Die Preise für Edel- und Industriemetalle sind seit Freitag stark gefallen. Doch die Gegenbewegung wird bald wieder einsetzen. Mit Indexzertifikaten und ETCs auf die Metalle können Anleger dann direkt an der Erholung partizipieren.

Die Rohstoffrally war - bis Freitag - in vollem Gang und hat längst weite Teile der in der Industrie genutzten Edel- und Industriemetalle ­erfasst. Silber und Kupfer feierten zuletzt neue Rekorde. Im Frühsommer vergangenen Jahres setzte auch bei Platin die Rally ein und Ende Dezember erfolgte bei Nickel der Startschuss.

Auch wenn die Preise nun binnen weniger Tage stark gefallen sind: Die Story bleibt intakt. Katalysator ist keineswegs die brummende Weltkonjunktur, wie in zahlreichen vergangenen Zyklen. Vielmehr schürt die Transformation in einigen Branchen die enorme Nachfrage nach ausgewählten Edel- und Industriemetallen. Autos sollen künftig mit Strom statt Benzin fahren. Als Energiequellen der Zukunft gelten vor allem Sonne und Wind statt Gas und Kohle. KI benötigt nicht nur Halbleiter, sondern ebenfalls jede ­Menge Strom. Zudem mischen Anleger und inzwischen auch US-Präsident Donald Trump mit. Mit Indexzertifikaten und sogenannten ETCs können Anleger an den Kursbewegungen des jeweiligen Rohstoffs partizipieren.

Silber
Cember Tech/Shutterstock
Silber steht bei Anlegern derzeit hoch im Kurs

KI schürt Kupferboom

Das Beispiel Kupfer zeigt, dass eine stetige Erhöhung der Produktion nicht zwangsläufig den Preis stabil hält. Dem International Wrought Copper Council zufolge stieg das Minenangebot von Kupfer von 13 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf schätzungsweise rund 22,2 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Die Nachfrage zog im gleichen Zeitraum allerdings von rund 15 Millionen Tonnen auf geschätzte 26,9 Millionen Tonnen an. Ausgeglichen wurde das Angebotsdefizit durch recyceltes Kupfer. Dies führte in den zurückliegenden Jahren zeitweise sogar zu ­einem Angebotsüberhang. Dennoch legte der Kupferpreis in den zurückliegenden 20 Jahren — unterbrochen von teils kräftigen Einbrüchen — tendenziell zu.

Seit Sommer hat sich der Kursanstieg sogar deutlich verschärft. Dabei existieren drei entscheidende Kurstreiber. „Aktuell gibt es zahlreiche Produktionsunterbrechungen, allen voran in den drei weltweit größten Minen“, sagte der Rohstoffstratege der Bank of America, Michael Widmer, gegenüber dem „Handelsblatt“. Gleichzeitig steigt die erwartete Nachfrage durch KI-Rechenzentren, E-Mobilität und Stromtrassen rasant an. „Die weltweite Kupfernachfrage wird bis 2035 voraussichtlich um 24 Prozent auf 42,7 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Diese Nachfrage, könnte aufgrund unzureichender Minenkapazitäten bis 2035 ein Angebotsdefizit von 30 Prozent verursachen“, heißt es in einer Studie des Analysehauses Wood ­Mackenzie. Ein zusätzlicher Kurstreiber bei Industriemetallen wie Kupfer und ­Nickel sind Spekulationen um US-Importzölle. Die Experten von Goldman Sachs erwarten, dass Mitte des Jahres in den USA ein Strafzoll für importiertes Kupfer in Höhe von 15 Prozent bekannt gegeben wird und ab Anfang 2027 gelten könnte. Entsprechende Pläne wurde bereits im vergangenen Sommer angekündigt und sorgten dafür, dass in den USA die Lagerbestände aufgefüllt wurden. Außerhalb der USA herrschte derweil Knappheit.

