FRANKFURT (dpa-AFX) - Auch in der neuen Woche könnte sich der Dax
Laut Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl hatten auch internationale Investoren beim Dax-Anstieg bis auf ein Rekordhoch bei 25.507 Punkten ihre Finger im Spiel: "Sie scheinen aufgrund der Milliardeninvestitionen der Regierung in Rüstung und Infrastruktur eine optimistischere Sicht auf Deutschland zu haben als viele deutsche Investoren selbst." Neben den Dax-Unternehmen würden außerdem die Nebenwerte in MDax
Direkt zu Wochenbeginn dürften allerdings deutlich weniger ausländische Anleger mitmischen. Wegen des "Martin Luther King Day" wird am Montag nicht an den US-Börsen gehandelt. Angesichts möglicher marktrelevanter Schlagzeilen an einem verlängerten Wochenende berge das ein gewisses Risiko, schrieben die Experten von Index Radar: "Die Märkte mögen Pausen, Überraschungen hingegen meist nicht."
Dabei spielten geopolitische Risiken an der Börse zuletzt nur eine untergeordnete Rolle. "Die Diskussionen um eine mögliche US-Angliederung Grönlands und die drohende US-Intervention im Iran werden bisher weitgehend ignoriert", stellte Analyst Frank Sohlleder vom Broker ActivTrades fest. Da sich die Frage stelle, ob schwerwiegende politische oder gar militärische Eskalationen in den Kursen eingepreist seien, drohe jedoch ein böses Erwachen.
Aus Sicht des Experten Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg reicht eine mittlerweile hohe Bewertung offensichtlich noch nicht aus, um die Kursrally zu bremsen. Er sieht aber eine Reihe weiterer Risiken: "US-Präsident Donald Trump bastelt an einer neuen Weltordnung, die KI-Story zeigt erste Risse, und die US-Notenbank Fed droht ihre Unabhängigkeit zu verlieren." Mit Blick auf die vergangenen drei starken Jahre im Dax wähnten sich die Anleger aber in Sicherheit und unterschätzten Gefahren.
Unter anderem die Berichtssaison könnte in dieser Gemengelage weiterhin für Ablenkung sorgen. In den USA stehen im Wochenverlauf zum Beispiel Quartalszahlen von dem Streaming-Riesen Netflix
Auf Konjunkturseite dürften die Einkaufsmanagerindizes am Freitag besondere Beachtung finden. "Bei der Unternehmensaktivität lässt sowohl in Deutschland als auch in Europa insgesamt der echte Aufschwung immer noch auf sich warten", kommentierte Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Zwar dürfe die Wirtschaft nicht zuletzt dank der gesunkenen Zinsen 2026 etwas besser als im Vorjahr laufen, von Optimismus sei man aber noch weit entfernt.
Neben frischen Erzeugerpreisdaten aus Deutschland dürften am Dienstag auch die ZEW-Konjunkturerwartungen eine Rolle spielen. Auf Basis ermutigender Signale aus der Industrie im vierten Quartal könnte die deutsche Wirtschaft mit Schwung ins neue Jahr gestartet sein, schrieb Simon Azarbayjani von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die ZEW-Umfrage sollte daher etwas mehr konjunkturelle Zuversicht zeigen./niw/la/nas
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---Ž
Quelle: dpa-Afx