreis-Rallye möglich ist. Ein zentraler Treiber ist vor allem die angespannte Versorgungslage in China, einem der weltgrößten Silbernachfragern. Trotz zwischenzeitlicher Beruhigung der internationalen Notierungen bleiben die physischen Bestände dort knapp. Die Lagerbestände an mit der Shanghai Futures Exchange (SHFE) und der Shanghai Gold Exchange (SGE) verbundenen Warenhäusern sind seit 2020 regelrecht kollabiert und auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt gefallen. Gleichzeitig signalisiert eine ausgeprägte Backwardation – also höhere Preise für kurzfristige Lieferungen – eine akute Knappheit am Markt.
Diverse Gründe für die starke Silbernachfrage
Sowohl Investment- als auch Industrienachfrage zogen in diesem Jahr kräftig an. In China gibt es zudem eine starke Nachfrage aus der Solarindustrie, die Silber für Photovoltaik-Module benötigt. Vor dem Wegfall bestimmter Exportanreize haben viele Hersteller ihre Produktion vorgezogen und den Preisrückgang zum Nachkauf genutzt. Das sorgte für zusätzlichen Druck auf die ohnehin geschrumpften Lagerbestände.
Auch von regulatorischer Seite kommt Rückenwind. In Indien hat zum Beispiel die Börsenaufsicht SEBI neue Fondsregeln eingeführt, die Investmentfonds mehr Spielraum für Gold- und Silberanlagen einräumen. Sowohl Aktien- als auch Mischfonds dürfen künftig einen Teil ihres Vermögens in Edelmetall-ETFs investieren. Damit wird Silber stärker in institutionelle Portfolios integriert – ein struktureller Nachfrageimpuls für den Markt.
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Silberpreis ignoriert Terminmärkte
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Terminmärkte. Nachdem die Margins für Silber-Futures deutlich angehoben wurden, ging zum einen die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) deutlich zurück. Seit Ende Dezember beläuft sich das Minus auf über 16 Prozent. Große und kleine Spekulanten reduzierten zum anderen auch ihre Netto-Long-Positionen, der Optimismus kühlte sich ab. Hier stellten sich im selben Zeitraum Rückgänge um 20,2 bzw. 9,2 Prozent ein. Dennoch zeigte sich der Silberpreis bemerkenswert robust. Trotz des spekulativen Rückzugs liegt das Jahresplus 2026 aktuell bei rund 26 Prozent. Diese relative Stärke deutet darauf hin, dass der Markt zunehmend von physischer Nachfrage und weniger von kurzfristigen Spekulationen getragen wird.
Fazit: Die Kombination aus knappen Beständen, strukturell steigender Industrienachfrage, regulatorisch erleichtertem Investmentzugang und einer bereinigten Terminmarktpositionierung schafft ein konstruktives Umfeld. Sollte die Investmentnachfrage erneut anziehen, könnte der Silberpreis in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar ansteigen und möglicherweise neue Rekordhochs markieren. Für Anleger bleibt Silber damit ein spannender Kandidat im Edelmetallsegment. Eines sollte dabei aber auf keinen Fall außer Acht gelassen werden: Silberinvestoren benötigen ein besonders robustes Nervenkostüm.
Häufige Fragen zu Silber:
Macht der Kauf von physischem Silber Sinn?
Eher weniger, da in Deutschland beim Kauf von Silberbarren und -münzen Mehrwertsteuer anfällt, führt dies zwischen An- und Verkaufspreisen zu einem großen Spread, was die Renditechance stark reduziert? Über den Handel via Zollfreilager kann man die Steuer aber auf legale Weise vermeiden, solange die Silberbestände das Lager nicht verlassen.
Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Gold und Silber?
Der Silbermarkt gilt als weniger liquide als der Goldmarkt, was in der Vergangenheit zu einer deutlich höheren Silber-Volatilität geführt hat. Die industrielle Silbernachfrage fällt dank seiner zahlreichen Eigenschaften physikalischer und antibiotischer Art deutlich höher als beim gelben Edelmetall aus.
Sind bei in Deutschland handelbaren Silber-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?
Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Silbers vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.
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