Kupfer
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Engpässe bei Kupfer beflügeln den Kurs des rötlichen Industriemtalls

Zahlreiche Minenbetreiber investieren massiv in den Ausbau ihrer Kapazitäten. Bis sie jedoch auf den Markt kommen, könnte es noch dauern. „Der Preis könnte in den nächsten beiden Jahren weiter steigen, bis auf 15 000 US-Dollar im Jahr 2027“, so Widmer von der Bank of America.

Bei Engagements auf Industriemetalle wie Kupfer gibt es jedoch einige Punkte zu beachten. Industriemetalle werden ausschließlich über Terminmärkte gehandelt. Entsprechende Wertpapiere beziehen sich somit auf einen Terminkurs. Das Indexzertifikat auf Kupfer bezieht sich aktuell auf den an der Terminbörse Comex gehandelten März-Kontrakt von Kupfer. Der Kurs des März-Kontrakts liegt mit aktuell 5,995 Dollar pro Pfund leicht über den demnächst fälligen Januar-Kontrakt, der bei 5,9525 Dollar liegt. Experten sprechen in diesem Fall von einer Contango-­Formation der Terminkurve.

Das Indexzertifikat ist ein endlos laufendes Papier. Rechtzeitig vor Fälligkeit und Ausübung des März-Terminkontrakts löst der Emittent die Kupferposition auf und reinvestiert den Betrag in den nächsten Future-Kontrakt. Dabei kann es angesichts der Contango-Formation der Terminkurve beim Rollen zu Verlusten kommen. Zudem notieren Rohstoffe stets in Dollar. Ein anhaltend schwacher ­Greenback könnte die Notierung belasten, eine Erholung hingegen für einen Zusatz­ertrag sorgen.

Nickel-Chart
BO Data/small charts

Nickel zieht nach

Nickel wird unter anderem bei der Batteriefertigung und zur Herstellung von Edelstahl verwendet. In den zurückliegenden Monaten belastete ein Überangebot die Preise. Allerdings gibt es auch bei ­Nickel Spekulationen um mögliche Einfuhrzölle ab 2027. Dies sorgte zuletzt für einen Kurssprung. Hinzu kommt, dass Indonesien, das mittlerweile zwei Drittel des weltweiten Nickels produziert, die Vergabe von Abbaugenehmigungen verzögert und die Nickelproduktionsquoten senkt, um den Preis zu stützen. Diesen Kurs will Indonesien zunächst beibehalten. Der Indonesian Nickel Miners Association zufolge könnte der Nickelpreis mittelfristig auf bis zu 22 000 Dollar pro Tonne steigen. Der WisdomTree Nickel bildet den Bloomberg Nickel Index nach. Der Index bezieht sich auf den Nickel-­Future und wird zu den Rollterminen entsprechend angepasst.

Platin-Chart
BO Data/small charts

Platin und Silber auf Allzeithoch

Edelmetalle wie Platin und Silber werden sowohl in der Industrie als auch als Kapitalanlage genutzt. Aktuell sind die Investoren ein maßgeblicher Faktor für die Rekordrally. Dieser Trend könnte in den kommenden Monaten anhalten.

Die geopolitische Lage sorgte für eine hohe Unsicherheit unter den Anlegern. Der Dollar ist schwach. Hinzu kommt die stetig steigende Staatsverschuldung vieler Länder, die, wie das Beispiel Japan zeigt, zeitweise zu größeren Verwerfungen an den Anleihemärkten führen können. ­Immer mehr Anleger schichten daher Teile ihres Portfolios von Rentenpapieren in Edelmetalle um. Gleichzeitig besteht sowohl bei Silber als auch bei Platin ein hohes Angebotsdefizit. Aus technischer Sicht hat Platin Luft bis 3200 Dollar und Silber bis 150 Dollar. Mit den ausgewählten ETCs auf Platin und Silber können Anleger an einer Fortsetzung der beiden Rallys ­partizipieren. 

Tabelle
BO Data, Stand: 27.01.2026

Dieser Text sammt aus der aktuellen Ausgabe von BÖRSE ONLINE

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