HONGKONG/LONDON (dpa-AFX) - Die britische Großbank HSBC hat im zweiten Quartal dank der höheren Zinsen und gut laufender Geschäfte an den Finanzmärkten deutlich mehr verdient. Der Gewinn sei um 27 Prozent auf 6,6 Milliarden US-Dollar (rund 6 Mrd Euro) geklettert, teilte die vor allem in Asien aktive Bank am Dienstag in Hongkong und London mit. Die Erträge legten um 38 Prozent auf 16,7 Milliarden Dollar zu. Damit übertraf die Bank die Erwartungen der Experten.

Konzernchef Noel Quinn erhöhte die 2023er-Prognose für den Zinsüberschuss. Außerdem legte er die Latte für die Eigenkapitalrendite im laufenden und kommenden Jahr höher und kündigte den Rückkauf weiterer Aktien für bis zu zwei Milliarden Dollar an. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die HSBC-Anteile legten in London im frühen Handel etwas mehr als zwei Prozent zu auf rund 660 Pence und damit den höchsten Stand seit Sommer 2019.

Das Papier war im Corona-Crash im Frühjahr 2020 bis auf 281 Pence gefallen, konnte das Tief aber schnell hinter sich lassen und kostet inzwischen wieder mehr als vor der Corona-Pandemie. Mit einem Plus von etwas mehr als zehn Prozent seit Ende 2019 hinkt die Aktie allerdings dem europäischen Branchenindex Stoxx 600 Banks etwas hinterher. Mit einem Börsenwert von rund 131 Milliarden Pfund ist die HSBC die wertvollste Bank Europas.

Bei der HSBC waren wie bei den meisten anderen Banken Europas und weltweit die steigenden Zinsen ein wichtiger Teil für den Ertragsanstieg. Bei der HSBC kletterte der Zinsüberschuss um 38 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro. Die Marge im Geschäft mit dem Leihen und Verleihen von Geld kletterte im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel auf 1,72 Prozent und war damit auch noch mal höher als zum Jahresauftakt.

Dies dürfte in Großbritannien die Kritik an den Banken verstärken. Experten und Politiker monieren, dass die Banken in den vergangenen Monaten den Anstieg der Leitzinsen bei den Krediten schnell weitergegeben haben, aber bei den Einlagen zögerlich sind. Aber die HSBC konnte auch in den anderen Bereichen ihr Geschäft deutlich ausweiten. Die anderen Erträge legten um 39 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar zu.

Quinn, der die Bank seit Sommer 2019 führt, will trotz der stark steigenden Einnahmen weiter auf die Kosten achten. Er kündigte zudem an, dass 2023 und 2024 die Hälfte des Gewinns über Dividenden direkt an die Aktionäre weitergegeben werden soll. Die Bank hatte im ersten Quartal die Dividendenzahlungen wieder aufgenommen, nachdem sie diese nach Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang 2020 gestoppt hatte. Für das zweite Quartal sollen wie zum Jahresauftakt 10 Cent je Anteilsschein gezahlt werden./zb/ngu/jha/

Quelle: dpa-Afx