Seit Ende Januar hat sich der CBOE-Silber-Volatilitätsindex zwar von 111 auf 76 Prozent beruhigt. So richtig ruhig dürfte es an den Silbermärkten in den kommenden Wochen aber nicht werden. Gleich mehrere Kennziffern senden Warnsignale.

Der Silberpreis ist am Donnerstagabend überraschend stark unter Druck geraten. Verantwortlich für den Abverkauf waren laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg einige Marktteilnehmer, die sich im großen Stil von Edelmetallen getrennt haben, um Mittel zum Kompensieren von Verlusten in anderen Anlageklassen freizumachen. 

Es könnte nicht der letzte heftige Rutsch gewesen sien, denn gleich mehrere Faktoren sprechen dafür, dass dem Silberpreis weitere Turbulenzen drohen. Insbesondere die Lage am physischen Silbermarkt ist angespannt.

Silberbestände an der Comex im Sinkflug

Ein zentrales Warnsignal liefern die Lagerbestände an der US-Terminbörse Comex. Seit Oktober 2025 sind die Silberbestände dort regelrecht kollabiert. Insgesamt belaufen sie sich auf mehr als 379 Millionen Unzen. Auf den ersten Blick mag der kombinierte Gesamtbestand damit komfortabel erscheinen. Doch entscheidend ist die Zusammensetzung – und genau hier liegt das Problem. Bei den Silberbeständen unterscheidet die Terminbörse nämlich zwischen „Total Eligible“ (286,2 Millionen) und „Total Registered“ (93,0 Millionen). Als besonders kritisch gilt der niedrige Stand der letztgenannten Kategorie. Diese umfasst ausschließlich jenes Silber, das tatsächlich zur sofortigen Erfüllung von Lieferverpflichtungen aus Futures-Kontrakten zur Verfügung steht. „Eligible“-Bestände hingegen lagern zwar in den zugelassenen Tresoren, sind jedoch nicht automatisch für die Auslieferung registriert und gehören häufig Investoren oder Institutionen, die keinen unmittelbaren Verkaufswillen haben. Sinkt der Anteil des registrierten Silbers deutlich, erhöht sich das Risiko von Engpässen bei physischer Lieferung; insbesondere dann, wenn es eien wachsende Zahl von Marktteilnehmern ihre Lieferansprüche auch tatsächlich ausüben möchte.

Zusätzlichen Zündstoff liefert die Preisstruktur am Terminmarkt. In den vergangenen Wochen war zu beobachten, dass Spot-Silver kaum günstiger – zeitweise sogar höher – gehandelt wurde als Silber-Futures mit kurzer Laufzeit. Eine solche Konstellation deutet auf eine angespannte Versorgungslage hin. Normalerweise notieren Futures wegen der Lager- und Finanzierungskosten leicht über dem Kassapreis (Contango-Terminkurve). Wenn sich dieses Verhältnis umkehrt oder stark einengt, signalisiert das eine erhöhte Nachfrage nach sofort verfügbarer Ware – ein klassisches Indiz für Knappheit im physischen Markt.

Silber (WKN: 965310)

Geopolitische Lage bleibt kritisch

Auch geopolitische Faktoren verschärfen derzeit die Unsicherheit. Große Volkswirtschaften (vor allem USA und China) betrachten die Versorgung mit Silber zunehmend als strategisch relevant. Silber ist nicht nur ein Edelmetall, sondern auch eine bedeutendes Material für Zukunftstechnologien wie Photovoltaik, Elektromobilität und Halbleiter. Sollte es zu politischen Eingriffen kommen – etwa durch Exportbeschränkungen, den Aufbai strategischer Reserven  oder staatliche Eingriffen in die Lieferketten – könnten erhebliche Verwerfungen die Folge sein. Das würde dann zu anhaltenden, hohen Kursschwankungen führen.

Hinzu kommt ein saisonaler Faktor: Wichtige Marktteilnehmer aus China, einem der bedeutendsten Akteure im globalen Silberhandel, dürften sich im Zuge der anstehenden Neujahrsfeierlichkeiten im Reich der Mitte zeitweise aus dem Markt zurückziehen. Diese temporäre Abstinenz könnte die Liquidität des Silbermarkts über Nacht weiter reduzieren. In einem Markt mit angespannten physischen Beständen und erhöhter spekulativer Aktivität reichen dann bereits vergleichsweise kleine Orders, um größere Preisschwankungen auszulösen.

Fazit: Kurzfristige markttechnische Impulse treffen auf dauerhafte Angebotsrisiken. HInzu kommen die, schon fast üblichen, geopolitischen Unsicherheiten. Der Preisrutsch vom Donnerstag könnte daher der Auftakt für eine Phase erhöhter Volatilität sein. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass der Silbermarkt in den kommenden Wochen und Monaten sowohl nach unten als auch nach oben stark reagieren könnte.

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