Der Goldmarkt hat nach einer außergewöhnlich turbulenten Phase wieder Tritt gefasst. Auf dem reduzierten Niveau sorgten "Schnäppchenkäufe" für ein Überwinden der psychologisch wichtigen Marke bei 5.000 Dollar.
Ein zentraler Treiber am Goldmarkt ist derzeit China. Die Volksrepublik hat ihre Goldkäufe durch die eigene Zentralbank mittlerweile schon den 15. Monat in Folge ausgeweitet. Diese kontinuierliche Nachfrage unterstreicht, dass Peking physische Edelmetalle als strategische Reserve begreift. Parallel dazu sehen chinesische Aufsichtsbehörden US-Staatsanleihen kritische: Die einheimischen Finanzinstitute wurden aufgefordert, ihre Bestände zu begrenzen und bestehende Klumpenrisiken abzubauen.
China verkauft US-Staatsanleihen
Offizielle Zahlen des US-Finanzministeriums zeigen, wie ernst den Chinesen dieser Kurswechsel ist. Im November 2025 hielt China US-Staatsanleihen im Wert von 682,6 Milliarden Dollar – zwölf Monate zuvor waren es noch 768,6 Milliarden gewesen. Der Rückgang um über elf Prozent ist bereits seit Längerem zu beobachten und kein Zufall, sondern Ausdruck einer anhaltenden Entdollarisierung. Diese Entwicklung beschränkt sich jedoch längst nicht mehr auf China, Russland oder diverse BRICS-Staaten. Selbst einige europäische Partner der USA haben angekündigt, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Derzeit sind Japan mit 1202,6 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 888,5 Milliarden Dollar die größten Gläubiger der Vereinigten Staaten. In das Bild der Entdollarisierung passen auch die verstärkten Goldkäufe der polnischen Zentralbank. Nur zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr kauften laut World Gold Council Polen (101,98 Tonnen), Kasachstan (56,99 Tonnen), Brasilien (42,79 Tonnen), China (26,75 Tonnen) und die Türkei (26,1 Tonnen) besonders viel Gold.
Gold als Absicherung gegenüber diversen Risiken
Diese Verschiebungen verändern auch die Logik des Goldmarktes. Das Edelmetall wird weniger als Inflationsschutz betrachtet, sondern zunehmend als geopolitische Versicherung. HInzu komtm der Wunsch nach Unabhängigkeit von den USA. Steigende Staatsschulden, politische Unsicherheiten, Sanktionen und Zweifel an der langfristigen Stabilität großer Währungen wie dem US-Dollar stärken den Status von Gold als neutralen, grenzenlos handelbaren Wert zusätzlich. Hinzu kommt, dass klassische Treiber wie das Zinsumfeld derzeit in den Hintergrund treten. Obwohl Gold keine Zinsen oder Dividenden abwirft, steigt die Nachfrage weiter. Entscheidend sind stattdessen Liquidität, fehlendes Kontrahentenrisiko und globale Akzeptanz. Physisches Gold kann nicht eingefroren, sanktioniert oder wertlos werden, weil ein Emittent ausfällt.
Die jüngste Rally wurde zwar auch durch spekulatives Kapital angeheizt, doch der darauf folgende Einbruch hat den Markt eher bereinigt als zerstört. Große Banken und Vermögensverwalter sehen die langfristigen Treiber weiterhin intakt: eine Welt im Machtumbau, ein fragmentiertes und fragiles Finanzsystem sowie Notenbanken, die strukturell zu Käufern geworden sind.
Fazit: Kurzfristig dürfte die Volatilität im Goldpreis relativ hoch bleiben, weitere technische Rückschläge können nicht ausgeschlossen werden. Doch hinter den Schwankungen zeichnet sich ein klarer Trend ab: Gold ist vom „Nice-to-Have-Asset“ zum geopolitischen Vermögenswert und einem regelrechten „Must-Have-Investment“ aufgestiegen. Solange die globale Unsicherheit anhält und die Entdollarisierung voranschreitet, dürfte die Rückkehr der Schnäppchenjäger kein Strohfeuer bleiben, sondern Teil eines größeren Paradigmenwechsels sein.
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